
Aus der Tragödie lernen
Mehr als 100 Maßnahmen fordert ein Landtags-Sonderausschuss pünktlich zum Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden, unter anderem Anti-Gewalt-Programme, Schulpsychologen und Beratungslehrer. Doch längst wurden in den Schulen der Region Konsequenzen gezogen – mit verschiedenen Ansätzen:"Unser Präventionskonzept hat sich bewährt", erklärt Andreas Meyer, stellvertretender Schulleiter des Heilbronner Mönchsee-Gymnasiums. "Ein offener, vertrauensvoller Umgang mit den Schülern ist wichtig." Streitschlichter, Verbindungs- und Beratungslehrer sollen ein positives Klima an der Schule garantieren. Bauliche Maßnahmen sind bisher nicht verwirklicht. "Die Vorschläge kommen von der Stadt. Keine Schule kann das im Alleingang machen", erläutert Meyer.
Umbauten
Bei der Stadt Heilbronn wartet auf die Empfehlungen des Landes. Pressesprecher Christian Britzke: "Im vergangenen Jahr haben wir dafür gesorgt, dass in allen Schulen die Klassenzimmertüren von innen abschließbar sind. Es werden sicher noch weitere Dinge angegangen werden. Es bleibt die Frage, wer das bezahlt."Am Eppinger Schulzentrum gab es schon eine technische Veränderung, erklärt Rektor Günther Weigel: "Wir haben für 40 000 Euro eine Anlage mit Amokalarm bekommen. Die Rufanlage hätte ohnehin erneuert werden sollen."
Unfreie Schule
Auch im Bildungszentrum Weinsberg wurde die Alarmanlage verbessert. Nun gibt es ein gemeinsames System für alle Schularten – jeder kann jeden alarmieren. "Im Gegensatz dazu finde ich Knäufe an den Türen nicht sinnvoll", erklärt Hans-Jürgen Maciejewski, Leiter des Justinus-Kerner-Gymnasiums. "Und ich bin gegen eine Videoüberwachung. Das macht die Schule unfrei."Im Landratsamt Heilbronn wird ebenfalls über die Sicherheit an den Schulen des Landkreises diskutiert. Gerhard Dankel vom Schul- und Kulturamt erklärt: "Es soll für alle unsere Berufs- und Sonderschulen eine Telefonverbindung geben, die auch dann funktioniert, wenn die Handynetze zusammenbrechen."
Eine dieser Schulen ist die Neckarsulmer Christian-Schmidt-Schule. Auf Anraten der Polizei gibt es in der Technischen Schule nun an den Türen der Lehrerzimmer Knäufe. Und eine neue Sprechanlage. Schulleiter Karl-Heinz Hahn: "Man kann vorgefertigte Texte ablaufen lassen. Wer weiß, ob man sich im Ernstfall strukturiert ausdrücken kann." Zudem sollen Infoschilder in den Klassenzimmern beim Absetzen eines Notrufs helfen.
Amoksituationen geübt
"Die Schule ist ein offenes System und das wird sie auch bleiben", ist Dieter Vilimek, Leiter der Wilhelm-Hauff-Realschule in Bad Rappenau, überzeugt. Seine Schule hat ein zusätzliches Alarmsystem eingebaut, eine Amoksituation wurde geübt – Schüler und Lehrer wissen, was zu tun ist. "Das Ganze ist eine Gratwanderung zwischen Sinnvollem und Panikmache", sagt der Rektor. Für Eltern, Lehrer und Schüler gab es Informationsveranstaltungen mit der Polizei. "Für uns alle heißt es: Augen auf! Wir müssen die Signale erkennen", so Vilimek.Nur noch mit Genehmigung
An der Leintal-Realschule in Schwaigern soll es Türknäufe, Panikschlösser und ein Alarmsystem geben. Für den Jahrestag der Tragödie hat die Schule eine Gedenkfeier organisiert, erklärt Rektorin Sybille Brandl. Eine Videoüberwachung fände sie nicht schlecht, aber: "Das ist eine Frage des Geldes".Eine Woche nach dem Winnender Vorfall gab es am Ilsfelder Schulzentrum eine Amok-Drohung. Rektorin Gabriele Leisterer weiß: "Einen totalen Schutz gibt es nicht. Aber schulfremde Leute haben bei uns nur noch mit Genehmigung Zutritt." Laut Leisterer wird es auch bauliche Maßnahmen geben: "Ich sitze in einem Rektorat mit Holzwänden – das ist nicht das sicherste."
Um die Schule sicherer zu machen wurde Neuenstadts Mörike-Gymnasium von der Polizei besichtigt, sagt der stellvertretende Schulleiter Frank Schuhmacher. "Und wir wollen versuchen, Strömungen zu erkennen", erklärt er. "Wir alle sind definitiv sensibilisiert."
[Das meint Kiwi zu den Maßnahmen]
Autor: mih Datum: 11.03.2010

















