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Beleidigungen per Klick

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"Schiebt den Wal zurück ins Meer“ – die Sechstklässlerin kennt die Person nicht, die so ihr Foto bei Facebook kommentiert. Es ist ein Bild aus dem letzten Familienurlaub in Südfrankreich. Zu sehen ist die 13-Jährige im Badeanzug am Pool des Campingplatzes. "Ich habe die Kommentare dann gelöscht, da sie mich echt verletzt haben, außerdem waren sie mir auch sehr peinlich“, so die Schülerin. "Ich habe mein Profil auf ‚privat‘ umgestellt, so dass es nur noch für meine Freunde sichtbar war. Aber ein paar meiner Online-Freunde haben einfach weitergemacht. Irgendwann habe ich beleidigende Privatnachrichten bekommen. Natürlich habe ich die Leute sofort aus meiner Freundschaftsliste gelöscht.“ Doch das Cybermobbing geht weiter: "Es hat mich verletzt, und ich war traurig. Als das Ganze nicht aufgehört hat, habe ich oft geweint. Ich war wütend und hatte auf nichts mehr Lust. Am liebsten wäre ich zu Hause geblieben, da mir das alles zu viel wurde. Irgendwann bin ich nicht mehr online gegangen, da ich Angst hatte, wieder beleidigt zu werden.“

Terror im Netz

Beleidigungen und Ausgrenzungen unter Kindern und Jugendlichen im Netz stellen ein großes Problem dar. Cybermobbing ist weder räumlich noch zeitlich begrenzt, Inhalte verbreiten sich extrem schnell und sind nicht kontrollierbar, da sie von Nutzern gespeichert, verändert und an anderer Stelle erneut hochgeladen oder weiter versendet werden können. "Die Hemmschwelle beim Cybermobbing ist niedrig, weil die Täter nicht mit der unmittelbaren Reaktion des Opfers konfrontiert werden und oft versteckt im vermeintlichen Schutz der Anonymität handeln“, erklärt Peter Lorenz, Polizeikommissar im Referat Prävention. Wie beim Mobbing gilt auch beim Cybermobbing: Streit oder mal Stress mit jemandem zu haben, bedeutet nicht gleich, gemobbt zu werden. Von Cybermobbing spricht man, wenn Beschimpfungen und Beleidigungen, gefolgt von Gerüchten und Verleumdungen über einen längeren Zeitraum erfolgen. 

Laut JIM-Jugendstudie 2016 kennt jeder Dritte (34 Prozent) der Zwölf- bis 19-Jährigen jemanden, der im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde, Mädchen (37 Prozent) häufiger als Jungen (31 Prozent). Acht Prozent waren selbst schon einmal von Mobbing betroffen. "Die Zahlen werden noch steigen“, sagt Peter Lorenz, der regelmäßig Aufklärung an Schulen betreibt. "In erster Linie wird WhatsApp genutzt, dann kommt Instagram und an dritter Stelle Snapchat.“ Die Ursache, dass die Täter und Opfer immer jünger werden, sieht der Experte unter anderem darin, dass die Eltern ihren Kindern immer früher sogenannte Notfall-Handys kaufen. "Ein Smartphone mit sechs Jahren ist zu früh“, sagt Lorenz. "Die Kinder sollen erst einmal lernen, im realen Leben zurecht zukommen.“ Motorische Defizite durch übermäßige Mediennutzung seien der Fall. "Bei der Radfahrausbildung sehen wir, dass die Viertklässler zunehmend Schwierigkeiten haben“, erklärt Peter Lorenz.

Motiv Langeweile

Laut einer Studie des "Bündnisses gegen Cybermobbing“ waren 17 Prozent der Schüler bereits Opfer von Cybermobbing. Die Täter stammen dabei mehrheitlich (55 Prozent) aus dem sozialen Umfeld der Schule. Oft sind die Grenzen zwischen Betroffenen und Beteiligten fließend: Mehr als ein Drittel der Schüler, die andere mobben, wurden auch selbst schon gemobbt. "Langeweile“ oder "Spaß“ sind häufige Motive. "Neben Neid und Eifersucht nehmen tendenziell auch Rassismus und Rechtsradikalismus als Ursache zu“, so Peter Lorenz. 

Ein Fünftel der Cybermobbingopfer fühlt sich dauerhaft belastet. Nur jeder Fünfte meldet die Vorfälle den Betreibern der betroffenen Plattformen. Freunde und Eltern werden als wichtigste und wünschenswerteste Hilfe bei Attacken genannt. 50 Prozent der Mobbingopfer wünscht sich mehr Unterstützung der Schulen. "Die seelische Belastung bei Cybermobbing ist höher als beim klassischen Mobbing“, so Peter Lorenz. Warum? "Die ganze Welt kann zugucken, es gibt keine Rückzugsorte. Die Tatsache, dass das Internet nicht vergisst, Inhalte wie peinliche Bilder oder Videos schwer zu löschen sind und ihre Verbreitung nicht kontrollierbar ist, führen dazu, dass die Opfer langfristig mit negativen Emotionen zu kämpfen haben.“ Sie fühlen sich hilflos, sind verärgert, was letztendlich in Depressionen und Schlimmerem enden kann.

Prävention

Auch wenn der Druck unter Gleichaltrigen in vielen Fällen hoch ist: Bevor Kinder und Jugendliche soziale Netzwerke und Smartphones eigenverantwortlich nutzen, sollten sie ausreichend Erfahrungen mit dem Internet gemacht haben. "Es ist wichtig, dass Eltern sich über die Gefahren im Netz informieren, aufmerksam sind und Verhaltensregeln mit ihrem Kind besprechen“, erklärt Lorenz. Die Naivität vieler Erwachsener verwundert den Polizeikommissar. "Ich rate zum Beispiel jedem, kein Foto von seinem Gesicht als Profilbild bei Whats-App zu benutzen“, betont Lorenz. "Mit diesen Bilder kann sehr viel Unfug betrieben werden.“ Eine Alternative, so handhabt es auch Lorenz’ 18-jähriger Sohn: die Aufnahme von einem Tier

 

 

 

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