
Jugend wartet mit erstem Sex
Die Studie "Jugendsexualität 2010" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung widerlegt das skandalöse Bild der Jugend, wie es der Berliner Pfarrer Bernd Siggelkow in seinem Buch "Deutschlands sexuelle Tragödie" (2008) zeichnete.
Einzelfälle
Der Gründer des Kinderhilfswerks "Arche" in Berlin warnte damals vor hypersexualisierten Teenies, die nicht mehr zu Beziehungen fähig sind. Er schrieb von Achtjährigen, die mit ihren Müttern Pornos anschauen oder von 14-Jährigen, die Liebhaber an ihre Mütter weiterreichen. Die Direktorin der Bundeszentrale, Elisabeth Pott, betonte bei der Präsentation der Studie in Berlin, dass Schilderungen wie diese Einzelfälle seien.Die Studie, für die 2009 rund 3500 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren, darunter 1000 Teenager mit Migrationshintergrund, befragt wurden, sei hingegen repräsentativ. Sie habe gezeigt, dass die sexuelle Aktivität Jugendlicher generell rückläufig sei. Hatten im Jahr 2005 bereits zehn Prozent der deutschen 14-jährigen Jungen Erfahrungen im Geschlechtsverkehr, so waren es 2009 nur noch vier Prozent.
Positive Botschaft
Bei den Mädchen sank der Anteil von zwölf auf sieben Prozent. Jungen aus Migrantenfamilien sind jedoch früher und häufiger sexuell aktiv als deutsche Gleichaltrige. Mädchen aus dieser Gruppe zeigten sich zurückhaltender.Als "positive Botschaft" bezeichnete Pott die wachsende Vorsicht vieler Jugendlicher: Sie verhüten so gut wie nie zuvor. Viele benutzen sogar Pille und Kondom gleichzeitig, um Schwangerschaften und Krankheiten zu vermeiden, sagte Pott. Das Kondom sei nach wie vor Verhütungsmittel Nummer eins, gefolgt von der Pille.
Bewusster
Die Jugendlichen sind Pott zufolge nicht konservativer, sondern aufgeklärter und bewusster im Umgang mit ihrem Körper. Als Gründe für ihre sexuelle Zurückhaltung hätten die meisten das Fehlen des richtigen Partners und die eigene Schüchternheit genannt. "Der Wunsch nach Vertrauen ist ganz groß", sagte Pott. "Wenn es zum Geschlechtsverkehr kommt, dann meist in einer festen Beziehung."Pott sagte, die Schule spiele bei der Aufklärung eine zunehmend wichtige Rolle. Bei Jungen mit Migrationshintergrund sei sie der wichtigste Ort für Aufklärung überhaupt. Deutsche werden laut Pott gut und kontinuierlich im Elternhaus aufgeklärt: "Wir sind weg von punktuellen, peinlichen Gesprächen".

Autor: sok Datum: 03.09.2010
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