Helferin zwischen zwei Welten

Zur Zeit wohnt Annelie Schmitt (20) wieder bei ihrer Familie in Marlach. Sie ist sozusagen auf Heimaturlaub. Doch bald geht es zurück nach Mae Sot, einer Stadt in Thailand, direkt an der burmesischen Grenze gelegen. Annelie lädt ein zu burmesischem Tee und erzählt:

"Es ist mir wichtig, dass die Leute über die Situation in Burma aufgeklärt werden: Seit fast 50 Jahren herrscht dort Bürgerkrieg, ethnische Minderheiten werden vertrieben, auch Burmesen selbst zu Zwangsarbeit verurteilt. In keinem anderen Land gibt es so viele Kindersoldaten."


Angst vor dem Tod

Sie selbst habe sich auch schon überlegt, einmal als Touristin in das Land zu reisen, mit dessen Flüchtlingen sie ein Jahr zusammen war. "Aber man sieht dort nur das, was man sehen darf. Und jegliche Gelder fließen direkt an die SPDC." Die "SPDC", das ist die burmesische Armee, die 1962 an die Macht gekommen ist.

Die weniger als ein Zehntel dessen, was sie für Rüstung ausgibt, in Wohlfahrt und Gesundheit investiert und die überall im Land Spitzel und Spione hat, so dass kaum Nachrichten über Verbrechen nach außen dringen. Viele der verfolgten Minderheiten flüchten aus Angst vor dem Tod ins nahegelegene Thailand, dem Einsatzort von Annelie Schmitt und der Organisation "Helfen ohne Grenzen".


Familie

Selbstverständlich drängt sich schnell die Frage auf, wie sie auf diese exotische Einsatzstelle gestoßen ist. Die Erklärung liegt nahe: Als sie ein Kind war, hat ihre Familie schon zweieinhalb Jahre in Thailand gelebt. Ihr Vater, Thomas Schmitt, hat in dieser Zeit immer wieder Kontakt zu Karen gehabt, einer der verfolgten Volksgruppen.

Später hat er begonnen, sich bei Helfen ohne Grenzen zu engagieren. Für Annelie stand fest, dass sie nach der Schule zunächst ein Jahr ins Ausland gehen möchte.

Aus diesem Wunsch ist ein Jahr Freiwilligendienst als Lehrerin entstanden, zu dem bald noch ein halbes Jahr hinzu kommt. Mit neuen Aufgabenfeldern. Bisher hat sie dreimal die Woche an der "Naung Boh Deng Schule" Flüchtlingskinder unterrichtet. Jetzt wird sie außerdem eine Radiosendung starten mit dem "Mekong Youth Net". Dieses Projekt soll als eine Art Sprachkurs dienen.


Blutspende

Zu den schönen Erlebnisse gehören die Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort, zum Beispiel eine siebenstündige Tour mit dem Bus von Bangkok nach Mae Sot. "Wenn man das alleine geschafft hat, ist man schon ziemlich stolz", strahlt sie. Aber es gab eben auch die schlimmen Augenblicke. Zu diesen gehören zum einen die Begegnung mit einem Jungen, der auf eine Mine getreten war, und für den Annelie selbst Blut gespendet hatte.

Zum anderen die unzähligen Razzien der thailändischen Polizei, wenn die Menschen befürchten mussten, dass ihr Hab und Gut abgebrannt und sie selbst abgeschoben würden. "Für Thailand geht es eben auch nur ums Geld", fügt sie bitter hinzu. Das hält sie aber nicht von ihrem neuen Ziel ab, sondern bestärkt sie darin: Nach einer Ausbildung in Deutschland will sie als Entwicklungshelferin zurück an die Grenze zwischen Thailand und Burma.


Helfen ohne Grenzen

Die Organisation Helfen ohne Grenzen wurde im Jahr 2002 von Benno Rögla in Südtirol in Italien gegründet. Heute gibt es auch eine Außenstelle in Deutschland. Projekte des Vereins sind unter anderem Schulen, Kindergärten, Waisenhäuser, eine Prothesenwerkstatt oder Einkommensbeschaffung für Flüchtlinge im thailändischen Exil.

Alle Gelder fließen zu 100 Prozent in die Arbeit vor Ort. Spenden sind willkommen auf dem Spendenkonto Helfen ohne Grenzen e.V., Konto 4772133 bei der Deutschen Bank Frankfurt, Bankleitzahl 50070024.



Autor: sof Datum: 08.09.2010
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