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Auf den Zahn gefühlt

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Technische Berufe in der Medizin sind ein wachsendes Berufsfeld. So wie der des Zahntechnikers, der technisch wie künstlerisch Versierte anspricht. Aber Vorsicht: Man braucht ruhige Hände, feinmotorisches Geschick und viel Geduld
Seit Ende Januar ist Julia Schneider Zahntechnikerin. Nach dreieinhalb Jahren hat sie ihre Ausbildung bei DuoDent in Heilbronn abgeschlossen. Der Heilbronner Handwerksbetrieb formt verschiedene Arten von Zahnersatz – Kronen, Brücken, Prothesen, Implantate.

Komplett neue Zähne

Verordnet ein Zahnarzt seinem Patienten einen Zahnersatz, geht bei DuoDent ein Auftrag ein, meist verbunden mit einem Abdruck des Gebisses. "Das modelliert man in Wachs. Dann entstehen Negative aus Silikon, die werden in Kunststoff überführt.“ Der eigentliche Werkstoff, aus dem der Zahnersatz sein wird, erklärt die 23-jährige Schneider. "Dann kommt das Schleifen und Polieren.“ So fertigt sie eine Prothese. Und auch mal eine Krone: "Da wird das Gerüst aufgepasst, Keramik draufgebrannt, modelliert und geschliffen. Dann kommt ein zweiter Brand, schließlich der Glanzbrand.“ Julia Schneider kennt sich aus. Schließlich hat sie all diese Dinge erst vor wenigen Wochen in ihrer praktischen Abschlussprüfung geformt – fünf Tage in Folge. 


Und was, wenn’s nicht passt? Schneider steht von der Bohrmaschinen-ähnlichen Parallelfräse auf und greift zum Artikulator – ein Gerät wie ein Schraubstock, das Kaubewegungen simuliert. Hier spannt Schneider die Brücke ein, die sie gerade gegossen, ausgearbeitet und poliert hat. Mundgestell auf und wieder zu, dann sieht man schnell, ob die beiden Kiefer aufeinander passen. Im Labor riecht es stechend nach Kunststoff und Isoliermittel. Zum Glück wird der Staub, der beim Fräsen und Schleifen entsteht, gleich abgesaugt.

Von der Schule zum Beruf

Schneider hat Abitur gemacht. Theoretisch reicht für die Ausbildung zum Zahntechniker ein Hauptschulabschluss, aber viele Azubis in diesem Beruf sind Abiturienten. "Es macht mir Spaß, da ist der Schulabschluss nicht so entscheidend“, bekennt Julia Schneider. „Ich dachte nach dem Abitur: Es ist gut, erstmal eine Ausbildung zu machen.“ Auf der Berufsschule in Stuttgart lernte Schneider die Grundlagen ihres Berufs: Prothetik, Anatomie, Technologie, Physik und Werkstoffkunde – und Praxisunterricht. "Es ist sehr viel mehr Praxis als Theorie“, vor allem, weil man viel öfter im Betrieb sei als in der Schule.

An ihrer Arbeit gefällt Schneider vor allem das feine und exakte Arbeiten, das Kleine und Filigrane in ihren Fingern. Auch deshalb sind Frauen in diesem Beruf in der Überzahl – eine Seltenheit im technischen Sektor.
Dabei wusste die 23-Jährige zunächst gar nicht, was sie nach der Schule machen soll. Beim Zahnarzt kam sie ins Gespräch, bis der Arzt meinte: "Mach doch mal ein Praktikum bei meinem Zahntechniker .“ Nun ist Schneider Zahntechnikerin und will erstmal eine Weile arbeiten. Und dann vielleicht studieren. Aber nicht Zahnmedizin, um Zahnarzt zu werden, sondern eine Sprache: "Spanisch gefällt mir seit der Schule.“ 

Weiße, wohlgeformte Zähne hat Julia Schneider. Ist das Zugangsvoraussetzung? Die 23-Jährige lacht: „Ein schönes Lächeln ist überhaupt wichtig!“ Als Kind hatte sie sogar schiefe Zähne, bis ihr ein Kieferorthopäde geholfen hat. "Aber ich hatte nie Angst vor dem Zahnarzt“, bekennt sie. 

Digitale Zukunft

Schneider hat noch eine klassische Lehre im Handwerk absolviert. Für kommende Jahrgänge spielt digitale Technik eine viel größere Rolle: "Das ist ein großes Thema in der Zahnmedizin“, berichtet ihr Chef, Thomas Sommer. 3D-Scanner erfassen Zahnmodelle und machen sie am Computer bearbeitbar. Eine vollautomatische Fräse schneidet die Teile schließlich zu: "Bei Zirkon geht das nicht anders.“ Man müsse aber schon beides können: manuell und digital arbeiten. 
Sommer wirbt: "Das ist ein Beruf mit Zukunft.“ Schließlich wachsen kaum zwei Branchen schneller als Gesundheit und Beauty: "Beide bedienen wir“, so Sommer. 

Stichwort

Zahntechniker fertigen und reparieren festsitzenden und herausnehmbaren Zahnersatz sowie kieferregulierende Geräte wie Zahnspangen und Knirscher-Schienen. Dabei kommen sie mit ganz unterschiedlichen Werkstoffen in Kontakt: mit Wachs, Gips, Kunststoff, Keramik und verschiedenen Metallen wie Gold. Neben technischen Fertigkeiten, ruhigen Händen und geschickten Fingern für filigranes Arbeiten verlangt der Beruf auch eine gewisse künstlerische Veranlagung zum Modellieren und Gestalten. Zahntechniker finden Beschäftigung in zahntechnischen Labors, Zahnarztpraxen und Zahnkliniken. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. 

 

 

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