
Gute Veränderungen
Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass dein Leben filmreif ist?
Bushido: Ehrlich gesagt, hatte ich nie das große Verlangen, etwas in meinem Leben zu erreichen, das verfilmt, vertont oder aufgeschrieben werden muss. Ich habe ja nicht mal freiwillig ein Buch geschrieben.
Haben sich viele Produzenten bemüht, einen Film mit dir zu drehen?
Bushido: Es gab Angebote. Die haben mich aber nicht gereizt. Zum Beispiel sollte eine kleine Ära aus meinem Leben als Fernsehmehrteiler verfilmt werden. Das ging so in Richtung: Ausländer haben es in Deutschland ganz schwer. Wo ich immer nur denke: Was ist los mit Euch? Mir geht es gut. Hier ist mein deutscher Pass! Mir droht keine Abschiebung! Ehrlich, in keinem Land kannst Du als Ausländer mehr Scheiße bauen als in Deutschland.
Wie gefällt dir das Drehbuch, das ja nicht eins zu eins dein Leben wiedergibt, sondern von deiner Biografie inspiriert wurde?
Bushido: Es ist so, wie Bernd (Eichinger, Anmerkung der Redaktion) es haben wollte, und so, wie ich gut damit leben konnte. Natürlich hätte das ein ganz anderer Film werden können. Viel aggressiver. Oder so richtig asozial. Aber das sind die Freiheiten des Kinos.
Werden Bushido-Fans durch den Film Neues über dich erfahren?
Bushido: Sie werden Dinge sehen, die sie noch nicht kennen: Zum Beispiel wird zum ersten Mal die Beziehung zwischen meiner Mutter und meinem alkoholkranken Vater dargestellt, wie er nach Hause kommt und meine Mutter verprügelt und ich das im Alter von vier Jahren beobachten muss.
Hattest Du Sorge, dass Du der Herausforderung, dich in dem Film selbst zu spielen, nicht gewachsen sein könntest?
Bushido: Mir war sofort klar, dass ich das mache und auch schaffen werde. Ich habe das Glück, dass ich oft auf der Bühne stehe, extrovertiert bin und mich keine Kamera und kein Mikrofon stören.
Uli Edel hat Dich ausdrücklich gelobt. Willst Du weitere Rollen spielen?
Bushido: Das ist ja immer die große Gefahr, die ich bei Leuten wie Madonna oder 50 Cent sehe. Die sind Musiker und wollen plötzlich Schauspieler sein. Eminem hatte das Glück, dass er nur einmal in "8 Mile" sich selbst in einer etwas anderen Rolle spielen musste. Das wirkt dann glaubhafter, als wenn 50 Cent plötzlich einen Staatsanwalt spielt. Alter, das kaufe ich dem nicht ab.
Hat dir so viel Aufmerksamkeit gut getan?
Bushido: Die Tatsache, dass sich solche Profis für mich interessieren und auf die Leinwand bringen wollen, hat mir sehr viel Motivation gegeben, nachdem ich 2007 wegen der Krankheit meiner Mutter in ein Riesenloch gefallen war. Das zog mich so krass runter, dass ich sagte: Ich gebe mir die Kugel oder versuche wieder auf die Beine zu kommen.
Hat dir die Musik allein dabei nicht mehr helfen können?
Bushido: Meine Musik reizte mich schon lange nicht mehr. Nach zehn Goldenen Schallplatten, zweimal Platin und allen möglichen Preisen stand ich im Dezember 2007 auf der Bühne, habe meine Texte runtergerattert und das Publikum gar nicht mehr wahrgenommen.
Waren Szenen mit Hannelore Elsner als deine Mutter schwer zu spielen?
Bushido: Da musste ich schon mal schlucken. Normalerweise haben wir am Set viele Späße gemacht. Aber wenn wir emotionale Szenen mit Hannelore gedreht haben oder auch mit meinem Filmvater Adolfo, der ja wie ein Zwilling meines Vaters aussieht, war das wirklich heftig. Auch Adolfo musste ich in den Arm nehmen und dachte die ganze Zeit nur: Oh, Therapie!
Du hast auch den Soundtrack für "Zeiten ändern dich" geschrieben?
Bushido: Im Film tauchen fünf Songs auf, die ich extra dafür geschrieben habe. Die sind auch auf dem neuen Album drauf, zusammen mit anderen neuen Stücken. Deswegen ist das auch kein Soundtrack im eigentlichen Sinne, sondern ein Bushido-Album mit Songs aus dem Film.
"Aggro Berlin" musste im April 2009 schließen, auch andere Hip-Hop-Plattenlabels mussten Konkurs anmelden. Wird der Film was bringen?
Bushido: Das Problem ist, dass die meisten Rapper vom Intellekt her extrem minderbemittelt sind. Es gibt kaum Ausnahmen und deshalb flacht die Popularität der ganzen Szene ab. Wenn du dich als Künstler nicht weiter entwickelst, dann verlieren die Fans und die Medien das Interesse. Wenn dieser Film etwas für den deutschen Rap tun kann, würde ich mich freuen. Andererseits will ich aber nicht Mutter Teresa sein und die Szene retten.
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Autor: red Datum: 03.02.2010
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