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Heino - Mit freundlichen Grüßen

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Heino ist angefressen. Mit anderen Worten: stinksauer. Er, der beliebte Volkssänger, der jahrelang Hohn und Spott über sich ergehen lassen musste, hat die Faxen dicke. Doch nun schlägt der Barde mit einer Waffe zurück, mit der niemand so wirklich rechnete und die einen regelrechten Heino-Hype auslöste: seinem Cover-Album "Mit freundlichen Grüßen". Entgegen seiner musikalischen Natur interpretiert der Düsseldorfer diesmal keine volkstümlichen Lieder oder Schlager, sondern moderne Pop- und Rocksongs bekannter deutscher Bands. Mutiert der 74-Jährige zum blonden Racheengel oder ist alles nur ein gut getimter PR-Gag?

Dass sein Ego unter der allgemeinen Gängelung der deutschen Musikszene leidet, bestreitet Heino nicht, im Gegenteil. Im Interview beklagt er mangelnde Toleranz seiner Person und seiner Idee hinter dem Cover-Album gegenüber. Doch als Rächer sieht er sich nicht: Der sonnenbebrillte Sangesmann möchte schlicht und ergreifend musikalische Freude bereiten.

 

Ernste Interpretation

Das gelang ihm größtenteils, auch wenn die Zweitverwertung der ausgewählten Songs schnell Abnutzungserscheinungen aufweist - am Stück genossen nervt die immer gleichen Instrumentierung der voneinander genrefremden Nummern. Was man nicht vergessen darf: Es handelt sich immer noch um ein volkstümliches Schlager-Album. Ein Heino-Album.

Aber: Heino wittert hinter den gecoverten Bands mehr volkstümliche Weisheiten und musikalische Ähnlichkeiten, als es diesen vielleicht selbst bewusst sein könnte. Völlig ironiefrei und ohne jegliches Augenzwinkern eröffnet er die Platte mit "Junge" von den Ärzten: Anders als "die beste Band der Welt", meint er den Inhalt des Songs wirklich ernst. Mehr noch: Sehr ernst. Heino interpretiert die von den Berlinern niedergeschriebenen Verse wortwörtlich und nimmt so allen Kritikern den Wind aus den Segeln. Was hätte man ihm sonst vorwerfen können, wenn nicht fehlende Selbstreferentialität bei der Selektion jenes Liedes? Eben.

 

Mediale Aufmerksamkeit

Gerade die Stücke, die man von einem Heino nie und nimmer erwartet hätte, lösen beim Hörer reflexartiges Grinsen aus: "Ein Kompliment" von den Sportfreunden Stiller, Rammsteins "Sonne", das "Liebes Lied" der Absoluten Beginner und Oomphs! "Augen auf" erklingen im volksmusikalischen Gewand. Und wenn der Sänger die Fantastischen-Vier-Zeilen "GbR, GmbH - ihr könnt mich mal" in "MfG" intoniert, sieht man ihn förmlich schmunzeln. Ein Orchester aus Trompeten, Hörnern, Glöckchen, Triangeln und Akustikgitarren begleitet seinen tiefen Bariton - natürlich inklusive gerolltem "R". Ach, dieser Heino.

"Mit freundlichen Grüßen" ist mitnichten der von der Boulevardpresse hingeworfene Fehdehandschuh, den der alternde Star seinen Mitmusikern ins Gesicht klatscht. Das Marketing wusste einfach nur ganz genau, wie man die volle mediale Aufmerksamkeit erzeugt und provoziert - den Untertitel "das verbotene Album" als Aufhänger inklusive. Aber dass Heino in fast 50 Jahren Musikgeschäft mit dieser Platte nun wohl endlich sein allererstes Nummer-eins-Album in Deutschland aufgenommen hat, sei ihm gegönnt. Gut gemacht, alter "Junge".

 

Label Starwatch Entertainment
Vertrieb Sony Music
Erscheinungsdatum 01.02.2013
Bewertung überzeugend

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