Parker. Einfach Parker.

Es gibt sie durchaus, jene Schurken, denen wir unsere ganze Sympathie schenken. Parker, einfach nur Parker, ist einer von ihnen. Erfunden und zum Serienhelden gemacht hat ihn der im Dezember 2008 gestorbene Richard Stark, der in Wirklichkeit Donald E. Westlake hieß und auch unter den Pseudonymen Tucker Coe (Mitch-Tobin-Reihe) und Samuel Holt geschrieben hat.

2009 wurde Stark für seinen Parker-Roman "Fragen Sie den Papagei" mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Inzwischen liegen zwei weitere Parker-Romane auf Deutsch vor: "Das große Gold" und "Der Gewinner geht leer aus".


Übler Bursche

Parker ist ein Typ, der zwar die Spielregeln des Lebens kennt und sie im beruflichen Alltag unter Einbrecherkumpels für unverzichtbar hält, doch Moral ist ein Wort, das er kaum für sich beanspruchen würde. Man muss sich aufeinander verlassen können, nur das gilt, auch nach dem Job.

In "Das große Gold" geht es zunächst aber nicht um einen Ein-, sondern einen Ausbruch. Parker sitzt in Untersuchungshaft, die für ihn denkbar unnatürlichste Umgebung. Also muss Parker raus. Zu dritt machen sie sich an die Arbeit, schaffen es auch, doch dann geht es erst richtig los. Ihre Helfer planen ein ganz großes Ding, und Parker muss mit ran, wobei auch für diesen Parker-Krimi gilt: Man weiß nie, wie es ausgeht. Kann gutgehen, kann aber auch schlecht laufen.

Genau diese für Krimis sonst sehr ungewöhnliche Offenheit gehört bei Richard Stark zum Programm. Das Einzige, worauf man sich bei seinem Helden Parker verlassen kann: Er ist absolut geradlinig und zuverlässig, skrupellos, eiskalt und konsequent. Und Richard Stark schreibt einen nüchternen Stil, der diesem Charakter eins zu eins entspricht: kühl, sachlich, schnurgerade aufs Ziel hin erzählt.

Nebenbei in der Garage

Das gilt auch für "Der Gewinner geht leer aus", der – wie auch "Das große Gold" – bereits 2002 im Original erschienen ist. Was ist von einem Krimi zu erwarten, der so beginnt: "Als das Telefon läutete, war Parker gerade in der Garage und brachte einen Mann um." Ein Satz von fürchterlicher Beiläufigkeit, der aber die Atmosphäre der Geschichte haargenau vorwegnimmt. Der Kerl in der Garage wollte Parker ans Leder, aber wer lässt sich schon gerne umbringen? Also muss der Killer selbst dran glauben.

Doch wer hat ihn geschickt? Ausgerechnet jetzt, da Parker gar keine Zeit hat für derlei Abrechnungen, schließlich möchte man ihn mal wieder bei einem ganz großen Ding dabei haben. Diesmal geht es um die Gemäldesammlung eines Dot-Com-Milliardärs, die auf nicht ganz legale Weise zusammengekommen ist. Mit ein paar der Bilder ließen sich Millionen machen – wenn denn alles gut geht und ihm nicht noch mehr Auftragskiller in die Quere kommen. Beide Parker-Romane gehören zum Besten, was die Krimilandschaft derzeit hergibt.


(Richard Stark: Das große Gold. 284 Seiten, 16,90 Euro.
Richard Stark: Der Gewinner geht leer aus. 284 Seiten, 16,90 Euro, beide erschienen im Paul Zsolnay Verlag, Wien)




Autor: gro Datum: 09.03.2010

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