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Botschafterin mit Zukunft

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Von der Rosenbergbrücke ist es noch immer am wirkungsvollsten zu sehen. Gold! Gold! Gold! ist auf das Transparent am Clubhaus der Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben gedruckt. Daneben die Olympischen Ringe, darunter der Name des erfolgreichsten Mitglieds: Carina Bär.

Goldmedaille

Olympiasiegerin mit dem Doppelvierer in Rio de Janeiro. Vor einem Jahr jubelt die Medizinstudentin aus Bad Rappenau-Babstadt mit Annekatrin Thiele, Julia Lier und Schlagfrau Lisa Schmidla in der Lagoa Rodrigo de Freitas. Mit einem Tag Verspätung, weil das Finale in Rio wegen zu starker Winde verschoben wird, gibt es das Beste zum Abschluss: die Goldmedaille. Die erste für die Region. Carina Bär wird in der Heimat zur gefeierten Sport-Botschafterin. Empfänge, Ehrungen, Eintragungen in Goldene Bücher. "Wenn ich über das Rennen nachdenke, finde ich es immer noch unglaublich“, sagt Carina Bär. Nur: Sie denkt gar nicht so oft daran. 

Rücktritt

Gemischte Gefühle. "Auf der einen Seite denke ich, dass es nun schon ein Jahr her ist“, sagt Carina Bär. "Wenn ich andererseits überlege, was in der Zeit alles passiert ist, fühlt es sich länger an als ein Jahr.“ Zeit, Schluss zu machen, um die Zukunft zu planen. Nach einer intensiven Dekade mit der Ruderei treibt die 27-Jährige ihren beruflichen Karriereweg voran – wissend, dass die Leistungssportreform weitere Einschnitte von ihr fordern würde. Noch bis Ende September dauert das dritte Tertial ihres Praktischen Jahres (PJ), die angehende Ärztin absolviert es in der Uniklinik Bochum-Langendreer, Abteilung Innere Medizin. Mitte November folgt das dritte Staatsexamen.

Es gibt viel zu tun. Die Blutabnahme-Schwester ist im Urlaub. Ein Fall für die Mediziner im PJ. Der Umgang mit den Patienten macht Spaß. Und Routine hilft. "Mittlerweile habe ich mich ganz gut daran gewöhnt, wie es ist, wenn man arbeitet und jeden Tag antreten muss.“ Es klingt komisch, wenn eine strukturierte und disziplinierte Frau wie Carina Bär so etwas sagt. Zeitig aufstehen ist für sie selbstverständlich. Nicht nur, weil auf dem elterlichen Hof in Babstadt seit Kindertagen früh morgens die Kühe gemolken werden.

"Ich habe wenig Sorge, dass ich keine Arbeit finde“, meint Carina Bär, "in vielen Kliniken sagen sie nicht, sie können erst in einem halben Jahr anfangen, sondern wieso haben sie nicht schon vor vier Wochen angefangen?“

Abtrainieren

Ihren Sport vermisst die Freundin von Achter-Olympiasieger Florian Mennigen schon ein bisschen. "Ins Trainingslager fahren würde ich zur Abwechslung schon wieder gerne“, sagt Carina Bär und lacht. Sie spürt, wie gerne sie sich bewegt – aber auch, wie schwierig es ist, regelmäßig die Zeit dafür zu finden. Was vorher elementarer Bestandteil des Tagesablaufes ist, will nun fix geplant sein. Das Ziel: täglich eine Stunde Sport. "Sonst habe ich zu wenig Tonus, und das fühlt sich irgendwie blöd an“, meint Carina Bär.

In sportmedizinischen Lehrbüchern steht, die Hälfte der Trainingsjahre und die Hälfte der Zeit brauche man zum Abtrainieren. Das wären bei Bär fünfeinhalb Jahre zehn Stunden die Woche. "Das wird schon eng“, sagt das Ruder-Ass. Immerhin fährt sie die zwölf Kilometer von ihrer Dortmunder Wohnung mit dem Rad in die Klinik. Mehr als eine halbe Stunde Bewegung in den Alltag integriert ist schon mal gut. Und spart Zeit, weil die nervige Suche nach einem Parkplatz entfällt. 

Engagement

Carina Bär nimmt sich auch Zeit für schöne Dinge. Auf einer Hochzeit darf es auch mal spät werden, nicht zu vergessen ihr soziales Engagement. Gold ist nachhaltiger als Silber. Carina Bär macht beim Vulpius-Lauf mit, ist beim Lauf zum Leben in Neckarsulm dabei, Schirmherrin für den Förderverein Behindertensport Heilbronner Land und Botschafterin der Familienherberge Lebensweg. "Die Veranstaltungen sind inzwischen weniger geworden, aber es ist trotzdem noch immer ein Unterschied“, sagt Carina Bär, "nach London war komplett Ruhe.“ Olympiasiegerin ist eine sportive Lebensleistung.

Kontakt

Der Kontakt zu den Kolleginnen ist nicht abgebrochen, wenngleich der Doppelvierer komplett umbesetzt ist. Charlotte Reinhardt sitzt nun auf Bärs Platz. "Charly hat sich leider verletzt, weil sie sich nicht genug aufgewärmt hat, versucht aber zur WM wieder ins Boot zu kommen“, sagt ihre Vorgängerin. Dann sind da noch die anderen Drei aus ihrer Crew. Hier mal eine Whatsapp an Annekatrin Thiele, die im Einer fährt, dort eine Nachricht an Lisa Schmidla, die eine Ausbildung zur Mechatronikerin begonnen hat und seit dem Rücktritt wieder mit ihrem geliebten Motorrad fährt. Mit Julia Lier plant Carina Bär einen Ausflug. Wandern in der Sächsischen Schweiz.

 

 

 

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