
Füreinander da sein
"Sie waren es, die uns beistanden, als sie selbst kaum mehr stehen konnten“, sagt Astrid Hahn, Leiterin der Albertville-Realschule, in einer Rede. Gemeint sind die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die am 11. März 2009 beim Amoklauf in Winnenden im Einsatz waren: Rettungsassistenten, die Verletzte geborgen haben, während der Täter noch im Gebäude war. Notfallseelsorger, die Schüler, Lehrer und Angehörige betreut haben. Darunter Monika Hermann. Sie ist Geschäftsführerin des DRK Rems-Murr und hatte an diesem Tag mit ihrem Team den schwierigsten Einsatz ihres Berufslebens.Plötzlich ist alles anders
Es ist Mittwoch, aber Monika Hermann ist nicht wie sonst im Büro. Sie hat sich frei genommen, weil sie Handwerker erwartet. Um 9.30 Uhr erreicht sie die Nachricht des Amoklaufes per Telefon. Im Hintergrund sind Schüsse und Schreie zu hören. Sie steht unter Schock, kann nicht mehr denken.Es folgen weitere Anrufe und Monika Hermann macht sich auf den Weg nach Winnenden, nur wenige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Zu diesem Zeitpunkt sind ihre Kollegen schon im Einsatz. Der erste Krankenwagen mit zwei jungen Rettungsassistenten erreicht die Schule um 9.40 Uhr, wenige Minuten nachdem der Notruf in der Leitstelle Waiblingen einging. Weitere vier Minuten später trifft der erste Notarzt ein.
Tatort
Als Hermann um 10 Uhr den Tatort erreicht, hatten sich bereits zwölf Fahrzeuge, ein Hubschrauber, sieben Notärzte und 18 Rettungsassistenten eingefunden. 200 Meter von der Schule entfernt sind die Polizeisperren aufgebaut. Sie lässt ihren Wagen stehen, zieht sich die leuchtend orangefarbene DRK-Jacke über und geht zu Fuß weiter.Ein Polizeibeamter weist sie energisch an, die Straßenseite zu wechseln, möglichst weit vom Schulgebäude entfernt zu gehen. Ihre Kollegen sieht sie schon von Weitem. Als sie bei ihnen ist, kommt gerade einer ihrer Mitarbeiter aus der Schule. Er bringt einen Zettel mit, auf dem er Zimmernummern und die Anzahl der Toten notiert hat, um seinen Kollegen den Einsatz zu erleichtern.
Hohe Belastung
In den folgenden Stunden erleben etliche amtliche und ehrenamtliche Helfer eine unvorstellbare Belastung. Psychischer Druck spielt bei diesen Berufen immer eine Rolle. Das weiß jeder und darauf wird auch in der Ausbildung hingewiesen."Aber auf eine solche Situation kann man sich unmöglich vorbereiten", sagt Monika Hermann. Ihre Nachbarin fängt sie abends nach Dienstschluss an der Haustüre ab und nimmt sie in den Arm. Was macht man an so einem Abend? "Weinen."
Verändertes Leben
Auch an den folgenden Tagen ist von den DRK-Mitarbeitern größter Einsatz gefordert. Die Hermann-Schwab-Halle gegenüber der Albertville-Realschule wird zur Anlaufstelle für Betroffene. Allein 56 Notfallseelsorger sind für deren Betreuung zuständig.Der 11. März vor einem Jahr hat das Leben vieler Menschen völlig verändert. Auch bei den Helfern ist dieser Tag nach einem Jahr noch lange nicht vergessen. "Man weiß, dass die Suizidrate bei Einsatzkräften, die ähnlich traumatische Erlebnisse hinter sich haben, nach ein bis zwei Jahren stark ansteigt", zitiert Monika Hermann eine Statistik.
Noch werden die Schüler der Albertville-Realschule in Containern unterrichtet. Erst 2011 soll das alte Schulgebäude komplett renoviert sein. Die Wunden und Schmerzen der Schüler lassen sich nicht so leicht heilen.
Info
Weitere Informationen über die Arbeit des Deutschen Roten Kreuz in der Region erfahrt ihr hier:[DRK Heilbronn]
[DRK Hohenlohe]
[DRK Eppingen]
Autor: Sinchen Datum: 11.03.2010

















