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Ihr kleines Geheimnis

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Zunächst ist es für Sarah-Maria Rensner ein Schock. Sieben Tests hat sie gemacht. Dann erst ist das Ergebnis eindeutig: Sie ist schwanger. Einmal die Pille vergessen, schon ist es passiert. Sofort schießen der Studentin allerlei Fragen durch den Kopf. Vor allem: Wie geht’s jetzt weiter?

Das dritte Semester an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn hat vor wenigen Wochen begonnen. Studiengang: BWL Handel. Eigentlich hatte die damals 25-Jährige bis zu diesem Zeitpunkt eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Leben ablaufen soll. Erst das Studium beenden, dann zwei bis drei Jahre lang als Verkaufsleiterin arbeiten. Kinder? Irgendwann ab 30.

Wochenlang behält sie für sich, dass in ihr ein neuer Mensch heranwächst. Es ist ihr kleines Geheimnis. Ihr Freund, mit dem sie seit 2008 zusammen ist, steht zwar zu ihr. Dennoch hat sie große Angst. Vor den Reaktionen ihres Arbeitgebers, ihres Studiengangleiters, ihrer Familie, ihrer Freunde. Es kostet sie viel Überwindung, als sie sich ihrer besten Freundin anvertraut. Doch die macht ihr Mut. Also erzählt es die Studentin nach und nach allen. Und plant neu. 

Die Geburt

In Blankenburg (Sachsen-Anhalt) wohnen ihr Freund und ihre Familie. Dort ist auch ihr Ausbildungsbetrieb. Also pendelt sie bis April vergangenen Jahres hin und her. Schwanger. Rund 470 Kilometer. Dann, nach Ende des vierten Semesters, geht sie in Mutterschutz. Sechs Wochen später kommt Laura auf die Welt. Es folgt: ein halbes Jahr Elternzeit. Anschließend löst ihr Freund sie ab. Für ein Jahr lässt er sich beruflich freistellen. Zum fünften Semester im letzten Herbst kann die frisch gebackene Mutter deswegen wieder einsteigen. 

Wenn Sara-Maria Rensner heute über Laura redet, gerät sie ins Schwärmen. "Sie ist das Beste, was mir passieren konnte“, sagt die inzwischen 27-Jährige. Und: "Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Denn um ein Kind zu bekommen, ist die Studienzeit passend, findet die Wahlheilbronnerin. Der genau getaktete Alltag gebe Sicherheit. "Außerdem hat man mehr Freiräume.“ Ist man im Berufsleben, ist es nicht einfach, den geeigneten Zeitpunkt zu finden, um eine Familie zu gründen, vermutet die angehende Verkaufsleiterin. Sie ist überzeugt: "Ich kann danach im Job voll durchstarten.“

Auch ihr Blick aufs Studium hat sich geändert. "Ich weiß jetzt noch mehr, wofür ich es mache“, erklärt die frühere Hobbyfußballerin. Gleichzeitig sieht sie vieles entspannter. "Und mein Organisationstalent hat sich top gesteigert“, erzählt die Studentin schmunzelnd. Werdenden Eltern möchte sie Mut machen: "Habt keine Angst. Vertraut euch frühzeitig jemandem an. Die Leute reagieren anders als man denkt.“

An der Hochschule

Auch wenn sich ihr Freund und ihre Familie um Laura kümmern, während Sarah-Maria Rensner studiert, stimmen an der DHBW die Infrastrukturen. "Fahrstühle, breite Gänge, Wickelräume.“ Auch den Rückhalt an der Hochschule schätzt sie. Aber: "Ein Beratungsangebot fehlt komplett“, kritisiert die Studentin. Gerne hätte sie sich in der Anfangszeit jemandem anvertraut, "der die Sache anonym und objektiv angeht“. 

"Ansprechpartner sind die Studiengangsleiter“, betont Christian Gerber von der DHBW Heilbronn. Der Mitarbeiter der Personalabteilung betreut das Thema familiengerechte Hochschule und ist hauptsächlich für finanzielle Fragen zuständig. Wie viele Studierende Kinder haben, kann er nicht sagen. "Bei rund 1000 Studierenden ist die Anzahl nicht so groß.“ Dennoch habe man die Bedeutung des Themas erkannt. "Wir helfen in Notfällen, beispielsweise beim Ausfall von Betreuungspersonen, kurzfristig Kinderbetreuungsplätze zu erhalten“, erklärt der 30-Jährige. Die können neben Mitarbeitern auch Studierende für ihren Nachwuchs in Anspruch nehmen.

Außerdem in Planung: ein Elternkindzimmer mit Spielzeug für die Kleinen und einen Arbeitsplatz für die Großen. Und ein Ferienbetreuungsprogramm für Kinder. Der 30-Jährige weist allerdings ausdrücklich darauf hin: "Es ist eine große Verantwortung und Aufgabe, in der Zeit des Intensivstudiums ein Kind zu bekommen.“ 

Im November kommt Laura in den Kindergarten. Nächstes Jahr möchten Sarah-Maria Rensner und ihr Freund heiraten. Doch davor heißt es erst: büffeln, büffeln, büffeln. Denn momentan stehen die Abschlussprüfungen an. Ein Thema für ihre Bachelorarbeit hat sie auch schon: "Familienfreundliche Personalpolitik“.

Hintergrund

Fünf Prozent der Studierenden in Deutschland haben mindestens ein Kind. Das geht aus einer Studie des deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2013 hervor. Die Hälfte davon ist verheiratet, rund ein Drittel lebt in einer festen Partnerschaft, lediglich jeder Sechste ist alleinerziehend. Im Schnitt sind Studierende mit Kind im Erststudium 31 Jahre alt. Ihre kinderlosen Kommilitonen sind hingegen knapp acht Jahre jünger. 54 Studentenwerke bieten bundesweit insgesamt 218 Kindertagesstätten mit fast 8700 Plätzen an.

 

 

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