Scarygirl

Durch Nähte verunzierter Mund, Haken und Tentakel statt Händen, strähniges Haar und Monster-Fresse: Das "Scarygirl" aus der Feder des australischen Grufti-Illustratoren Nathan Jurevicius ist nicht eben eine Schönheit - und genau für diese stilvolle Hässlichkeit wird sie von ihren Fans geliebt. Web-Strips, Comic-Alben, Sammlerfiguren und Merchandise: "Scarygirl" ist längst Underground- und Independent-Kult. Die schräge Mixtur aus verschrobener Tim-Burton-Optik und psychedelischem Farbmischmasch soll ihren einzigartigen Charme bald auch einem Film leihen - aber jetzt ist erst einmal die Versoftung von Download-Spiele-Spezialist TikGames an der Reihe: Die transportiert den Stil der Vorlage perfekt ins Polygonale, erzählt auf liebevolle Weise, wie das kleine Monstermädel als Findelkind von einem schnauzbärtigen Oktopus aufgezogen wird und schließlich in die weite Jump&Run-Welt auszieht, um das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen.

Hilfreich zur Seite steht ihm dabei ein langohriger, schwebender Karnickel-Guru, der im Spiel den Job des geduldigen Tutorial-Mentors übernimmt und dem Spieler das Regelwerk seiner Welt näherbringt. Das ist auch bitter nötig, denn obwohl sich das Spiel zum Comic im Kern auf die Genre-typische Kombi aus Sprung, Doppelsprung und stilvollem Über-Abgründe-gleiten verlässt, bemüht das interaktive "Scarygirl" einige überraschend komplexe Kontroll-Mechanismen: Feindliches Getier wie kleine Rüsseligel, durchgeknallte Steinböcke, zischelnde Schlangen und aufdringliche Schuhu-Eulen wollen nicht wie gewohnt plattgehüpft, sondern durch gezielte Hiebe- und Prügelspiel-verwandte Kombinations-Attacken erledigt werden. Besonders schnell verpuffen die frechen Monsterlein in einem lilafarbenen Staubwölkchen, wenn man sie mit ein paar gezielten Schwingern betäubt, dann mit Girlies Tentakel-Arm packt und als Kegel entfremdet: alle Neune!

Aber damit nicht genug: Wer eifrig über die schräge Level-Landschaft verteiltes Geschmeide sammelt, darf mit der prall gefüllten Juwelen-Börse einen Oktopoden-Händler aufsuchen und dort gegen einen kleinen Klunkerobolus die Manöver-Liste aufstocken. Wer clever ist, der kauft hier schon früh eine Fertigkeit ein, mit deren Hilfe er gefangene Feinde zerquetscht und in Lebensenergie umwandelt - ein Talent, ohne das man im beinharten "Scarygirl" nicht weit kommt, denn das niedliche Feindgetier verhält sich nicht halb so sympathisch wie es aussieht.

Wer ein Faible für gruftig illustrierte, moderne Märchen hat und obendrein kernige Jump&Run-Kost schätzt, der schaut sich das Tentakel- und Haken-schwingende "Scarygirl" unbedingt näher an. Denn obwohl Tik Games die Genre-Rezeptur nicht neu erfindet, wird sie doch zumindest sinnvoll ergänzt und attraktiv neu interpretiert. Ein bisschen zusätzlicher Feinschliff auf Seiten der Spielbalance hätte allerdings nicht geschadet.

 

Plattformen PS3 , Xbox 360 (getestet)
Hersteller TikGames
Erscheinungsdatum 24.01.2012
Alter ab 6 Jahren
Multiplayer 1-2
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene
Sonstiges befriedigend
Vertrieb Square Enix
Bewertung Grafik gut
Bewertung Sound gut
Bewertung Spielspass befriedigend
Bewertung Gesamt befriedigend

 

 

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Autor: Robert Bannert (teleschau - der mediendienst) Datum: 27.01.2012
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