
Napoleon: Total War
Korse mit Charisma
Kleinwüchsig, aber dafür umso ehrgeiziger: Napoleon Bonaparte gab sich mit dem Erreichten niemals zufrieden, sondern strebte immer nach noch mehr Macht und noch mehr Einfluss. Bis die schmähliche Niederlage in der Schlacht bei Waterloo seiner Hybris schließlich ein Ende setzte. Creative Assembly ruhen sich ebenfalls nicht auf ihren Lorbeeren aus und entwickeln ihre ohnehin schon einzigartige "Total War"-Reihe beständig weiter. Auch das eigenständig lauffähige Addon "Napoleon" unterscheidet sich in manchen Punkten deutlich von seinen Vorgängern, erweitert das Spielprinzip um neue Multiplayer-Optionen, speckt dafür aber bei den Kampagnen ab.Auf Eroberungszug
Die Basis von "Napoleon: Total War" ist dieselbe wie in "Medieval" und "Empire": Auf einer "Risiko"-ähnlichen Karte bewegt man rundenweise seine Einheiten und versucht so, sukzessive ein Territorium nach dem anderen zu unterjochen. Dazu nutzt man in erster Linie seine militärischen Kräfte, setzt aber auch auf Diplomatie, um das Gleichgewicht der Mächte zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen.Durch Wohlstand, faire Steuern und wirtschaftlichen Erfolg bringt man die Bevölkerung hinter sich und infiltriert feindliche Kommunen mit Agenten. Immer wieder kommt es auf den Eroberungszügen zu Belagerungen gegnerischer Städte oder zu erbitterten Schlachten mit feindlichen Heeren - Letztere werden prachtvoll in Echtzeit inszeniert oder lassen sich wahlweise auch vom Computer berechnen.
Historische Einzelschlachten
"Napoleon: Total War" macht Einsteiger in knappen Tutorials mit Land- und Seegefechten sowie mit grundlegenden Taktiken im Kampagnenspiel vertraut. Danach geht's mit dem kleinen Korsen an die kontinuierliche Erweiterung seines Einflussgebietes: Die drei Kampagnen Napoleons führen den Spieler von Italien über Ägypten bis hin zum großen Europafeldzug, der in der Belagerung Moskaus gipfelt.Darüber hinaus bietet "Napoleon: Total War" zehn historische Einzelschlachten und die Kampagnen der Koalition, in denen der Spieler aufseiten Österreichs, Großbritanniens, Preußens oder Russlands kämpft. Einen "freien Modus", in dem man die Karte nach Belieben ohne Vorgaben erobern kann, gibt es nicht.
Gefährlicher Winter
Obwohl sich also am Grundprinzip nicht viel geändert hat, spielt sich "Napoleon" auch für Solisten deutlich anders als "Empire": Der Ablauf gestaltet sich allein schon durch die vorgegebene Rundenzahl wesentlich straffer. Es gilt also oft, mit einer nicht vollständig ausgebauten Armee loszuziehen und entsprechend mit den Kräften zu hauszuhalten, um das Kampagnenziel zu erreichen. Verluste in den eigenen Reihen lassen sich diesmal nicht durch Geldzahlungen ausgleichen.Vielmehr müssen Nachschubstationen eingerichtet werden, mit denen sich das Heer wesentlich langsamer wieder hochpäppeln lässt. Nicht nur die Gegner, auch die Witterung setzt den Soldaten jetzt zu: Der russische Winter und die flirrende Hitze der trockenen Sandwüste Ägyptens können für so manchen schlecht vorbereiteten Kämpfer den qualvollen Tod bedeuten.
Neue Gefechte
Verglichen mit "Empire" muten die nacheinander freigeschalteten "Napoleon"-Kampagnen sehr überschaubar an: Den routinierten Italien-Feldzug meistern auch Einsteiger auf Anhieb mit links, Ägypten fordert durch aggressivere Gegner schon mehr, aber erst bei der Eroberung Europas entfaltet das Spiel sein ganzes Potenzial vom diplomatischen Taktieren über Forschung und den kompletten Ausbau der Städte bis hin zum Einsatz von Spionen und Edelleuten.Freunde von anspruchsvollen Mehrspieler-Partien freuen sich über eine komplette Multiplayer-Kampagne ebenso wie über die neuen Drop-in-Gefechte, in denen Echtzeitkämpfe nicht gegen den Computergegner, sondern gegen menschliche Spieler aus der Steam-Freundesliste ausgetragen werden.
Mittendrin im Kanonendonner
In Sachen Inszenierung setzt "Napoleon: Total War" gegenüber seinen Vorgängern noch mal eins drauf: Wenn sich die Riesenheere mit exakt den historischen Vorbildern nachempfundenen Uniformen und Waffen auf dem Feld gegenüberstehen, der Pulverdampf aufsteigt, wuchtiger Kanonendonner und das Getrappel der Pferde aus den Boxen schallt, fühlt man sich als Spieler mittendrin. Im detaillierten Terrain sind zudem jede Menge taktische Winkelzüge möglich, bis hin zum Häuserkampf in besetzten Ortschaften. Das überarbeitete Interface erlaubt nun das leichtere Identifizieren von Einheiten und gibt auf einen Blick Aufschluss über die Moral der Truppe."Napoleon: Total War" ist nach "Empire" sicher nicht die große Strategie-Revolution. Wer die epische Große Kampagne von "Empire" schätzte, mag sich bei "Napoleon" fast ein wenig eingeengt fühlen. Dennoch sorgt der straffere Spielablauf für ordentlich Spannung, und mit den Mehrspieler-Optionen erfüllen die Entwickler den Fans einen lang gehegten Wunsch. Die Präsentation des Spiels und die liebevolle Einarbeitung historischer Details ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
[Mehr Infos zum Spiel]
| Hersteller: Creative Assembly/ Vertrieb: Sega | |
| Multiplayer: 1 - 8 (WWW, LAN) | |
| Sonstiges: Minimum-CPU mit 2,3 GHz, 2 GB RAM, 3-D-Grafikkarte mit 256 MB RAM, 15 GB freien Festplattenspeicher | |
| Schwierigkeit: Für Fortgeschrittene | |
| VÖ: 26.02.2010 | |
| Preis: ca. 40 Euro | |
| EAN Code: 5055277004539 | |
| Bewertung | |
| Grafik: sehr gut | Steuerung: sehr gut |
| Sound: sehr gut | Spielspaß: sehr gut |
| Alter: ab 12 Jahren | Gesamt: sehr gut |
Autor: teleschau - der mediendienst Datum: 09.03.2010
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