Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Studieren und Kontakte knüpfen

Übersicht

Das Deutschlandstipendium schafft für alle Beteiligten das, was man neudeutsch eine Win-Win-Situation nennt. Der Stipendiat kann sich dank der finanziellen Unterstützung auf sein Studium konzentrieren und knüpft wichtige Kontakte zum fördernden Unternehmen. Dieses wiederum wird für die jungen Leute als potenzieller künftiger Arbeitgeber interessant. Und die Hochschulen können sich häufig über überdurchschnittliche Leistungen ihrer Stipendiaten freuen.

Auch in der Region erfreut sich das Deutschlandstipendium großer Beliebtheit. Die Hochschule Heilbronn (HHN) meldet zum aktuellen Studienjahr 117 Deutschlandstipendien, die Zahl steigt seit Jahren. Vier Stipendiaten und ihre Förderer wurden nach ihren Erfahrungen befragt.

Nachwuchs fördern

"Absolut zufrieden“ ist Ketoma Vix Kemanji mit dem Verlauf seines Deutschlandstipendiums. Der 28-jährige Kameruner ist seit November 2014 in Deutschland, erfahren hat er von der Möglichkeit des Deutschlandstipendiums über das Internet. Nachdem er in Kamerun seinen Bachelor of Technology mit der Note 1,5 abgeschlossen hatte, kam er nach Heilbronn, um ein Masterstudium in Software Engineering zu beginnen.

Gefördert wird Ketoma Vix Kemanji vom Gummersbacher Ingenieurdienstleister Ferchau, der auch eine Niederlassung in Heilbronn betreibt. Seit 2013 finanziert Ferchau hier Deutschlandstipendien, die Erfahrungen seien gut, weshalb das Engagement fortgesetzt werde, teilt das Unternehmen mit. "Wir möchten damit den technischen Nachwuchs fördern und ganz gezielt Studenten mit herausragenden schulischen Leistungen und zusätzlich persönlichem Engagement“, sagt Niederlassungsleiter Horst Rippel.

Bei Ketoma Vix Kemanji sind diese Voraussetzungen erfüllt. Denn der Kameruner kann nicht nur gute Noten vorweisen, sondern auch soziales Engagement. Mit anderen Studenten hat Kemanji in seinem Heimatland die Umweltorganisation GGSI (Go Green Students International) ins Leben gerufen. "Für mich ist der Einsatz für eine bessere Umwelt sehr wichtig, weil ich aus einer Region komme, in der die Folgen des Klimawandels besonders spürbar sind“, sagt er.

Zu Ferchau hat der Stipendiat schon gute Kontakte geknüpft, war einige Male zu Besuch in der Niederlassung und Gast bei Veranstaltungen des Ingenieurdienstleisters. Ein großer Vorteil des Stipendiums sei neben den Kontakten die finanzielle Förderung von 300 Euro pro Monat. "So konnte ich mich auf mein Studium konzentrieren und musste nur wenige Stunden nebenbei arbeiten“, sagt Kemanji. Nach Abschluss seines Studiums kann er sich vorstellen, bei Ferchau zu bleiben. "Ich habe noch kein offizielles Stellenangebot von Ferchau, aber es gab bereits vielversprechende Gespräche“, sagt er.

Gute Noten nicht als einzigstes Kriterium

Für die Unternehmen ist das Deutschlandstipendium eine gute Möglichkeit, hochqualifizierte Studierende auf sich aufmerksam zu machen. "Wir müssen mehr Aufwand als früher betreiben, um die jungen Leute zu bekommen“, räumt Bernd Ludwig, Leiter der Aus- und Weiterbildung bei EBM-Papst in Mulfingen, offen ein.

Der Ventilatorenspezialist fördert seit 2011 vier Deutschlandstipendiaten, auch mit dem Ziel, das Unternehmen bekannter zu machen. "Uns ist es generell wichtig, die Hochschulen und junge Leute zu unterstützen und über den Tellerrand hinauszuschauen“, sagt Ludwig und weist auch auf die soziale Komponente eines Stipendiums hin.

