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Der Ernst des Studentenlebens

Übersicht

Was vorher geschah: Die Studenten beschlossen zu streiken und daher verzögerte sich der Unistart um eineinhalb Monate auf den 14. September. Die Gründe sind mir bis jetzt immer noch nicht so ganz klar, ein großer Punkt war auf jeden Fall die Forderung nach einer "educación gratuita", unter der sich hier alle Studenten vereinen aber es gab auch noch verschiedene andere Punkte.

Damit begann also der Ernst des Studentenlebens…aber halt: war da nicht noch was? Ach ja, er hätte begonnen, wären die Professoren gekommen und hätten ihren Unterricht gehalten. Aber irgendwie schien niemand Lust zu haben, da die erste Vorlesungswoche sowieso nur aus drei Tagen bestand. Am 18. September ("el Dieciocho") ist nämlich der wichtigste chilenische Feiertag, der zwar als Unabhängigkeitstag gefeiert wird aber eigentlich nur den Beginn der Unabhängigkeitsbewegung darstellt, da an diesem Datum im Jahr 1810 eine "Junta de gobierno", die erste unabhängige Regierung, ins Leben gerufen wurde. Offiziell wurde die Unabhängigkeit Chiles erst am 18. Februar 1818 erklärt. Auf jeden Fall schien es so, als hätten die Professoren keine Lust für drei Tage Vorlesungen zu halten. In den ganzen drei Tagen fand nur eine einzige meiner Vorlesungen statt.

Como pasar el Dieciocho – wie man den Dieciocho verbringt

Dafür hatten wir viel Zeit, um uns von unserer Reise zu erholen und zu überlegen, wie wir den "Dieciocho" (wie das gesamte Wochenende genannt wird) verbringen wollten. Letztendlich lief es auf drei Asados (Barbecues) und zwei Fondas (typischen Feste an diesem Feiertag, eine Mischung aus Volksfest und Oktoberfest) in vier Tagen hinaus. Auf den Fondas lernten wir den Cueca, den Nationaltanz, kennen.

Getrunken wird traditionell Terremoto, das ist eine Erfindung der Chilenen und besteht aus Wein, Grenadine und Pfirsicheis und ist einfach nur pappsüß. Die Asados waren einmal bei Freunden, einmal bei Chilenen, die wir am Wochenende zuvor kennen gelernt haben und einmal nahm mich meine Mitbewohnerin mit zu ihrer Familie. Es gab immer reichlich zu essen, vor allem bei Francescas Familie. Chips, Cracker und Salchicha (Wurst) als erste Vorspeise, Empanadas de Pino (Hackfleisch, Zwiebeln, Olive und Ei) als zweite Vorspeise und danach noch zwei verschiedene Sorten Fleisch als Hauptspeise. Typisch für chilenische Asados ist auch das Choripan, eine bestimmte Art von Grillwurst mit Marraqueta, dem Weißbrot der Chilenen, und Pebre, eine Art Tomatensalat.

Erstes Erdbeben

Übrigens erlebte ich einen Tag vor dem Dieciocho mein erstes Erdbeben hier! Mit einer Stärke von 8,3 im Epizentrum auch nicht ohne. In Santiago selbst lag die Stärke bei 7,4. Es starben sogar acht Personen durch das Erdbeben, im Norden wurde viel zerstört, vor allem aber durch den darauffolgenden Tsunami. Auch Valparaíso, das ca. eine Stunde von Santiago entfernt an der Küste liegt, wurde evakuiert. Ein paar Freunde fuhren am nächsten Tag in den Norden nach La Serena und hatten zunächst einen Tag lang kein Strom und kein fließendes Wasser. Ich selbst war zur Zeit des Erdbebens in meiner Wohnung. Meine Mitbewohnerin meinte zuerst es wäre nur ein "Temblor" aber als es länger andauerte, gab sie schließlich zu, dass es wohl doch ein Erdbeben wäre. Von schwerwiegenden Folgen in Santiago habe ich nichts mitbekommen, die Häuser sind hier alle sehr stabil gebaut und die die es nicht sind, wurden schon längst bei den letzten Erdbeben zerstört. In den nächsten Tagen und Wochen sollten auf jeden Fall weitere Nachbeben folgen, die ich damals noch deutlich spürte aber heute schon fast nicht mehr wahrnehme.

Erste Uniwoche

In der zweiten Woche bequemten sich dann doch einige Professoren dazu, Unterricht zu halten. In den ersten Stunden musste ich mich wirklich anstrengen, um etwas zu verstehen, weil wir teilweise sehr alte Professoren haben, die zwar langsam, aber nich so klar redeten und teilweise jüngere, die dann aber viel zu schnell redeten. Auch der Sportunterricht fand diese Woche statt. Ich hatte mich für den Handball Kurs angemeldet, weil ich das schon in Deutschland gespielt hatte. Prompt wurde ich auch gefragt ob ich nicht in der Mannschaft spielen will und damit am Fakultätsturnier der Universidad de Chile teilnehmen will. Leider reichte es nur für einen der letzten Plätze.

 

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