Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Auf dem Altiplano

Übersicht

 

Wir fuhren früh am Morgen von Arica nach Putre. Beim Aussteigen aus dem Bus lernten Julika und ich auch gleich ein älteres Ehepaar aus der Schweiz kennen, die sich unserer Suche nach einem Hostel anschlossen. Danach informierten wir uns ein bisschen über die Trekking- und Transportmöglichkeiten des Nationalparks Lauca. Wir hatten uns die Wanderung zu den Lagunas de Parinacota vorgenommen. Der Transport dorthin gestaltete sich jedoch schwierig, da es keine öffentlichen Busse gab und die Tour- bzw. Transportangebote der Tourveranstalter in Putre uns viel zu teuer erschienen. Wir ließen das Thema Transport also erst einmal sein und machten uns auf den Weg zu Termen in der Nähe. Bis zum Eingang trampten wir von Putre aus (mit den Schweizern! Und das  noch mit 65 Jahren), ließen es uns ein wenig im warmen Wasser gut gehen und wanderten dann zurück nach Putre. Abends gingen wir gemeinsam essen und einigten uns darauf, es am nächsten Tag noch einmal mit trampen zu versuchen.

Wir stellten uns also früh an die Straße und mussten eine Weile warten, kamen aber schließlich alle vier in zwei verschiedenen Autos bei der Abzweigung zu Parinacota an. Bis dorthin war es auch nochmal ein Stück, aber auch dort wurden wir von einem Pick-up mitgenommen. Parinacota ist ein kleines Andendorf und war in dieser Zeit völlig ausgestorben. Lediglich eine einsame Katze lief herum. Auch im Conaf Zentrum war niemand. Na gut, dann mussten wir den Wanderweg wohl auf eigene Faust finden. Wir fanden ein Schild auf dem der Wanderweg eher weniger ausführlich beschrieben war und sahen auch einen Trampelpfad in der Nähe. Diesem folgten wir.

Anfangs war es ziemlich schwer, den Weg zu finden, wir verliefen uns einmal und mussten ein weiteres Mal den Weg suchen, da der Trampelpfad plötzlich aufhörte. Schließlich kamen wir aber auf die ehemalige Straße für Autos und folgten dieser bis zum Ende, vorbei an Lagunen, an Chinchillas und Vicuñas und immer mit Blick auf den Vulkan. Es war eine wunderschöne Wanderung, wir genossen es ganz alleine im Park zu sein und ungestört die Schönheit des Altiplanos zu genießen. Durch die Höhe (wir waren schließlich auf über 4000  Höhenmetern) war sie aber auch sehr anstrengend.

 Wir kauten fleißig Coca Blätter, um der Höhenkrankheit entgegen zu wirken. Der Wanderweg endete an einem Aussichtspunkt neben der internationalen Straße nach La Paz. Dort hielten wir wieder den Daumen raus, bis nach einiger Zeit ein Lkw aus Bolivien anhielt und uns alle vier mitnahm. Abends kochten wir noch etwas gemeinsam. Dafür mussten wir erst einmal genügend Wasser finden, da es schon seit zwei Tagen kein fließendes Wasser gab. Bei einem Sturm in der vorherigen Woche wurden die Leitungen beschädigt. Auf eine erfrischende Dusche mussten wir daher auch verzichten.

Bolivien pur

Dann ging es also endlich nach Bolivien. Julika und ich wollten unser Glück wieder mit trampen versuchen. Bis zur Grenze funktionierte es auch. Danach aber gestaltete es sich sehr schwierig, weil nur Lkws oder Busse die Strecke fuhren und es nach La Paz doch noch ein Stück war. Also gingen wir dazu über bei den Bussen zu fragen, ob sie noch Platz für zwei Personen haben. Doch auch hier waren unsere Erfolgschancen nicht so hoch. Beim fünften Bus klappte es schließlich. Wir hatten noch ein paar Probleme mit den Grenzbehörden, da sie nicht ganz wussten, was sie mit zwei Trampern anfangen sollten und wir nicht in ihr Schema passten, aber schließlich hatten wir die Grenze überquert und es ging ab nach La Paz!

Als wir in La Paz ankamen, war gerade die "Feria de Alasita" in vollem Gange. Es ist ein christliches Fest mit Einflüssen aus der Aymara Kultur (der Name kommt aus dem Aymara und bedeutet etwas wie "cómprame" (kauf mich)) zieht sich über zwei bis drei Wochen. Der Brauch besteht darin kleine Spielzeuge zu kaufen, die von einem Schamanen gesegnet und danach verbrannt werden, damit sich die Wünsche in der Zukunft verwirklichen. So opfern die Bolivianer z.B. Dollarscheine, wenn sie sich Wohlstand wünschen, Spielhäuser, wenn sie ein Haus bauen wollen, Pässe, wenn sie reisen wollen oder Hahn-Figuren die zur Fruchtbarkeit der Frau beitragen sollen und viele andere Dinge.

