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Auf den Spuren der Colonia Dignidad

Übersicht

Alles begann damit, dass mich eine chilenische Freundin auf den deutschen Film "Colonia Dignidad“ aufmerksam machte, der in Deutschland schon im Februar angelaufen war und in Chile aber zurückgehalten wird. Warum begriff ich sehr schnell: Der Film beschäftigt sich mit der deutschen Siedlung "Colonia Dignidad“ (Die Kolonie der Würde), die 1961 in der Región de Maule in Chile unter dem Deutschen Paul Schäfer gegründet wurde. Innerhalb des 40 Hektar großen Geländes schuf er eine Sektenstruktur, manipulierte und unterwarf sich die Bewohner der Siedlung, isolierte Familienmitglieder voneinander und missbrauchte die Jungen. Alle die sich ihm entgegen stellten oder versuchen zu fliehen wurden mit Elektroschocks gequält und mit Psychopharmaka betäubt. Nach außen gab sich die Siedlung sozial, die Krankenstation hat einen guten Ruf bei den Chilenen, es gab Armenspeisungen. Das jahrelange Desinteresse an den internen Vorgängen und der Protektionismus der chilenischen Behörden aber auch der deutschen Botschaft hatten einen Grund: Paul Schäfer hatte gute Beziehungen zu General Augusto Pinochet und ermöglichte es dem chilenischen Militär in der Zeit der Diktatur politische Gefangene auf dem Gebiet der Colonia zu foltern. Leider wird  in Chile immer noch vieles was in der Diktatur geschah, zensiert. Es werden Gründe wie "fehlende Kapazitäten“ vorgeschoben, um das Fehlen des Films im Programm zu rechtfertigen. Als wir am Wochenende in Talca und Umgebung am reisen waren, eine Stadt nur 2 Stunden von der Siedlung entfernt, fanden wir ein unabhängiges Kino, das den Film zeigte. Das Kino war überfüllt, wir bekamen fast keine Karten mehr. Das Interesse der Bevölkerung an dem Thema scheint groß zu sein. Von wegen “fehlende Kapazitäten“. Da uns der Film sehr mitgenommen hatte, entschlossen wir uns am nächsten Tag den Ort des Geschehens aufzusuchen und ein bisschen nachzuforschen. Die Siedlung heißt heute "Villa Baviera“ und ist ein Touristenkomplex mit Hotel, Restaurant, einem großen Festzelt das man für Hochzeiten oder andere Veranstaltungen mieten kann, verschiedenen Aktivitäten wie Pferdereiten, Hot Tubs und einem Bayernladen, in dem deutsche Lebensmittel aus eigener Produktion angeboten werden.

Die Reise zur Villa Baviera

Zunächst verbringen wir eine Stunde im Bus von Talca nach Parral. Dort müssen wir die Ruta 5 verlassen und uns auf eine abgelegene Straße Richtung Osten begeben. An der Kreuzung steigen wir aus. Es ist nasskalt draußen und sehr ruhig. Hin und wieder fahren Autos vorbei und wir haben Glück, dass uns ein gelber Schulbus ein Stück mitnimmt. Nach ein paar Kilometern müssen wir wieder aussteigen. Das nächste Auto, das anhält, ist schon fast ein Klein-Lkw. Wir steigen auf die nasse Ladefläche und kauern uns hinter das Fahrerabteil, um den Wind abzuhalten, klammern uns mit kalten Fingern an die Gitter des Fensters. Wieder zwei Kilometer weiter. Ein weiterer Klein-Lkw hält, beladen mit Trauben, Chicha (einer Art Wein) und Softdrinks. Diesmal können wir nicht direkt hinter das Fahrerabteil, der Wind pfeift uns um die Ohren. Zum Abschied bieten uns die beiden Männer Trauben an. Immer noch 24 Kilometer entfernt. Trauben und Kekse essend stehen wir an der Straße. Weit und breit kein Auto zu sehen. Nach ca. 20 Minuten haben wir Glück und ein Pärchen hält an. Nach einer kurzen Konversation im Auto ändern sie ihre Pläne für heute und entscheiden sich, mit uns zur Villa Baviera fahren und dort Mittag zu essen. Der Mann kennt sogar einen Bewohner der Siedlung, er telefoniert kurz mit ihm und kündigt uns in 15 Minuten an. Wir biegen ab auf eine Schotter Straße. Die vielen Schlaglöcher sind mit Wasser gefüllt. Wir fahren vorbei an deutschen Landschaften, an Feldern mit Zuckerrübenhaufen, an akkurat gezogenen Baumreihen. Nach einer Weile taucht ein Stacheldrahtzaun zu unserer linken auf. Er sieht aus wie der Zaun im Film. Hirsche und Rehe springen dahinter. Hier könnte man vergessen dass man in Südamerika ist.

