Warten auf Hilfe

Das Krachen war bis zum Spielfeldrand zu hören. Als Tobias Lang (21) beim Fußballspiel SC Oberes Zabergäu gegen FC Kirchhausen am Sonntag bei einem Zweikampf zu Boden ging, war allen schnell klar: Der junge Mittelfeldspieler des FCK hat sich etwas gebrochen.

Rasch alarmierten Betreuer den Rettungsdienst. Ein Sanitäter am Spielfeldrand riet, den Verletzten nicht vom Platz zu tragen, um ihm weitere Schmerzen zu ersparen.


Kopfschütteln

15 Minuten beträgt die Hilfsfrist, innerhalb der Rettungswagen und Notarzt in 95 Prozent aller Fälle am Unfallort sein sollen. "Das waren bestimmt 30 Minuten", überschlägt FCK-Spielleiter Sebastian Schwab auf Stimme-Anfrage. Das Spiel blieb unterbrochen. Als ein Rettungswagen aus Heilbronn zum Platz in Leonbronn kam, schüttelten viele den Kopf. Gibt es keine Rettungskräfte in der Nähe?

"Es hat schon lange gedauert", sagt auch Tobias Lang, der mit Schmerzen auf dem Rasen lag. Er hat nur gehört, dass andere Rettungswachen Einsätze hatten, erzählt der 21-Jährige, der mit gebrochenem Schien- und Wadenbein im Heilbronner SLK-Klinikum liegt.


Lange Zeit

DRK-Rettungsdienstleiter Lothar Reinhard bestätigt die Verzögerung. "Leider Gottes war dies ein Duplizitätsfall." Sowohl die Wache in Brackenheim als auch in Eppingen hatte zu dieser Zeit einen Notfalleinsatz. Benachbarte Rettungskräfte in Mühlacker und Oberderdingen waren ebenfalls im Einsatz.

Kurzerhand schickte die Leitstelle einen Rettungswagen aus Heilbronn in die Spur. 28 Minuten benötigte die Besatzung, ein Notarzt aus Eppingen war nach 24 Minuten am Unfallort. Eine lange Zeit, das weiß auch Reinhard. Aber in diesem Fall "hatten wir keine andere Möglichkeit".


Ausnahme

Die Leitstelle wusste, dass es ein Beinbruch war und ein Sanitäter vor Ort weilte. Bei einem Herzinfarkt oder einer anderen lebensbedrohlichen Situation könne man in einem Notfall Helfer-vor-Ort-Gruppen zur Erstversorgung alarmieren, erklärt Reinhard. Elf Gruppen gibt es im Stadt- und Landkreis, eine davon in Zaberfeld. Alle Helfer sind ausgebildete Sanitäter.

Die Hilfsfrist war in diesem Fall deutlich überschritten. Es ist die Ausnahme. In den vergangenen Jahren hielt der Rettungsdienst im Stadt- und Landkreis Heilbronn die 15-Minuten-Hilfsfrist immer in mehr als 95 Prozent aller Fälle ein. Im Vorjahr waren es sogar 96,10 Prozent.





Autor: cf Datum: 08.09.2010
Sicher dir jetzt die neue Ausgabe des Stimmt!-Magazins


Kommentar schreiben

Betreff:
Kommentar:
Sie dürfen nur 1000 Zeichen als Text schreiben

Hier einloggenNoch nicht registriert?
Benutzername  
Passwort