Der 118. Jugend Presse Kongress

125 junge Menschen. Ein Haufen Engagement. Viele Ideen. Alle mit einem Ziel: Dem 118. Jugendpresse-Kongress in Strausberg bei Berlin. Wie ich dazu gekommen bin? Lest selbst:

Seit einigen Jahren arbeite ich nun schon mit in der Redaktion unserer Schülerzeitung, sowie der Jugendredaktion der Heilbronner Stimme "Stimmt!". Seit genau so vielen Jahren versuche ich schon, mich durch Jugendpressetage oder Ähnliches "fortzubilden". Geschafft habe ich es aus terminlichen Gründen jedoch leider nie. Und dann, ganz unverhofft und völlig spontan, bot sich mir eine ganz neue Möglichkeit:

 

 

Meine Chance

Am späten Sonntagnachmittag erreichte mich eine E-Mail meiner Deutschlehrerin Frau Scheel, in der sie mir von dem Jugendpresse-Kongress in Berlin erzählte. Diese Chance ließ ich mir natürlich nicht entgehen und so schrieb ich völlig spontan und improvisiert noch schnell eine E-Mail an die "young leaders GmbH", den Veranstaltern dieses Kongresses.

Am nächsten Tag um 12 Uhr war nämlich bereits Einsendeschluss. Und nur drei Tage später erreichte mich meine Zusage per Mail. Das ganze hieß dann für mich als bekennende Zugfahrhasserin: Sieben Stunden im Zug nach Berlin Strausberg. Na toll. Aber gut, was tut man nicht alles für mehr Wissen. Und so machte ich mich am Freitag, 11. November, auf nach Berlin.

Schon bei der Ankunft in der Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr war eines klar: Im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen lebten wir wie im Luxus. Nicht nur die Zimmer waren wirklich gut, sondern auch über die Verpflegung konnte man nicht meckern.

 

 

Erste Aufgaben

Eingeteilt waren wir in verschiedene Gruppen: Zwei Zeitungsteams, die bis Samstagabend eine eigene PR-Zeitung für die Bundeswehr erstellen sollten. Ebenso zwei Fernsehteams, die uns je ein Video über die Arbeit der Bundeswehr präsentierten. Zu guter Letzt blieb noch das Webmagazin, dass ebenfalls eine eigene Gruppe erstellte.

Zu Beginn des Kongresses am Freitag gegen 22.30 Uhr wurden uns die Leiter und ihr Team vorgestellt. Außerdem wurde noch einmal unser wirklich volles Programm erläutert und dann hieß es schon: Ab ins Bett – Morgen wird früh aufgestanden!

Am nächsten Morgen ging es mehr oder weniger gut ausgeruht dann recht schnell an die Arbeit. Schon um 9 Uhr trafen sich die einzelnen Gruppen mit je einem Profijournalist, um sich über die jeweilige Aufgabe bewusst zu werden. Aufgrund meiner sonstigen Tätigkeiten war es für mich recht schnell klar, dass ich auf jeden Fall an der Zeitung mitarbeiten werde. Und so wurden mir und etwa 20 anderen Jugendlichen von der Journalistin Cornelia Stenzel-Zenner die Aufgaben einer PR-Zeitung sowie die Unterschiedlichkeit verschiedener Schreibstile beigebracht. Sie war es auch, die uns später dabei half, die richtige Aufgabe für uns zu finden. Und so bildeten wir Zweier-Teams, um gemeinsam an einem jeweiligen Artikel zu arbeiten. Diese Aufgaben hatten eine weite Tragweite: Teils waren es Interviews mit verschiedenen, hochrangigen Personen der Bundeswehr, teils auch Porträts. Meine Aufgabe war es ein Porträt von einem freiwilligen Wehrdienstleistenden zu schreiben. An sich keine schwere Aufgabe – dachte ich zumindest. Jedoch wurde mir erst im Lauf der Arbeit mit meiner Parterin Anna klar, dass es doch nicht so einfach ist, ein Porträt zu schreiben, wie man vielleicht denkt.

