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Mit gutem Gewissen einkaufen

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Immer die neueste Mode im Schrank, und wenn eines der Billigteile nicht mehr gefällt, wird es ausgemustert. Kleidung verkommt zum Wegwerfprodukt. Doch es gibt eine Gegenbewegung. Für ökologische Kleidung interessieren sich vor allem vermehrt Familien mit kleinen Kindern sowie erstmalig auch wieder jüngere Menschen

Strenge Regeln

"Die Zielgruppe war vor zehn bis 15 Jahren noch gar nicht relevant“, sagt Heike Hess, Leiterin des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft. Sie ist heute ein Teil der New-Media-Generation, die alles kritischer konsumiert. "In den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram spricht sich schnell rum, was gut und was weniger gut ist. Dazu gehört auch das T-Shirt aus Bio-Baumwolle“, erklärt Hess.
Im Vergleich zur herkömmlichen Baumwolle schont der ökologische Anbau den Ackerboden.

"Es sind sehr strenge Regeln einzuhalten, die einen Fokus auf Umweltbelange legen“, erklärt Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie. Weder gentechnisch verändertes Saatgut noch synthetisch hergestellte Pflanzenschutzmittel dürfen beim Anbau von Bio-Baumwolle eingesetzt werden. Stattdessen verwenden die Bauern organische und mineralische Dünger.

Fair gehandelt

Der Faser sehe man nicht an, ob sie aus bio- oder konventionellem Anbau stammt, sagt Mazura. Aber die ökologisch produzierte Ressource ist etwas fürs gute Gefühl, findet Hess. Wurde diese zudem fair gehandelt, unterstützt man als Käufer sichere und hygienische Arbeitsbedingungen während der Produktion und weiß, dass die Bauern und Verarbeiter gerecht bezahlt wurden. 

Laut der NGO Textil Exchange wurden 2015 weltweit rund 112 500 Tonnen Bio-Baumwolle produziert, ein im Vergleich zu 26 Millionen Tonnen herkömmlicher Baumwolle verschwindend geringer Marktanteil von weit unter einem Prozent.

Vorreiter

Am Aufbau des Marktes für Öko-Kleidung haben viele kleine Modelabels sowie auch große Textilketten mitgewirkt. Noch ist auch dieser Markt klein, aber ein paar bekannte Namen sind dabei: Zum Beispiel der Modekonzern Hennes & Mauritz (H&M) nutzt seit 2004 Bio-Baumwolle, inzwischen bestehen 43 Prozent des Sortiments aus nachhaltiger Baumwolle – darunter auch recyceltes Material. Und 14,5 Prozent stammen aus kontrolliert biologischem Anbau. Bis 2020 will der Konzern ausschließlich Baumwolle aus nachhaltigen Quellen nutzen.

Bei Otto sollen alle Textilien der Eigen- und Lizenzmarken binnen der nächsten drei Jahre umgestellt werden. Rund 60 Prozent werden aktuell aus nachhaltiger Baumwolle gefertigt. Textilfilialist C&A ist der weltgrößte Abnehmer von Bio-Baumwolle. 2016 verkaufte das Unternehmen 139 Millionen Produkte aus zertifizierter Bio-Baumwolle. Somit bestanden 33 Prozent der C&A-Textilien aus der Naturfaser. Die Zahlen signalisieren den Willen, mehr Bio-Mode zu produzieren – das Angebot aber geht in vielen Läden unter. Neben herkömmlichen Shirts liegen Hemden mit unauffälligem Bio-Etikett. "Nur wenn Bio-Baumwolle auf dem Produkt steht, dann muss die Faser laut EU-Ökoverordnung auch drin sein“, erklärt Hess. Vorsicht sei geboten, wenn auf dem Kleidungsstück Bezeichnungen wie "Öko-Hose“, "Bio-Hemd“ oder "Natur-Shirt aus Baumwolle“ stehen – das garantiere nicht, dass die verwendete Baumwolle aus biologischem Anbau stammt.

Uneinheitlich

Was fehlt, ist ein einheitliches Textilsiegel auf EU-Ebene, das ökologische Kleidungsstücke eindeutig kennzeichnet. Momentan müssen sich Verbraucher an den aussagekräftigsten Siegeln orientieren: Um das Siegel Global Organic Textile Standard (GOTS) zu erhalten, muss das Textil aus mindestens 90 Prozent Naturfasern bestehen und mit umweltfreundlichen Farben behandelt worden sein. Die strengen Auflagen gelten für die gesamte Herstellungskette. 

Die Initiative Trans Fair garantiert mit dem Fairtrade-Siegel, dass die Produkte nicht durch Ausbeutung von Mensch und Umwelt entstanden sind. Der Einsatz von Pestiziden und Düngern ist eingeschränkt, Gentechnik verboten. Seit 2016 gibt es einen Fairtrade-Textilstandard, der die Lieferkette vom Spinnen und Weben über Färben bis zur Konfektionierung abdeckt.

 

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