Über die Anfangsjahre der Colonia

Wir kommen an der Pforte an und der Mann nennt den Namen seines Freundes. Die Pförterin lässt uns eintreten. Nach einer weiteren kurzen Fahrt auf einer Schotterstraße kommen wir zu den Gebäuden, zum Hotel, zum Restaurant. An einer Wand hängt eine Timeline der Geschichte der Kolonie. Die Jahre unter Paul Schäfer werden dort als "años difíciles" (schwierige Jahre) bezeichnet. Wir sind gespannt was uns erwartet.

Wir betreten den Bayernladen und schauen uns um. Es gibt Stollen, Bienenstich, deutsches Brot, Schinken und vieles mehr. Wir trauen uns erst gar nicht so recht, die Frauen im Laden anzusprechen aber nachdem sie uns auf Deutsch reden hören, kommen wir schnell ins Gespräch. Wir werden freundlich empfangen, sie freuen sich mal wieder jemanden Deutschsprachiges zu treffen. Sie sind sehr offen, reagierten überhaupt nicht verärgert auf unsere direkten Fragen. Ja, sie werde oft mit derartigen Fragen konfrontiert, gibt eine der beiden zu. Wir sind neugierig und warten, bis der nächste Kunde den Laden verlassen hat. Dann hören wir uns ihre Geschichte an. Sie kam mit 2 Jahren in die Colonia, zusammen mit ihren Eltern. Ihre Eltern haben sich der Gruppe angeschlossen, als sie auf der Suche nach einem neuen Leben nach dem zweiten Weltkrieg waren. Ihr Vater ging mit 14 schon in den Krieg, mit 16 wurde er Kriegsgefangener der Russen. Zurück in Deutschland suchten sie nach einem neuen Sinn im Leben, einer neuen Aufgabe. Sie beschlossen sich einer Gruppe religiöser Jugendlicher anzuschließen, die ein Waisenhaus in Siegburg bauen wollten. Nach und nach wurde die Gruppe größer und nachdem das Waisenhaus 1957 fertig gestellt wurde, suchten sie eine neue Aufgabe. Paul Schäfer war mittlerweile auch Teil der Gruppe. Sie überlegten auszuwandern, dachten an die USA oder eine europäische Insel. Der chilenische Außenminister lud sie schließlich nach Chile ein, um beim Wiederaufbau nach dem großen Erdbeben von Valdivia 1960 zu helfen. 1961 bis 1962 kamen Paul Schäfer und seine Anhängerschaft schließlich in mehreren Wellen mit Schiffen und Flugzeugen nach Chile. 

Eine ähnliche Geschichte hörten wir später von einem Mann, der mit uns eine Führung durch das Gebäude machte. Aufgrund der Enttäuschung des Nationalsozialismus, waren viele in der Nachkriegszeit auf der Suche nach neuem Halt. Sie schlossen sich Gruppierungen wie denen Paul Schäfer an. Sie sahen ihn als neuen Führer und glaubten ihm, wenn er ihnen erzählte, er hätte direkten Kontakt zu Gott. Die Einladung nach Chile kam für Paul Schäfer genau zur richtigen Zeit, die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn, 1961 wurde gegen ihn ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern eingeleitet. Er floh nach Chile und es folgten ihm etwa 200 Mitglieder seiner sektenähnlichen Gemeinde. Es gelang ihm fast alle 151 Kinder mitzunehmen, viele zunächst ohne ihre Familie, die nach kommen sollte. Manche kamen jedoch nie und so blieben die Kinder alleine in der Colonia. Den Kontakt zur eigenen Familie in Deutschland zu halten war schwer, Briefe wurden zensiert und mussten neu geschrieben werden, wenn Paul Schäfer mit dem Inhalt nicht einverstanden war.

