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Es geht um Leben und Tod

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Wenn bei Audi die Computer versagen, stirbt kein Mensch. Wenn das System während einer Operation im Krankenhaus abstürzt, kann das schnell tödlich enden“, bringt Julian Suleder die Bedeutung der Medizinischen Informatik (MI) auf den Punkt. Der 23-Jährige studiert das Fach im dritten Mastersemester an der Hochschule Heilbronn (HHN).

Big Data

Für Ärzte sind die Errungenschaften der Informatiker nicht mehr aus dem Arbeitsalltag wegzudenken. "In Arztpraxen und Krankenhäusern fallen immens viele Daten an“, erklärt Suleder. "Ohne IT kann dieser Sache keiner mehr Herr werden.“ Von der zeitlichen Regelung von Abläufen auf der Intensivstation bis zum Verschicken von Arztbriefen findet das Fach Anwendung. Wer sich seinen Wissenslücken gern analytisch nähert und den Naturwissenschaften zugeneigt ist, für den ist der Studiengang die richtige Wahl. "Das Fach hat für mich den Reiz, jeden Tag ein Problem zu lösen, von dem man zehn Minuten davor nicht einmal wusste, dass es existiert“, schwärmt Suleder. Aber auch ein grundlegendes Interesse an medizinischen Themen sowie Soft Skills seien vonnöten. "Ohne den Willen, mit neuen Menschen zusammenzuarbeiten, ist es definitiv das falsche Studium.“

Die gesundheitstechnischen Sachverhalte seien dabei so unübersichtlich, dass man beim Versuch, sie optisch darzustellen, schnell an Grenzen stoße. Als Beispiel nennt Suleder Bilder von Computertomographen. "Da sind die einzelnen Grafiken schon sehr komplex. Und hier werden Verläufe von zehn bis 15 Bildern angefertigt.“ Eine weitere Schwierigkeit sei, dass die ITler oft ihre "Brille“ aufhätten und sich nicht in die Perspektive des Mediziners versetzen könnten. Umgekehrt gelte aber dasselbe. "Die meisten der Technologien, die für uns in Smartphones und Tablets heute selbstverständlich sind, sind in der Medizin erst am Anklopfen.“

Schwerpunkt Informatik

Seit dem Wintersemester 2012 ist Suleder an der HHN eingeschrieben, damals begann er seinen Bachelor – ebenfalls in MI. "Wow, das ist jetzt schon viereinhalb Jahre her“, staunt der Student beim Blick zurück. Auf der faulen Haut lag er in der Zwischenzeit nicht: Während des Erststudiums war er als wissenschaftliche Hilfskraft, kurz "Hiwi“, für die Fakultät für Informatik tätig, bei der er mittlerweile Mitarbeiter geworden ist. Professor Rolf Bendl unterrichtet Diagnose- und Therapiesysteme, Bildverarbeitung sowie Algorithmen und Datenstrukturen als Teil des MIStudiums an der HHN. Er warnt: "Das Fach ist keine Hintertür für Bewerber, die es nicht in ein Medizinstudium geschafft haben.“ Ganz klar stehe bei dem Studiengang, der gemeinsam mit der Universität Heidelberg angeboten wird, die Informatik im Vordergrund.

Die Kurse, die sowohl in Sontheim als auch auf dem Heidelberger Campus stattfinden, seien durch eine besondere Symbiose von IT und medizinischer Anwendung gekennzeichnet. "Die Studenten arbeiten hier in einer hochgradig interdisziplinären Umgebung“, sagt Bendl. "Zudem ist die medizinische Branche eine Wachstumsbranche. Hier sind Arbeitsplätze zukunftssicher und daher sehr gefragt.“ Der 58-Jährige hat selbst mit einem MI-Studium in Heilbronn angefangen und wechselte dann ans Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) nach Heidelberg.

"Unseren Studiengang gibt es schon seit 1972“, verrät Bendl. Am DKFZ habe er medizinische Therapien am Rechner optimiert. Durch die Nähe zur Lehre sei er zurück an die HHN gekommen. "Ein Standbein habe ich immer noch in Heidelberg“, betont der Professor. Rolf Bendl legt großen Wert darauf, dass MI-Studenten gern kommunizieren. "Das sind nicht mehr die Nerds, die im Keller sitzen und denen man ab und zu eine Pizza unter der Tür durchschiebt.“ Nur wenn medizinische Informatiker gemeinsam nach Lösungen suchen würden, sei Erfolg auf Dauer möglich. 

Vielseitiges Studium

Wer Medizinische Informatik in Heilbronn studiert, dem eröffnen sich schon während des Studiums globale Optionen: Für ein Auslandssemester können Studierende zum Beispiel zwischen der Harvard Medical School im amerikanischen Boston, der Northumbria University in Newcastle in England und Valencias Universidad Politécnica in Spanien wählen. Die Regelstudienzeit liegt bei sechs Semestern, in denen durchschnittlich 30
Vergleichspunkte erworben werden.
 

 

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