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Vom Schnee in die Wüste

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Kurz nach Silvester trafen wir wieder in Santiago ein. Jetzt ging endlich die große Reise los! Julika und ich würden jedoch erst in der nächsten Woche gemeinsam Richtung Norden aufbrechen, da wir Karten für das "Woodstaco“ Festival  bei Curicó vom 8. bis 10. Januar hatten.

In Santiago war ich aber leider obdachlos, denn ich hatte mein Zimmer nur bis Ende Dezember gemietet. Daher reiste ich fünf Tage alleine ein Stück in den Süden. Ich hatte in Concepción eine Couchsurferin angeschrieben und sie hat mich akzeptiert. Mein erstes Mal Couchsurfing!

Ein bisschen aufgeregt war ich ja schon, da ich noch keine Ahnung hatte, wie das alles ablaufen würde. Bis darauf, dass ich sie morgens um 7 Uhr noch nicht erreichte und eine Stunde lang ohne Orientierung in Concepción herumirrte, lief jedoch alles wie am Schnürchen. Wir verstanden uns sehr gut, ich hatte sogar mein eigenes Zimmer und Bad, wir aßen immer zusammen und verbrachten einen Tag gemeinsam an einer Lagune und nachmittags in einer Bar mit Freunden von ihr. Da sie die anderen Tage jedoch arbeiten mussten, erkundete ich alleine die Stadt und fuhr zu einem großen Wasserfall in der Nähe.

Nach Concepción ging es Richtung Curicó, in den Nationalpark Siete Tazas, da dieser sehr schön sein sollte und ich wegen dem Festival sowieso in die Richtung musste.

In Molina, einem Dorf in der Nähe, hatte ich einen weiteren Couchsurfer gefunden und war sogar nicht die Einzige dort. Eine andere Deutsche schlief auch eine Nacht mit mir zusammen im Wohnzimmer der Familie und am nächsten Tag brachen wir mit dem Couchsurfer und einem Freund in den Nationalpark auf. Was ich nicht wusste: Es gab dort Taranteln, anscheinend ungefährliche, die wir dann alle einmal auf die Hand nehmen mussten.

Ein Festival der anderen Art

Ich schlief danach noch eine Nacht in Molina. Am nächsten Tag traf ich mich mit Julika und zwei anderen Freunden in Curicó, um gemeinsam aufs Festival zu gehen. Im Bus zum Festivalgelände lernten wir zwei Chilenen kennen, mit denen wir dann auch unser Camp aufschlugen. Da wir gefühlt die einzigen drei "Rubias“ auf dem gesamten Festival waren, wurde uns dementsprechend viel Aufmerksamkeit zuteil. Dies legte sich jedoch innerhalb der nächsten Tage.

Das Festivalgelände war einzigartig, wir campten zwischen Bäumen und ein Fluss war auch in der Nähe. Es gab Ecoduschen mit Flusswasser, einen Traktor der regelmäßig übers Festivalgelände fuhr, überall wurde Melvin (kleiner Exkurs: Die Chilenen lieben es zwei Wörter zu einem zu verbinden, "Melvin“ ist daher Melone und Vino, andere Beispiele sind. "Choripan“ Chorizo mit Pan also Würstchen im Brot, "Fanschop“ Fanta und ein Schop (halber Liter Bier) und "Piscola“ Pisco und Cola) verkauft und abends ein Lagerfeuer angeschürt.

Die Musik war eher experimentell, es gab vier verschiedene Stages aber außer Rock, Techno und Cumbia konnte ich die meisten Bands keiner Musikrichtung zuordnen. Eine Überraschung nicht musikalischer Art gab es bei der ersten Band…der Schlagzeuger saß nackt auf der Bühne! 

Schnee in Cajón del Maipo  

Zurück in Santiago kam ich zum Glück noch eine Nacht in meinem alten Zimmer und eine Nacht in meinem neuen unter. Die zwei Hannahs, die ihr Auslandsjahr in Buenos Aires verbrachten, waren mit Freunden zu Besuch. Mit ihnen ging ich an unserem letzten Tag in Santiago in den Cajón del Maipo. Leider hatten wir uns ein bisschen mit der Zeit verschätzt, da wir am Abend unseren Bus in den Norden gebucht hatten.

Die Anfahrt mit Metro und Bus bis zum Ort, von wo aus wir zu einem vierstündiges Trekking anfingen, dauerte drei volle Stunden und letzte und einzige Bus fuhr erst wieder um 18.30 Uhr zurück. Zu spät also, um unseren Bus nach Caldera zu bekommen. Da wir jedoch schon dort waren und keine andere Möglichkeit mehr hatten, früher zurück zu kehren (zudem auch kein Netz), entschieden wir uns, uns später darüber Gedanken zu machen und brachen erst einmal zur Wanderung auf.

Sie ging durch das Tal bis zu einem Gletscher und wir konnten sogar Schnee anfassen. Und das bei gefühlten 25 Grad! Wir kehrten relativ früh zurück und versuchten uns mit trampen. Und siehe da, der erste Lkw, der um die Kurve fuhr, hielt tatsächlich an. Er nahm uns sogar bis nach Santiago mit und so hatten wir noch genug Zeit zum duschen und essen bevor es zum Terminal ging.

