
Facebook muss Einkünfte vorlegen
In acht Jahren vom Studentenprojekt zum Börsenkonzern: Facebook vernetzt mehr als 845 Millionen Menschen in aller Welt und wird jetzt auch ein Magnet fürs internationale Anlagekapital. Im harten Ringen um knappe Renditen will niemand das nächste große Ding verpassen. Facebook – und damit letztlich der riesige Berg der Daten aller Nutzer – ist ein Riesengeschäft.
„Soziale Netzwerke sind eine Zukunftsbranche und zur festen Anlageklasse geworden“, sagt Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank in Frankfurt. Das Geschäftsmodell sei als solide und sinnvoll einzuschätzen. Ein Vergleich mit der Zeit der Jahrtausendwende, als neugegründete Internet-Firmen die Anleger verlockten, immer mehr Geld zu riskieren, hält er für überzogen.
Jetzt überwiege bei den Anlegern eine realistischere Betrachtungsweise und der Blick auf die fundamentalen Wirtschaftsdaten, erklärt Halver. „Es ist immer gesund, wenn die Bäume nicht zu sehr in den Himmel wachsen – auch für die weitere Entwicklung von Aktien.“ Als „Stil-Ikone insbesondere für junge Leute“ habe die Börseneinführung von Facebook zwar auch eine emotionale Komponente. „Ich habe aber den Eindruck, dass die Gesellschaft selbst daran interessiert ist, dass sie einen vernünftigen Börsengang macht, um die Nachhaltigkeit zu unterstreichen.“
Immer gute Geschäftszahlen
„Aus dem Stand 2004 gegründet, hat es Mark Zuckerberg mit Kollegen dazu gebracht, eine Bewertung zu erreichen, die der von Siemens entspricht“, sagt Thilo Müller, Geschäftsführer von MB Fund Advisory in Limburg. Wenn man dies auf einzelne Nutzer herunterbreche, ergebe sich eine Bewertung von zehn Dollar je Facebook-Mitglied. Allerdings sieht Müller mögliche Grenzen der Facebook-Dynamik – zum einen in der absehbaren Sättigung bei den Nutzerzahlen, zum anderen in der anhaltenden Datenschutzproblematik. Facebook werde mit der Erwartung konfrontiert sein, „stetig gute Quartalszahlen hinterherzuschieben, um diese Bewertung zu rechtfertigen“.
Bei der Marktforschungsfirma Gartner sieht Experte Michael Gartenberg, ein großes Problem für Facebook darin, künftig Wirtschaftsdaten veröffentlichen zu müsse, die das Unternehmen bislang streng unter Verschluss gehalten habe, betont Gartenberg. Damit stehe Facebook künftig unter einer ganz anderen Art von Beobachtung als bisher.
Beim Blick auf die fundamentalen Daten von Facebook stellt sich die Frage: Wie kann Facebook die enorme Reichweite von 845 Millionen Nutzern in Einnahmen ummünzen, die den Erwartungen der Investoren gerecht werden? Die endgültige Antwort darauf steht noch aus.
Gezielte Werbung
Google hat es leichter, die Aufmerksamkeit der Nutzer zu vermarkten: Wenn jemand die Suchmaschine anwirft, kann die Firma leicht die passenden Anzeigen schalten. Wer bei Facebook ist, hält dagegen eher einen Plausch. „Werbung in Sozialen Netzwerken ist so, als ob man bei einer Party Plakate aufhängt und Vertreter sich unter die Menge mischen“ – so hat das Fachportal „Business Insider“ das Geschäftsmodell einmal erklärt.
Facebook schaltet bereits gezielte Werbung, ausgerichtet an Geschlecht, Alter oder Wohnsitz. Klassische Banner sind eine andere Möglichkeit – auf dem US-Markt ist Facebook bereits der führende Anbieter für diese Werbeform.
Neben den Werbebannern probiert Facebook andere Ansätze aus. Das Unternehmen vermarktet Gutscheine – Nutzer können sie bekommen, wenn sie sich etwa mit in einem Restaurant oder einem Kino verlinken. Seit kurzem tauchen im Aktivitätenticker von Facebook auch „gesponsorte Meldungen“ auf. Nach einem Bericht des amerikanischen Technologie-Blogs Techcrunch arbeitet Facebook an einem neuen System für nutzerbezogene Werbung. Über die Vorlieben der Nutzer weiß Facebook schließlich anhand der Datenmenge bestens Bescheid.
Autor: dpa Datum: 03.02.2012
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