Schlag den Raab

Stefan Raab gilt als König Midas der Medienbranche: Was der gelernte Metzger im TV-Bereich auch anfasst, es wird zu Gold. Sein bisheriges Glanzstück: die Marathon-Show "Schlag den Raab", die er schon in 16 Länder verkaufen konnte. Am 18. September lässt sich der 43-Jährige nach langer Sommerpause zum 24. Mal auf den Mehrkampf gegen einen Kandidaten ein. Es geht um eine Million Euro. Zwei Wochen zuvor erscheint das gleichnamige Spiel zur Show. Doch zum Üben ist das nur bedingt geeignet ...



Raab grinst und schweigt

Der von Raab TV, Spielkind, Brainpool, ProSieben und bitComposer gemeinsam entwickelte PC- und Wii-Titel (zum Test lag die Wii-Version vor) erweist sich bereits nach wenigen Minuten als ebenso grafisch schlichte wie lieblos zusammengeschusterte Ansammlung von 21, laut Handbuch "wahnwitzigen", in Wirklichkeit aber weitestgehend humorfreien Minispielen, die sich grob in zwei Bereiche aufteilen lassen:

Zum einen gibt es Action-Aufgaben wie Würfeln, Kuhmelken, Pömpel-Schleudern oder Mini-Golf, in denen es das Höchste der sensomotorischen Gefühle ist, die Wiimote ein wenig zu schütteln, zu neigen, zu kippen oder im rechten Moment zu schwingen. Leider lässt die Bewegungserkennung arg zu wünschen übrig, was vor allem beim Holzscheibensägen und beim Bierkrug-Schlittern auffällt. Kontrolle? Fehlanzeige. Spektakuläre Events wie Mountainbiking, Kartfahren oder Jet-Ski? Gibt's auch nicht.


Peinlich

Zum anderen warten allerlei Raterunden auf den Käufer - darunter das populäre "Blamieren oder kassieren" oder das Geografie-Spiel "Wo liegt was?". Bei Letzterem muss ein genannter Ort mit einer Stecknadel auf der Weltkarte markiert werden. Leider ist die "Stecknadel" im Verhältnis zur Karte so dick, dass genaue Angaben nahezu unmöglich sind und einzelne Pixel zu mehreren hundert Kilometern Unterschied anschwellen.

Noch peinlicher wird's an anderer Stelle: Die stets breit grinsende Karikatur Raabs schätzt im Profi-Modus die Bevölkerung der Philippinen auf über zwölf Milliarden, die Höhe des K2 auf gut 22 Kilometer und die Größe der deutschen Durchschnittsfrau auf 1,49 Meter. Beim "Kopfrechnen" versagt der virtuelle Gegenspieler völlig, und bei "Mehr oder weniger" sind 20 übereinandergestapelte Koala-Bären schon mal höher als ein Dutzend Jumbojets. Dafür kann der Computer-Raab die Zahl der Schulen in Bremen, die Fläche der Ostsee und die Gesamtlänge deutscher Küsten aus dem Effeff.


Keine Unterhaltung

Für die auf dem Cover beschworene "echte TV-Show-Atmosphäre" sorgen in erster Linie "Schlag den Raab"-Moderator Matthias Opdenhövel und Ex-Praktikant Elton, die beide vors Mikro gezerrt wurden und das Geschehen kommentieren. Der Meister selbst schweigt nahezu. Mehr als ein "Ja, so geht das!", "Nein" und "Oooh" gibt's von Raab nicht zu hören. Dafür wird bei jeder Gelegenheit der Jingle der Show eingespielt.

Mit dem im "Show-Modus" erspielten Geld lassen sich weitere Kandidaten, ein paar Werkzeuge sowie ein (!) weiteres Minispiel freischalten. Diese stehen dann auch in der Party-Variante zur Verfügung, bei der bis zu vier Spieler gegeneinander antreten können. Dadurch erhöht sich die Spieldauer zwar merklich. Allerdings bleibt diese immer noch unterhalb einer TV-Ausgabe von "Schlag den Raab". Vom Unterhaltungswert ganz zu schweigen ...


[Mehr Infos zum Game]


Hersteller: bitComposer/ Vertrieb: Namco Bandai Partners
Multiplayer: 2-4
Sonstiges:
Schwierigkeit: Für Einsteiger
VÖ: 10.09.2010
Preis: ca. 40 Euro
EAN Code: 4014658406172
Bewertung
Grafik: ausreichend Steuerung: mangelhaft
Sound: befriedigend Spielspaß: ausreichend
Alter: o.A. Gesamt: ausreichend




Autor: teleschau - der mediendienst Datum: 03.09.2010
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