Nach nur zwei Stunden Arbeit an diesem Tag ging es schon zur ersten Rede des Tages: Reinhard Werner (Diplom-Psychologe aus Berlin), der außerdem Gründer der "young leaders GmbH"  ist, sprach über die "Zukunftsstrategien für das 21. Jahrhundert". Um das ganze für euch etwas abzukürzen wiederhole ich nun einmal den für mich prägnantesten Satz dieses Vortrages: "Eine Sache sollten wir aber nie vergessen: Die Welt ist größer als der Stuttgarter Bahnhof." Solche und ähnliche Sätze habe ich im Laufe dieses Wochenendes übrigens sehr oft gehört.

 

 

Reden und zwischendurch vielleicht etwas essen?

Na ja, weiter im Konzept: Nach einer dreiviertel Stunde ging es dann auch schon weiter mit dem Mittagessen und ab da ging der Stress erst richtig los: Essen (beziehungsweise vom Konferenzraum zum Speiseraum rennen und hoffen noch relativ weit vorne zu stehen, weil man sonst sehr lange warten musste…), mit dem Partner zusammen setzten und ein Konzept für den jeweiligen Artikel ausarbeiten und schon ging es zur nächsten Rede: Nachdem uns Oberst i.G. Peter Beeger vom Bundesministerium der Verteidigung begrüßte, referierte Generalmajor Manfred Schlenker (Amtschef des Personalamts der Bundeswehr) über die "Zukunft Streitkräfte: Perspektiven für junge Leute". Dabei lernten wir unter anderem, dass die Bundeswehr das größte Ausbildungsunternehmen Deutschlands ist.

Und sofort ging es für Anna, meine Partnerin, und mich in die so genannte "Medienbörse". Diese bestand aus verschiedenen Vertretern der Bundeswehr, die alle eine unterschiedliche Aufgabe hatten. Der freiwillige Wehrdienstleistende, über den wir unser Porträt machen sollten, war ebenso vor Ort und somit ging es auch für mich direkt in den Kampf um die besten Antworten. Man stellt sich das ganze nämlich recht leicht vor: Fragen aufschreiben, ungefähr überlegen, was man schreiben könnte, hingehen, nett lächeln und Fragen stellen, mitschreiben und fertig. Schön wäre es gewesen. In meinem Fall war es nämlich leider so, dass wir zeitgleich mit einer Interview-Gruppe vor Ort waren, die allerdings ein Diktiergerät zur Verfügung hatten. Das heißt, sie konnten einfach schnell weiter fragen, während wir versucht haben, mitzuschreiben. Als dann auch noch Anna, meine Partnerin, zu einem wirklich sinnlosen Treffen geholt wurde, war ich kurzzeitig mit der Situation überfordert (in solch einer Lage hilft einem übrigens eine Theatererfahrung.). Also: Lächeln, nicken und so tun als ob alles in Ordnung wäre. Nachdem auch Anna, die bei besagtem Treffen erfahren hatte, dass sie im Moment eigentlich den freiwilligen Wehrdienstleistenden befragen sollte, bei welchem ich immer noch stand und mitgeschrieben habe, auch wieder eintraf, musste unser Befragter leider schon ab zu einem Videodreh. Na toll. Somit setzten wir uns also hin und versuchten aus den mitgeschriebenen Informationen ein PR-Zeitungstauglichen Text zu Stande zu bringen.