In La Paz machten wir zunächst eine Free Walking Tour und gingen auf dem Hexenmarkt, auf dem man Lamababys kaufen kann (einige Bolivianer glauben, dass es Glück bringt, diese im Fundament eines neugebauten Hauses zu vergraben). Außerdem gab es verschiedene Pülverchen, um diverse Liebesprobleme zu lösen. Mittlerweile ist dieser Markt eher eine Touristenattraktion, da sich in seinem Umfeld viele artesanía Läden gibt. Danach fuhren wir mit dem teleférico (eine Art Gondel) auf einen Hügel im Osten von La Paz, gingen zu einem weiteren Aussichtspunkt in einem Park, liefen durch das Reichenviertel und fanden dort doch tatsächlich eine Bäckerei, die Brezeln verkaufte!

Der Titicacasee vom anderen Ufer

Nach La Paz ging es nach Copacabana am Titicacasee und auf die Isla del Sol. Ich war ja bereits auf der peruanischen Seite des Titicacasees, wollte aber noch die bolivianische (und anscheinend schönere Seite) kennen lernen. In Copacabana schliefen wir für 3€ die Nacht, auf der Isla del Sol schliefen wir in der Unterkunft "Donde Alfonso", die uns ein Freund aus Deutschland empfohlen hatte. Dort kochten wir gemeinsam mit den Besitzern in einer Lehmküche auf offenem Feuer. Direkt dahinter liefen Meerschweinchen umher, die mit Essensabfällen gemästet wurden, um irgendwann geschlachtet zu werden. Zum Glück nicht an den Tagen, an denen wir dort waren.

Die Insel erkundeten wir in einem Tagestrek, es gab einige schöne Strände und es war sehr interessant zu sehen, wie einfach die Menschen dort leben. Ganz wohl fühlten wir uns dort jedoch nicht, da man das Gefühl hatte, als Touri immer extra zahlen zu müssen, sei es um die Insel zu überqueren, in ein Dort einzutreten oder diverse archäologische Stätte zu besuchen. Als mich ein kleines Mädchen am Straßenrand darauf hinwies, dass ich zahlen müsse, um ein Bild von einem Lama zu machen (obwohl ich eigentlich nur die Landschaft fotografieren wollte und weniger am Lama interessiert war), reichte es uns und wir waren fast schon erleichtert, die Insel wieder zu verlassen. Kurz vor unserer Abreise wollten weitere Kinder noch Geld von uns, um Katzenbabys streicheln zu können. Unsere Unterkunft jedoch verließen wir wehmütig.

Nervenkitzel auf der Death Road

In einem weiteren kurzen Aufenthalt in La Paz organisierten wir unsere Tour auf der "Death Road". Dies ist eine kurvige und an beiden Seiten steil abfallende bzw. ansteigende Schotterstraße die von dem Gebirge bei La Paz hinunter in die Pampas bei Coroico führt und war früher die einzige Verbindung von La Paz ins Amazonasgebiet. Seit 2006 gibt es eine andere, weniger gefährliche Strecke und die "Todesstrecke“ wird als Touristenmagnet für Mountainbiking genutzt. Bis 2006 galt sie als gefährlichste Straße der Welt.

Gestärkt nach einem Frühstück und mit einer fast schon lächerlichen Schutzkleidung (wir bekamen Motorradhelme) begaben wir uns auf die halsbrecherische Strecke und überlebten! Schlammig kamen wir unten an und nahmen erst einmal ein Bad im kalten Fluss, während einige Affen in den Baumwipfeln herum sprangen. Die Landschaft hatte sich hinter dem Pass wirklich stark verändert und so auch die Temperatur im Vergleich zum 2000 Meter höher liegenden La Paz. "La cumbre“, der Gipfel auf dem wir die Tour begannen, lag auf 4650 Metern. Insgesamt fällt die Straße innerhalb von weniger als 65 Kilometern auf 1200 Meter ab. Wir bereuten es, uns dazu entschieden zu haben, am gleichen Tag nach La Paz zurück zu kehren und nicht noch Zeit in Coroico verbracht zu haben.

 

Anzeige

Galerien

Regionale Events

Blacksheep-Festival 2018

Für das Bonfelder Blacksheep-Festival wurden weitere Bands verpflichtet. Karten sind ab sofort erhältlich.

Rock in Z

Der TTC Zaisenhausen bietet euch ein breites Musikangebot.