Start in die Ausbildung

Das Wichtigste: Der Schlips sitzt, sauber und akkurat gebunden. Auch der Anzug: knitterfrei. Dass Nicolas Sprenger trotzdem nervös auf seinem Stuhl hin und her wackelt, ist dennoch verständlich. Für den 16-jährigen Bretzfelder beginnt der Ernst des Lebens, der Start ins Berufsleben. In diesen Tagen fängt er seine Lehre als Bankkaufmann bei der BW-Bank Heilbronn an. "Natürlich ist man da etwas aufgeregt", sagt Nicolas. "Aber in erster Linie freue ich mich darauf, endlich arbeiten zu dürfen."



Vorbei mit der Schulzeit

Es ist wieder soweit: Anfang September startet die Ausbildung. Für viele jedenfalls. Vorbei ist die Schulzeit. Statt Bücher lesen, Gedichte auswendig lernen oder Mathematikaufgaben lösen, steht nun der Gang ins Büro an, die Arbeit an der Werkbank, das erste Verkaufsgespräch.

Nicht nur für den jungen Nicolas, der sich freilich "schon als Kind für Wirtschaft interessiert" hat und sich deshalb sicher ist, mit der Banklehre den richtigen Weg gewählt zu haben. Mit seinem Krawattenknoten hat er auf jeden Fall bereits gepunktet. Fünf verschiedene Varianten kann der Bretzfelder binden – und damit sage und schreibe vier mehr als sein Ausbildungsleiter.


Allein unter Männern

Gleich an ihrem ersten Arbeitstag ist auch Katrin Storch aufgefallen. Anlagenmechanikerin lernt sie. Das heißt: Sie schraubt an Heizungen, und Sanitäranlagen, repariert und installiert. Beim Heilbronner Unternehmen Kachel ist die 19-Jährige in diesem Beruf ganz allein unter Männern. Für ihre Kollegen ist sie deshalb nur "das Mädchen", erzählt die zierliche Massenbachhausenerin – und ergänzt: "Aber das ist wirklich nett gemeint." Überhaupt fühlt sie sich wohl, nach der Schule nun "endlich mit anpacken" zu können.


50 Sorten

Freundlich sein, mit Kunden plaudern, trotz Stress nie die Nerven verlieren: Özge Bedia Otatan weiß, was von ihr ab jetzt erwartet wird. "Als Bäckereifachverkäuferin muss man gut mit Menschen umgehen können", sagt die 18-Jährige aus Neckarsulm. Was sie nicht wusste: dass die Stammkunden in ihrem Betrieb, der Bäckerei Härdtner, mit Namen angesprochen werden.

Da gibt es eine Menge zum Auswendiglernen: "Aber das kriege ich hin", ist Özge überzeugt. Genauso wie sie die knapp 50 verschiedenen Sorten Brot irgendwann unterscheiden können wird, die im Angebot sind. Eine Masse, die sie am ersten Tag noch schlicht "erschlagen" hat.

Doch: "Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man das auch", glaubt Natascha Beer (15), die als Konditorin im selben Betrieb wie Özge ihre Lehre begonnen hat.

Neugierig auf das, was auf sie zukommt, sind Veronika Zych (22) und Laura Dogan (17). Beim Heilbronner Stanzformspezialisten Marbach lernen beide Industriekauffrau. Gerade zu Beginn prasseln da viele neue Sachen auf sie ein. "Sehr interessant", findet Veronika. "Man muss bereit sein für Neues."


Begeistert

Michael Rechkemmer kennt das. Eine Lehre zum Werkzeugmechaniker hat der 22-jährige Obersulmer abgeschlossen. Weil er "begeistert von Chemie" ist, folgt nun eine zweite als Lacklaborant bei Haering in Unterheinriet. In den ersten Tagen gibt es Betriebsführungen, dann erst mischt er Farben zusammen. Rechkemmer freut sich darauf: "Ich bin schon sehr gespannt, was mich alles erwartet."


Ausbildungsmarkt

Wie die Wirtschaft im Allgemeinen befindet sich auch der Ausbildungsmarkt im Speziellen auf Erholungskurs: Die Anzahl neu abgeschlossener Lehrverträge ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: Bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken waren es bis Ende Juli 967 (plus 2,3 Prozent), bei der IHK 3570 (plus 2,6 Prozent).

Allerdings: Die Agentur für Arbeit meldete jetzt bezogen auf den Stadt- und Landkreis Heilbronn 3189 Bewerber bei lediglich 2972 Ausbildungsstellen.




Autor: wet Datum: 03.09.2010
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