 

 

Zwischendurch einen Kaffee gönnen

Nachdem wir um etwa 15.30 Uhr bereits fertig waren mit unserem Artikel und auch der zwischendurch genehmigte Kaffee und Kuchen bereits leer war, brachten wir unser fertiges Porträt zu unserer Profijournalistin. Diese half uns dann, unsere Artikel an der einen oder anderen Stelle anzupassen. Als wir auch damit fertig waren, hatten wir die Chance, völlig ohne an einen Artikel zu denken, mit den verschiedenen Referenten in der Medienbörse frei und offen zu reden. So sprach ich in dieser Zeit zum Beispiel mit einem Soldaten, der bereits einen Auslandsaufenthalt im Kosovo hinter sich gebracht hatte. Direkt mit einem solchen Soldaten zu sprechen, war für mich eine völlig neue Erfahrung. Auch die Tatsache, dass wir alles fragen konnten und die Soldaten auch wirklich auf alles geantwortet haben, war wirklich gut. Somit hab ich an diesem Wochenende viele Dinge über die Bundeswehr gelernt, die ich im voraus noch nicht gewusst habe.

Im Programm ging es dann um 17.30Uhr mit dem Transfer zum Presseabend nach Berlin weiter. Darüber freute ich mich besonders, denn auch wenn ich schon öfters in Berlin war, finde ich es immer wieder schön in unserer Hauptstadt zu sein. Mit nostalgischen Sightseeing-Bussen ging es dann ab nach Berlin, direkt zum Gendarmenmarkt. Dort aßen wir in einem netten Restaurant und hatten bis zur Rückfahrt dann noch die Möglichkeit, anderthalb Stunden zu nutzen. So verbrachten nicht wenige Kongress-Teilnehmer ihre freie Zeit in und um das Brandenburger Tor bis es schließlich zurück nach Strausberg und damit zur Akademie der Bundeswehr ging. Nach einem langen, anstrengendem 12. November, der erst spät in der Nacht endete, ging es früh morgens am 13. November wieder aus dem Bett und an die Arbeit.

 

 

Unsere eigene Zeitung

Während wir unseren Abend in Berlin verbrachten, arbeiteten eine Menge Leute an unseren Artikeln und der daraus entstehenden Zeitung. Und schon am nächsten Morgen um 9 Uhr bekamen wir von der Profijournalistin diese Zeitung in die Hand gedrückt. Leider war der Artikel, den Anna und ich geschrieben haben, nicht abgedruckt. Trotz allem ist diese Zeitung für mich immer wieder schön anzusehen, da sie auch mir, die absolut keine Ahnung von den verschiedenen Arbeiten innerhalb der Bundeswehr hatte, einiges über diese verdeutlichte. Nur knappe anderthalb Stunden später, inzwischen war es etwa 10.45 Uhr, ging es auch schon weiter im Tagungssaal. Dieses Mal stellten sich vier Profijournalisten unseren Fragen woraus die eine oder andere Diskussion sowohl um die Arbeit der Journalisten, als auch über aktuelle Themen entstand. Um 12 Uhr wurden wir schließlich mit Lunchpaketen ausgestattet erneut von den nostalgischen Sightseeing-Bussen zum Berliner Hauptbahnhof gebracht, von welchem ich meine siebenstündige Reise zurück ins "Ländle" antrat.

 

 

Rückblick und Fazit

Mein Fazit von diesem Wochenende in Berlin lässt sich folgendermaßen beschreiben: Es war eine wirklich tolle Erfahrung. Auch wenn für mich nach wie vor die Bundeswehr beruflich keinerlei Reiz hat, habe ich inzwischen mehr Verständnis für ihre Arbeit und bin auch um einiges besser informiert. Auch die verschiedenen Techniken, die ich von den Profijournalisten gelernt habe, kann ich nun immer wieder einsetzten. Vor allem muss man aber sagen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei dieser Veranstaltung mich wirklich überrascht hat. Für nur 25 Euro habe ich wirklich alles bekommen: Mein Bahnticket von Heilbronn nach Berlin (und zurück), die Unterkunft, Verpflegung und die einzelnen Programmpunkte. Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, dort mitzumachen und ich kann es jedem nur weiterempfehlen.

 

 

Datum: 16.01.2012
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