Zukunftssuche auf der Theaterbühne

Sie haben eines gemeinsam: Trotz eines Hauptschulabschlusses fanden sie keine Ausbildungsstelle und sind im Berufseinstiegsjahr (BEJ) an der Heilbronner Christiane-Herzog-Schule. 23 Schüler bringen ihre Geschichten nun auf die Bühne – Bewerbung mal anders. "Suche Zukunft" heißt das Projekt, das die Schule zusammen mit dem Heilbronner Stadttheater auf die Beine stellt. Die künstlerische Umsetzung hat Union Universal in Händen, ein Berliner Künstler-Kollektiv.


Unterstützung für die Zukunft gibt es auch beim Projekt "Zündung"!


Ein Hilferuf an die Kunst

"Suche Zukunft, das war unsere Motivation", erzählt Klassenlehrerin Adelinde Sailer, weshalb die Schule auf das Heilbronner Theater zuging. "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Situationen ist es schwer, die Jugendlichen in einem Jahr weiterzuvermitteln", erklärt Sailer. "Wir suchen aber immer nach neuen Wegen. Das Projekt ist ein Hilferuf an die Kunst, uns dabei zu unterstützen." Ziel sei es, die Jugendlichen zu motivieren, Defizite und Ängste abzubauen und sie dann an eine weiterführende Schule zu vermitteln. Oder ihnen eine berufliche Perspektive bieten zu können.


Auseinandersetzung

"Als Theater müssen wir uns mit den brennenden Themen auseinandersetzen", erklärt Theaterintendant Axel Vornam seine Intention, sich an dem Projekt zu beteiligen. "Wir wollen damit einen Stein ins Wasser werfen, der hoffentlich hohe Wellen schlägt." Rund 20 000 Euro kostet das Projekt, welches das Theater aus seinem Budget und mithilfe des Theatervereins finanziert. Axel Vornam ist überzeugt: "Wir können Impulse setzen. In der Stadt und bei den Jugendlichen. Sie fangen an, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen."


Eine einmalige Sache

Raphael Aykut erfuhr von seiner Lehrerin von "Suche Zukunft". "Ich wollte sofort rein", erzählt der 16-Jährige aus Neuenstadt. "Das ist eine einmalige Sache." Und "Schule ist nicht so toll wie Theater", ergänzt er mit einem Grinsen. Sechs Wochen tauschen die Schüler Schulbank gegen Theaterbühne.


Auf Spurensuche

Aus rund 150 BEJlern hat das Union-Universal-Team um Regisseurin Maria Magdalena Ludewig die Jugendlichen für die Theaterklasse ausgewählt. Mit jedem führten sie Interviews. "Wir haben Frust, Enttäuschung, Scham erfahren und uns auf Spurensuche begeben, wo das herkommt", beschreibt Ludewig.

Aus diesen Interviews entsteht die Geschichte für die Bühne. Es gibt keinen vorgefertigten Text, die Jugendlichen entscheiden, was das Publikum zu sehen bekommt. Jeder hat seinen eigenen Auftritt, den er nutzen kann, seine Stärken zu zeigen, sich zu empfehlen – und auf die Problematik aufmerksam zu machen, dass junge Menschen keinen Platz in der Gesellschaft finden.


Keine Pädagogen

Ludewig betont: "Wir sind keine Pädagogen sondern Künstler." Auch wenn die Regisseurin in erster Linie eine "interessante Auseinandersetzung zwischen Künstlern und Zuschauern" anstrebt, weiß sie: "Den Jugendlichen fehlt oft einfach der Ansprechpartner." Locker aber bestimmt gibt sie Anweisungen. Die Nachwuchskünstler folgen. "Es funktioniert gerade deshalb, weil wir nicht helfen wollen", erklärt Ludewig. Auch bei kleinen Dingen wie Pünktlichkeit.


Erfolge

"Ich bin selbstbewusster geworden", sagt Kübra Özdemir schon nach den ersten Proben. Die 16-Jährige aus Heilbronn-Frankenbach hofft, dass sie mithilfe des Projekts einen Ausbildungsplatz findet. Als Kostümschneiderin am liebsten. Oder als Raumausstatterin. "Ich werde viel offener", stellt Raphael Aykut fest. "Wenn es ein Problem gibt, dann spreche ich es an. Und ich rede wieder mehr mit meiner Mutter. Das ist gut." Auch er hat einen Plan: "Ich möchte die Schule weitermachen." Denn für seinen Wunschberuf Sportassistent, braucht der 16-Jährige die Mittlere Reife.


Premiere und Diskussion

Am Mittwoch, 24. März, ist um 20 Uhr Premiere von "Suche Zukunft" im Heilbronner Komödienhaus. Drei Tage später, am 27. März, gibt es eine Vorstellung um 19 Uhr mit anschließender Podiumsdiskussion. Werner Tewes, Wirtschaftsredakteur der Heilbronner Stimme, wird die Diskussion mit Vertretern aus Wirtschaft und Schule moderieren.


Mehr Infos zum Projekt gibt's [hier].




Autor: nia Datum: 03.03.2010
Sicher dir jetzt die neue Ausgabe des Stimmt!-Magazins


Kommentar schreiben

Betreff:
Kommentar:
Sie dürfen nur 1000 Zeichen als Text schreiben

Hier einloggenNoch nicht registriert?
Benutzername  
Passwort