Vorübergehend geöffnet

Das neue Modewort im Heilbronner Einzelhandel heißt "vorübergehend". Noch nie hatten in der Innenstadt so viele Geschäfte nur übergangsweise geöffnet wie zurzeit. Sie nennen sich Lagerverkauf oder Outlet, führen Hochwertiges oder Restbestände, zeigen sich manchmal stilvoll und häufiger hässlich, haben aber eines gemeinsam: Sie schließen eine Lücke, wo sonst ein Leerstand wäre.

Sonderverkauf

Ihren Outlet-Verkauf im früheren Café Noller verteidigt Modehändlerin Evelyne Vock mit Nachdruck. Das Argument, sich selbst die Kundschaft wegzunehmen, sieht sie nicht gegeben: "Dadurch kommen Kundinnen, die ich sonst nicht erreichen würde." Ihr reguläres Geschäft liegt wenige Meter entfernt in der Kirchbrunnenstraße 19. Die Ware für ihre Sonderverkaufsstelle stammt aus Vocks regulären Beständen.

Für rund ein halbes Jahr will die Geschäftsfrau das Outlet betreiben. "Der Umbau verzögert sich, deshalb ist man auf mich zugekommen." Neue Eigentümerin der Immobilie ist die Evangelische Kirche, das Gebäude soll zu einem City-Pfarramt mit Kirchenladen werden.

Begehrte Fußgängerzone

Weil "die Fleiner Straße ein ganz besonderes Pflaster ist", hat Jutta Strack die Gelegenheit genutzt, im Gebäude Nummer 25 das "Schuh-Outlet Meyer" einzurichten. Bis Ende März wird in diesem "wertigen Lagerverkauf", wie sie betont, Ware aus den Lagern des Kirchhausener Traditions-Schuhhauses Meyer und von Schuh-Siller angeboten. Von Juli 2009 bis Januar hatte die Buchhandlung Osiander dort eine vorübergehende Zweitniederlassung.

Den ehemaligen Kachel an der Kaiserstraße nutzt Gisela Edeling, Inhaberin des Talheimer Modegeschäfts "Modissimo", nun nach August 2009 schon zum zweiten Mal. Gemeinsam mit einer Kollegin, die den Modetreff Bönnigheim führt, bietet sie hier "Markenware, keine zweite Wahl" an, darauf legt sie Wert. Designermode der letzten Saison, "für die uns hier auf dem Land die Laufkundschaft fehlt".

Hochwertige Bestände

Ebenfalls hochwertige Lagerbestände ausgelagert hat die Boutique Momo. Keine Minute zu Fuß ist es vom Haupthaus an der Kaiserstraße zu dem kleinen Laden in der Schulgasse, um den sich die Inhaberinnen Gudrun Blume und Christine Wahl bemüht haben. Ursprünglich bis 13. März geplant, haben sie inzwischen um zwei Wochen verlängert.

Auf Dauer angelegt ist das Streetwear-Outlet von Burnside, das seit März die Kundschaft des Erstgeschäftes von der Sülmer Straße auch in die Schulgasse ziehen soll.

Einziger Outlet-Betreiber von auswärts ist Roman Degenhardt. Bis Ende August nutzt er die Restlaufzeit des Mietvertrags von Drogeriemarkt Müller, um in der verlassenen Niederlassung in der Sülmer Straße aufgekaufte Schuhware aus Geschäftsschließungen anzubieten. Das macht er mit seinem in Hessen ansässigen Unternehmen auch in anderen Städten: "Wir nehmen gern solche Überbrückungszeiträume."




Autor: ff/kis Datum: 09.03.2010

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