Wüstenlandschaft

Als wir am nächsten Tag morgens aus dem Bus stiegen, erwartete uns eine völlig andere Landschaft. Wir waren in der Wüste angekommen. Den Tag verbrachten wir am Strand in Bahía Inglesa (einem der schönsten Strände Chiles) und in Caldera selbst. Was uns sehr faszinierte, waren die Seelöwen am Fischerhafen, die direkt neben der Brüstung auf Fischabfälle warteten.

Am folgenden Tag erkundeten wir mit einem Mietwagen den Nationalpark Pan de Azúcar nördlich von Caldera. Es war wieder eine komplett andere Landschaft, wir befanden uns immer noch in der Wüste aber in der Küstenkordillere mit 20 verschiedenen Kakteenarten, Pelikanen, Guanacos und – man glaubt es kaum – Pinguinen, die wir aber leider nicht zu Gesicht bekamen, da der Wellengang zu heftig war um mit einem Fischerboot vom Hafen auf die Insel Pan de Azúcar zu fahren, auf der die Pinguine leben.

Am darauffolgenden Tag trennte ich mich von Hannah und ihren Freunden um mit Julika weiter zu reisen. Es ging im Nachtbus nach Antofagasta, um dort meinen Tandem Richard aus Deutschland zu treffen, der Chilene ist und dort arbeitet.

Wir verbrachten nur einen Tag in Antofagasta und fuhren abends weiter nach Iquique. Trotz meist negativer Äußerungen über die Minenstadt Antofagasta gefiel es uns dort sehr gut und wir waren erstaunt wie freundlich und offen die Leute dort waren. Die Tatsache, dass uns oft zugewunken wurde beziehungsweise wir immer angestarrt wurden, bestätigte was wir bereits wussten.

Antofagasta wird von Touristen meist links liegen gelassen. Wir sind jedoch froh, dass wir diese Stadt mit ihrer schönen Architektur im Zentrum und ihrem Fischer- und Antiquitätenmarkt kennengelernt haben, wenn auch nur kurz. Auf dem Antiquitätenmarkt unterhielten wir uns mit zwei Händlern über ihre Reiseerfahrungen (von Chile bis in die USA per Anhalter) und bekamen sogar ein Andenken geschenkt, eine alte Minenarbeitermünze, mit denen damals bezahlt wurde.

Nächstes Ziel: Iquique

Wir kamen dort ein paar Nächte bei einem Couchsurfer unter und erkundeten tagsüber die Dünen von Iquique, die lange Strandpromenade und die Innenstadt, die an einen Westernfilm erinnert und natürlich die Geisterstadt Humberstone in der Umgebung. Es ist eine verlassene Salpeterstadt, die etwa 1860 eröffnet wurde und nach Ende des Salpeterbooms verlassen und geschlossen wurde. Man kann dort die Industrieanlagen,  verfallenen Unterkünfte und einige Gebäude des öffentlichen Lebens wie Schwimmbad und Theater besichtigen. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, wie die Leute damals dort gelebt haben und wie ausgestorben es jetzt dort ist.

Unsere Couchsurfing Erfahrung in Iquique hielt sich in Grenzen. Es waren abgesehen von uns noch fünf weitere Personen zu Gast in der Wohnung und es wurde jeden Abend reichlich Bier getrunken. In der Wohnung sah es daher am nächsten Morgen dementsprechend verwüstet aus. An den Feiern konnte ich leider nicht richtig teilnehmen, weil ich mich zuvor erkältet hatte. Sie waren aber alle sehr aufgeschlossen und wir waren tagsüber ziemlich flexibel mit unserer Planung. Interessant war es auch, die einzelnen Geschichten der Leute zu erfahren. Ein Argentinier, der zur gleichen Zeit dort war, finanzierte sich seine Reise damit, tagsüber Sandwiches am Strand zu verkaufen.

In Arica, einer weiteren Wüstenstadt auf unserem Weg, kamen wir wieder bei einem Couchsurfer unter. Dort waren wir alleine mit ihm in dem Haus seiner Familie und schliefen in Sesseln, die sich wie im Nachtbus nach hinten verstellen ließen. In Arica selbst gingen in ein Museum mit über tausend Jahre alten Mumien der Chinchorro-Kultur, einem südamerikanischen Nomadenvolk das bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. im Norden Chiles und Süden Perus lebte.

Außerdem verschafften wir uns auf dem Morro, dem Stadtberg auf dem die Peruaner während des Sapeterkriegs den Chilenen Widerstand leisteten, Überblick über die Stadt und trafen uns danach mit dem Couchsurfer und einem Freund von ihm am überfüllten Strand. Am nächsten Tag würden wir die Wüste hinter uns lassen und uns auf den Weg in die Berge, nach Putre und dem Parque Nacional Lauca aufmachen, unserem letzten Stopp vor Bolivien.

 

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