
Schule geht in die Offensive
Spannung steigt
"Es ist eine Riesenvorteil, dass wir nun inhaltlich in den freien Wettbewerb gehen können", betont Thomaier. Er stellte am Montag Details des Profils vor, mit dem Gemmingen künftig auch um Schüler aus Eppingen und Ittlingen wirbt. Dies ist möglich, weil der Eppinger Schulbezirk aufgehoben ist und Gemmingen dadurch zur Wahlschule wird. Als solche muss sie sich auf dem Markt behaupten.Erster wichtiger Werbeauftritt ist hier der Tag der offenen Tür am Freitag, 12. März. Wie das Produkt Wolf-von-Gemmingen-Schule bei der Kundschaft ankommt, zeigt sich dann am 24. und 25. März, wenn landesweit die Anmeldungen eingehen.
Berufsorientierte Ganztagsschule
An "Alleinstellungsmerkmalen", um gegen die Konkurrenz zu bestehen, fehle es jedenfalls nicht, bleibt Thomaier im Marketing-Jargon. Die Einrichtung – formal eine Hauptschule, der aber dieselben Inhalte vorgegeben sind wie den Werkrealschulen – segelt künftig unter der Flagge einer "berufsorientierten Ganztagsschule". Das Gros der Schüler soll nach Klasse 9 gut vorbereitet in die Berufsfachschule oder andere weiterführende Einrichtungen wechseln und die Mittlere Reife anpeilen.Praxisorientiertes Lernen
Ein Kernpunkt sind die Schülerfirmen, in denen die Jugendlichen frühzeitig Kenntnisse erwerben, die sie in der Berufswelt brauchen. Angebote der Eltern, der in Gemmingen sehr aktiven ehrenamtlichen Jugendbegleiter und der kooperierenden Berufsschulen flankieren dabei den Unterricht.In Form eines Projekts macht die Berufsschule die Jungunternehmer beispielsweise fit in Sachen Gastro-Hygiene. Eltern geben Einblick in ihren Job, Faktenwissen wie Methoden der Preiskalkulation liefert der Mathematiklehrer. Letztlich führen die Schüler über Jahre bis Klasse 9 ihr Catering-Unternehmen, das seine Produkte etwa bei schulinternen Veranstaltungen oder bei Empfängen im Rathaus an den Kunden bringt.
Mitarbeit in Firmen
"Wir wollen nicht professionellen Anbietern das Wasser abgraben", betont Thomaier. Ob sie lieber im Gastrogewerbe, als Dienstleister oder in der Spielwarenproduktion tätig sind, entscheiden die Schüler selbst. Die Mitarbeit in den Firmen, die vor allem nachmittags stattfinden wird, ist aber verpflichtend. Das Unternehmenstraining soll zu einem großen Teil von Lehrern umgesetzt werden, Eltern, andere Ehrenamtliche und die Schulsozialarbeit sind eine wichtige Säule.Jeder zählt
Ein weiteres Pfund, mit dem Gemmingen wuchern will, ist die überschaubare Struktur einer Schule, die sich fest im Dorf verwurzelt sieht. "Jeder zählt", bringt es der Rektor auf den Punkt. Erste Rückmeldungen der Eltern stimmen ihn zuversichtlich: "Allein mit Gemminger und Stebbacher Schülern liegen wir sehr stabil im einzügigen Bereich." Familien von außerhalb hätten ebenfalls schon Interesse signalisiert. Der Unterricht beginnt künftig erst um 8 Uhr. Das passt besser zu den Fahrplänen der Busse und Bahnen und trägt dem größeren Einzugsbereich Rechnung.Faust in der Tasche
Im Rathaus ist der Optimismus ungebrochen. Der Fortbestand der Schule stehe "in keinster Weise" infrage, gibt Bürgermeister Timo Wolf Rückendeckung. Vom Land zeigt sich die Kommune zwar enttäuscht, nachdem auch die schriftliche Absage für die Werkrealschule ins Haus geflattert ist. "Die Faust in der Tasche bleibt", so Wolf. Die Schule sei aber stark genug, um ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.Info
Zum Tag der offenen Tür lädt die Schule am Freitag, 12. März, von 14 bis 19 Uhr.[Mehr Infos zur Schule]
Autor: ah Datum: 09.03.2010
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