Alte Geräte haben noch Fans

Ach, das gibt es noch? Beim Gang durch den Elektronikmarkt mag sich der eine oder andere das öfter fragen. Denn zwischen all den modernen Riesenfernsehern, Blu-ray-Playern und Dockingstationen warten auch einige längst totgeglaubte Geräte auf Käufer. Zum Beispiel Kassetten- und CD-Spieler für die Stereoanlage. Sogar Videorecorder gibt es noch, wenn auch in der Regel in Kombination mit einem DVD-Spieler.
 
"Nicht jeder steigt gleich auf neue Technologien um", erklärt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU). Andere kaufen sich zwar einen Blu-ray-Player, wollen ihre alte Videosammlung aber nicht aufgeben. "Deshalb bleibt meist noch eine kleine Fangemeinde übrig", sagt Stehle. "Und für die werden diese Geräte angeboten."
 
Ein Teil dieser Fangemeinde ist der Ring der Tonband- und Videofreunde, der sich auch mit analoger Technik beschäftigt. Für den Vereinsvorsitzenden Klaus Ramm hat das nicht nur nostalgische Gründe. "Auf manchen analogen Medien kann man Nuancen hören, die auf einem MP3-Player untergehen", sagt er. Ähnlich ist es bei CDs: Die kann heute zwar jeder DVD- oder Blu-ray-Player abspielen, der Klang ist aber für Hifi-Fans mit geübten Ohren schlechter als auf einem CD-Player.
 

Verkaufszahlen gering

Viel Geld verdienen die Hersteller mit ihren alten Produkten nicht mehr. 2012 wurden nach Daten der GFU noch 60.000 DVD-Video-Kombigeräte verkauft, CD-Spieler für die Stereoanlage fanden 77 000 Käufer. Das Geschäft mit der vergessenen Technik lohnt sich oft trotzdem – etwa weil es nur wenig Konkurrenz gibt. In der Regel sind es nur noch ein oder zwei Hersteller, die die inzwischen exotische Technik produzieren. Große Neuerungen erwarten die Kunden auch nicht mehr. "Die Unternehmen halten die Geräte im Programm und decken den Markt ab", sagt Stehle.
Manche Geräte werden sogar gar nicht mehr hergestellt. Minidiscs werden heute in Deutschland zwar noch angeboten, nicht aber die Player dazu, sagt Ramm. Freunde solcher Formate sind heute also auf gebrauchte Geräte angewiesen. "Es gibt noch einzelne kleine Läden, die solche Hifi-Geräte verkaufen", erklärt Jürgen Nadler von Stiftung Warentest.

 

Reparatur möglich

Gibt es Probleme mit den Altgeräten, bleibt statt des Neukaufs nur die Reparatur. Einige Werkstätten haben sich auf die Rettung alter Unterhaltungselektronik spezialisiert. Dort sind die Experten erfinderisch: Ist ein dringend benötigtes Ersatzteil vom Originalhersteller nicht mehr zu bekommen, bauen es die Profibastler oft selbst. Anders als etwa bei Blu-ray-Playern ist es außerdem relativ wahrscheinlich, dass ein Experte den Fehler tatsächlich reparieren kann. "Je mehr mechanische Bauteile es gibt, desto größer ist die Chance, dass sich ein Defekt beheben lässt", sagt Nadler. Oft sei es sogar nur ein einzelnes Verschleißteil, dass den ansonsten gut erhaltenen Kassetten- oder Videorecorder ausbremst.

dpa06.02.2013
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