Dieser Aspekt spielte bei der Bewerbung von Christian Brand eine Rolle. Der 22-jährige gebürtige Ingelfinger musste den Verlust seines Vaters verkraften, sein Bruder ist behindert. Die Kommission der Hochschule wählte ihn aus, auch weil Christian Brand gute Noten hatte und persönlich überzeugte. Seit 2014 studiert er Maschinenbau an der Hochschule Heilbronn, gefördert von EBM-Papst. "Ich bin sehr froh, ein so interessantes, regionales, familiäres und zukunftsorientiertes Unternehmen wie EBM-Papst als Sponsor bekommen zu haben“, sagt Brand.

Die Mulfinger erfüllen den von Bernd Ludwig definierten Anspruch, nicht nur monatlich Geld zu überweisen. Christian Brand hat immer wieder Kontakt zum Unternehmen – "egal, ob Ferienjob, Praxissemester, Werksstudententätigkeit oder Abschlussarbeit“. Diese will er im Bereich Strömungstechnik oder Motorentechnik schreiben. "Ich kann mir EBM-Papst als Arbeitgeber sehr gut vorstellen“, blickt Christian Brand voraus.

Den Arbeitsvertrag schon in der Tasche

Dieses Ziel hat Tobias Morath schon erreicht. Der 28-jährige Kirchheimer befindet sich in den letzten Zügen seines Masterstudiums Unternehmensführung/Business Management an der HHN. "Ich habe ein attraktives Jobangebot von Dieffenbacher erhalten und werde dort ab Oktober meinen Berufseinstieg wagen“, freut sich Morath.

Er hatte sich nach dem ersten Semester für ein Deutschlandstipendium beworben und hatte trotz "sehr hoher Hürden im Bewerbungsprozess“ Erfolg. Mit sehr guten Leistungen und hohem sozialen Engagement überzeugte er die Kommission. Morath lobt die gute persönliche Begleitung durch die Hochschule und die finanzielle Förderung. Auch die Kontakte zu anderen Stipendiaten und zu den Unternehmen seien bereichernd gewesen.

Um regionale Vernetzung und Kontakte zu Hochschulen geht es auch dem Unternehmen. Tobias Morath war für Dieffenbacher der erste Deutschlandstipendiat, doch aufgrund der guten Erfahrungen wird der Maschinenbauer aus Eppingen weitere junge Menschen fördern. Dazu gehören Praktika oder Abschlussarbeiten im Betrieb. "Im Fall von Herrn Morath hat diese enge und vorbildliche Zusammenarbeit dazu geführt, dass wir ihn nach seinem Studium in eine Festanstellung übernehmen werden“, freut sich Personalleiter Ralph Weber. "Das ist natürlich der Optimalfall, sowohl für uns als auch für Herrn Morath.“

Fleiß und Ehrgeiz wird belohnt

Einen ganz anderen Weg zum Deutschlandstipendium hat Simon Hartl genommen. Der 22-jährige Auenwalder hat nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme gemacht und danach ein halbes Jahr in diesem Beruf gearbeitet. Dann ging er auf die Technische Oberschule nach Stuttgart, wo er 2015 seine Fachhochschulreife absolvierte.

Seit dem Wintersemester 2015 studiert Simon Hartl Elektronik und Informationstechnik an der Hochschule Heilbronn und ist Deutschlandstipendiat bei der Pfedelbacher Firma Scheuerle. Der Fahrzeugbauer fördert zum ersten Mal ein solches Stipendium. "Wir möchten engagierte Studierende der Hochschule Heilbronn unterstützen“, teilt Scheuerle mit. Durch die finanzielle Förderung sollen sich die Stipendiaten "voll auf ihr Studium konzentrieren und bestmögliche Ergebnisse erreichen“. Beiden Partnern ist es wichtig, den Kontakt zu halten, um die Möglichkeiten einer Beschäftigung auszuloten.

 

 

Anzeige

Galerien

Regionale Events

Haigern Live!

Vom 21. bis zum 24. Juli ist es wieder soweit für das Open-Air-Festival.