Der neue Führer Paul Schäfer und das Leben in der Siedlung

Wir stellen ihnen Fragen über die Jahre unter Paul Schäfer. Im Film wird gezeigt, wie hart die Bewohner arbeiten mussten, wie sie bestraft wurden, dass es Männerversammlungen gab, in denen Frauen, die "gesündigt“ haben, geschlagen wurden um ihnen die Dämonen auszutreiben. Vielem davon können sie zustimmen. Sie arbeiteten umsonst, bekamen nie Lohn. Einzig und allein Paul Schäfer profitierte von ihren Anstrengungen. Er besaß einen Mercedes, versteckte das Geld in einem Safe im Keller. Das Mittagessen beim arbeiten auf den Feldern kam zu einer willkürlichen Uhrzeit, stand Schäfer um 11 Uhr auf, wurde um 1 Uhr gegessen, tat er es jedoch um 1 Uhr gab es erst um 3 Uhr Essen. Fernsehen durfte nur  geschaut werden, wenn Pinochet sprach oder eine Militärparade gezeigt wurde, auf keinen Fall Liebesfilme oder ähnliches. In den Büchern wurden Frauenbilder zensiert, sogar in der Bibel wurde bei dem Gebot "...deines Weibes" Weib zugeklebt und "Freundes“ darüber geschrieben. Beim Essen saßen alle getrennt in vier Reihen, Männer, Jungen, Frauen, Mädchen, damit Männer und Frauen auf keinen Fall Kontakt haben. Diese Separierung gab es auch bei den Wohnräumen. Anfangs wurde die Trennung der Familien mit dem Aufbau der Kolonie begründet, so konnten alle arbeiten und mussten nicht auf ihre Kinder aufpassen. Wenn die Anfangsjahre überstanden waren, sollte sich dies wieder ändern. Es änderte sich aber nie. Eheschließungen mussten anfangs von Paul Schäfer genehmigt werden, und wurden später ganz verboten. Liebesbeziehungen an sich waren verboten. Hin und wieder wurde sich heimlich getroffen, aber nur unter größter Vorsicht.

In der halbstündigen Führung sahen wir das Hauptgebäude, den Wachturm und die Kellerräume, in denen die Bewohner eine Art Museum einrichten wollen. Die ehemaligen Zimmer sind heute Hotelzimmer. Sie wohnten in Zimmern mit 4-5 Leuten. Es gab Aufpasser, die dann wieder überwacht wurden. Teilweise wurden die Bewohner gegeneinander ausgespielt, vor allem wenn sie das Gefühl hatten, dass Freundschaften entstanden. In einem der Kellerräume wurden meist die Bestrafungen durchgeführt, hinter verbarrikadierten Fenstern und verschlossenen Türen. Auch die des Mannes, der uns durch die Räume führte. Wie es für ihn heute ist, darüber zu reden, fragen wir. Es gäbe gute und schlechte Tage, meint er, an den Guten mache es ihm nichts aus, da er durch die vielen Führungen schon mehrmals damit konfrontiert wurde. An den schlechten jedoch holen ihn die Erinnerungen ein. Er gibt zu, dass es im lieber ist, wenn die Gruppen offen Fragen über seine Erfahrungen stellen. Oft genug hätte er Personen in der Gruppe, die sich nicht trauen Fragen zu stellen und herum drucksen.

Das Überwachungssystem der Siedlung vergleicht er mit dem Überwachungsapparat der Gestapo. Es gab einen Wachturm, in dem das gesamte Gebiet kontrolliert wurde. Aus der Siedlung zu fliehen war schier unmöglich. Er selbst versuchte fünfmal zu fliehen, wurde jedoch jedes Mal daran gehindert. An die Tage nach einem derartigen Fluchtversuch kann er sich nicht mehr erinnern. Er vermutet, dass sie ihm Drogen gegeben und ihn mit Elektroschocks gequält haben, denn als er nach einiger Zeit wieder zu sich kam, war er verwirrt und nicht bei sich. Warum er das Bedürfnis hatte zu fliehen, fragen wir. Irgendwie haben wir doch alle gewusst, dass wir nicht so frei waren, wie Schäfer es immer behauptete, ist seine Antwort. 

