Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Dunkle Seite des Internets

Übersicht

Besucherrekord, hohe Frauenquote und 500 Stunden Programm: Zum Abschluss der re:publica haben die Organisatoren eine positive Bilanz gezogen. "Wir sind glücklich, vor der ganzen Debatte um Hate Speech oder Fake News das Motto "Love out Loud“ ausgerufen zu haben“, sagte Mitveranstalter Markus Beckedahl. „Damit haben wir den Zeitgeist getroffen.“ Bei den Besucherzahlen wurde mit 8500 bis 9000 Gästen erneut ein Rekord verbucht. 

Politiker nehmen an Diskussion teil

Drei Tage lang debattierten Netzaktivisten, Blogger, Journalisten, Wissenschaftler, Politiker und Künstler in Berlin über Fragen der digitalen Gesellschaft. Gestern stellte sich Innenminister Thomas de Maizière (CDU) einem netzpolitischen Dialog. Er bekräftigte, dass die Bundesregierung in Sicherheitsbelangen nicht auf digitale Hintertüren setze. Am Dienstag traf Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) auf Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens und präsentierte ihre Idee eines persönlichen Erwerbstätigenkontos.

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) rief Gründer auf, stärker mit der etablierten Industrie – die Deutschland auszeichne – zusammenzuarbeiten: "Wir wollen beim Thema Industrie 4.0, wie wir das nennen, also Internet of Things, ganz vorne sein.“ Ob der Auftritt von gleich drei Kabinettsmitgliedern der anstehenden Bundestagswahl geschuldet war, wird sich zeigen. "Ich bin gespannt, wie viele im kommenden Jahr hier sein werden“, sagte Beckedahl. Zu erstaunten Reaktionen bei Twitter führte, dass ausgerechnet der Internetminister Alexander Dobrindt (CSU) nicht den Weg zu re:publica gefunden hatte.

Einen Appell für Pressefreiheit gab es am Montag: Der türkische Journalist Can Dündar berichtete von einer Gruppe Kollegen, die seit 190 Tagen in der Türkei im Gefängnis säßen, weil sie ihrem Beruf nachgegangen sind. Auch Journalisten und Aktivisten aus Ungarn, Ägypten und Polen berichteten von Einschränkungen der Pressefreiheit.

Mehr Menschlichkeit im Netz

Friedensbuchpreisträgerin Carolin Emcke lieferte eine "Reflexion über Liebe und Empathie, on- und offline“ und begeisterte mit Sätzen wie: "Wer dem Hass mit Hass begegnet, hat sich schon verformen lassen.“ Publizistin Miriam Meckel beschäftigte sich mit der Verschmelzung von Mensch und Technik und beschrieb, wie Pillen, Elektroden und Implantate den menschlichen Geist erobern. Und der russische Oppositionelle und ehemalige Schach-Champion Garri Kasparow warnte vor Versuchen Moskaus, nach den US-Wahlen im vergangenen Jahr auch die Bundestagswahl im Herbst zu beeinflussen.

Insgesamt ging es in den fast 500 Stunden Programm um alle Facetten der digitalen Gesellschaft: künstliche Intelligenz, die Macht der Algorithmen und den digitalen Wahlkampf, Big Data und Datenschutz, virtuelle Realität und autonomes Fahren – und immer wieder um Fake News und Hass im Netz.

Beckedahl glaubt, dass die Appelle für mehr Engagement im Netz gegen Hass angekommen sind: "Ich bin ganz froh, dass wir nicht mehr in einer kleinen Blase diskutieren müssen“ – bei der ersten re:publica 2007 diskutierten 700 Blogger.

 

Anzeige

Galerien

Regionale Events

Open-Air-Kino

Open-Air-Kino ab 26. Juli in der Genossenschaftskellerei Heilbronn.