Die Beziehungen zur Außenwelt

Pinochet war ungefähr dreimal zu Besuch in der Siedlung. Er, der damalige Polizeichef und der Geheimdienstchef waren offenbar eng mit Schäfer befreundet. Da Pinochet bei seinen Besuchen auf Spanisch sprach, verstanden die Bewohner nichts von dem was er sagte. Nichtsdestotrotz mussten sie in jeder Pause brav applaudieren. Paul Schäfer selbst konnte auch kein Spanisch, er lehnte vehement ab es zu lernen. Die Bewohner zweifeln jedoch daran, da er einmal alleine bei einem Treffen mit einem Chilenen gesehen wurde.

Mitte der 70er Jahre gibt es viele Berichte über Folteropfer (teilweise auch Tote) auf dem Gelände der Colonia. Von den Bewohnern erfahren wir, dass Schäfer dem chilenischen Militär einen Teil des Grundstücks zur Verfügung gestellt hatte, auf dem wahrscheinlich die Foltern durchgeführt wurden. Im Film geschieht dies in unterirdischen Tunneln, über die die Bewohner jedoch nichts wussten. Auch uns erzählen sie bei unserem Besuch, dass es kein unterirdisches Tunnelsystem gäbe. Bei Nachforschungen nach unserem Besuch stoßen wir jedoch auf viele Interviews und Artikel, in denen diese erwähnt werden. 

Auch die Beziehungen zur deutschen Botschaft und besonders dem Botschafter Erich Strätling waren sehr gut. Er selbst verteidigte die Colonia und bekräftige mehrmals, dass sie kein Folterzentrum sei. Viele der Personen, die aus der Kolonie fliehen konnten und bei der deutschen Botschaft Schutz suchten, wurden trotz ihrer Berichte über die Geschehnisse in der Kolonie wieder zurück geschickt. Dazu kommt, dass Schäfer in der ganzen Zeit gute Kontakte nach Deutschland, insbesondere zur CSU, pflegte und mit deutschen Waffen beliefert wurde, die an das chilenische Militär gingen.

1991 wurden unter dem ersten Präsidenten nach der Diktatur die Rechte der Kolonie beschnitten. Zum einen wurde die Gemeinnützigkeit aberkannt, zum anderen die Steuerfreiheit. Nach und nach gelang es auch den Opfern und ihren Anwälten, den Schutzwall um Schäfer aufzubrechen. Auch viele Eltern chilenischer Kinder zeigten ihn wegen Missbrauch an. Die Sektenmitglieder selbst verteidigten ihn bis zuletzt, niemand erhob auch nur ein schlechtes Wort gegen ihn. Den Haftbefehlen entzog er sich, indem er 1997 nach Argentinien floh. 2005 wurde er dort aufgefunden und an Chile ausgeliefert. Laut den Bewohnern der Colonia wurde er mit 25 Millionen aufgefunden, Geld das höchstwahrscheinlich aus einem Safe in den Kellern der Siedlung stammte, der hinter Wänden aus Kartons und Zeitungen geheim gehalten wurde. Er wurde wegen Missbrauch an 27 Kindern zu 20 Jahren Gefängnis verurteil. In Wahrheit waren es wohl bei weitem mehr. 2010 starb er im Gefängnis in Santiago. Viele seiner Vertrauten, die mit ihm flohen, wurden immer noch nicht verurteilt. Auch in Deutschland wurden die Verbrechen immer noch nicht juristisch aufgearbeitet.

Die Frage nach dem Warum

Nachdem Paul Schäfer floh und die Geschehnisse langsam aufgeklärt wurden, wurde in den Familien viele Fragen gestellt und viel über das "Warum“ gesprochen. Auch wir stellen diese Frage. Was wir als Antwort bekommen, klingt nachvollziehbar und es lässt einen nachdenklich werden. Die Personen, mit denen wir an dem Tag gesprochen haben, sind in der Colonia aufgewachsen, sie haben nie ein anderes Leben kennen gelernt. Die Jungen dachten, dass es normal wäre, dass Paul Schäfer sie misshandelte, sie dachten, dass er das dürfe. Von ihren Eltern erzählen sie, dass in einem Schema gefangen waren, aus dem sie nicht ausbrechen konnten. Sie wurden psychisch von Paul Schäfer so sehr manipuliert, dass sie kein eigenes Denken mehr hatten. Alles was sie taten war für ihn, niemand stellte seine Handlungen in Frage. Heute fragen sich viele, warum sie damals nicht gemerkt haben, dass sie manipuliert wurden. Sie können es nicht nachvollziehen. Als ein Beispiel für ihre Abhängigkeit von Schäfer erzählt uns ein Bewohner von seinem Vater, der eines Tages einen seiner Söhne zusammen mit Paul Schäfer aus einem Gebäude herauskommen sah, der Junge leichenblass. In diesem Moment kam ihm ein Gedanke in den Kopf, ein Gedanke, der für ihn im nächsten Moment so absurd und schlecht war, dass er sofort zurück ins Haus lief, weinte und Gott um Vergebung bat, etwas derartiges von dem großen Paul Schäfer gedacht zu haben.

Eine andere Mitarbeiterin in dem Laden hat sich zu uns gesellt. Auch sie hört gespannt zu, denn selbst sie hat nie so viel über die Geschichte der Kolonie gehört, wie wir es heute tun. Auch sie hat Fragen. "Wieso hat niemand die Vorbestrafungen von Schäfer hinterfragt?“, will sie wissen, "Hat man sich keine Gedanken gemacht mit wem mal damals das Land verlassen hat?“ Sie kann nicht verstehen, wie man sich dazu entscheiden kann einem fremden Menschen in ein anderes Land zu folgen, ohne etwas über denjenigen zu wissen. Darauf bekommen wir keine eindeutige Antwort. Alles war wir erfahren ist nur, dass anscheinend wenige von den Vorbestrafungen wussten. Für Paul Schäfer war Chile eine Art Neuanfang, natürlich wollte er der deutschen Justiz entkommen aber viele dachten dass er Abstand brauchte, um nicht wieder so etwas zu begehen.

Heutige Situation

Seitdem die Geschehnisse aufgeklärt wurden, haben viele die Kolonie verlassen. Auch die Religion hat keine große Bedeutung mehr, viele haben sich davon abgewandt, sie haben ihren Glauben durch die Geschehnisse verloren.

Von der Frau aus dem Bayernladen wollen wir wissen, was sie heute über Paul Schäfer empfindet. Vielleicht Hass? Nein, antwortet sie, höchstens Mitleid.

Als wir die ehemalige Colonia Dignidad besuchten, war die Leiterin der Colonia gerade zu Besuch in Deutschland. Am 26. April fand ein Treffen mit Außenminister Steinmeier und Opfern und Zeugen statt. Darin beschäftigten sie sich zum Teil auch mit dem Problem, dass viele der ehemaligen Bewohner heute verarmt sind und keine Rente in Deutschland bekommen. Darüber hinaus steht immer die Frage im Raum, warum damals nichts dagegen unternommen wurde. Wusste man in Deutschland nicht, was in der Siedlung vor sich ging? Warum ist über die Organisation in Deutschland nicht viel bekannt? Es gab bereits Ende der sechziger Jahre Berichte über Verbrechen in der Kolonie. Dazu die Personen, die fliehen konnten und Schutz bei der Botschaft suchten. Warum hat trotzdem niemand etwas unternommen? Als Gründe werden das Wohl der Bundesrepublik und die gute Beziehung zu Chile genannt. Gründe, die wenig nachvollziehbar klingen im Verhältnis zu dem, was wir heute über die Kolonie erfahren haben.

Auf dem Heimweg

Am Ende unseres Besuches bekommen wir die Telefonnummer und E-Mail Adresse eines Bewohners. Wir werden gefragt, ob wir nicht doch noch bleiben wollen, wenigstens zum Essen. Doch wir müssen weiter, müssen den letzten Bus in Parral nach Talca bekommen. Also fahren wir mit dem Pärchen zurück bis zur Straße. Auf unserem Rückweg sehen wir wieder die Hirsche an uns vorbeispringen. Ein einzelnes Lama steht zwischen ihnen. Wir sind wieder in Chile angekommen.

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