
Zu Gefängnis verurteilt
Der zweite Angeklagte muss für zwei Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Die 25 und 26 Jahre alten jungen Männer gaben als Motiv für den schwunghaften Handel ihre Drogenabhängigkeit an. Die Geschäfte mit den Tabletten auf dem Schwarzmarkt sollten die Sucht finanzieren.
Reiner Tisch
Richter Thomas Berkner sprach gestern in seiner Urteilsbegründung angesichts des Geschäftsumfangs von einem "Ausnahmefall". Nur weil beide Angeklagte schon früh "reinen Tisch gemacht hatten", blieb ihnen eine höhere Strafe erspart. Allerdings war der Tisch nicht so ganz rein.Denn die Ermittler haben zwar bei Hausdurchsuchungen zehntausende Pillen sichergestellt. Das Untergrundlabor hoben sie aber bis heute nicht aus. Die Fahnder vermuten es im Bad Wimpfener Raum. Mehr ist über die Adresse nicht bekannt. Immerhin laufen noch einige weitere Ermittlungen gegen Personen, die in der Anabolika-Bande mitgemischt haben.
Beeindruckt berichtete Staatsanwalt Hans-Georg Eckert von den professionellen Strukturen des Falls, "der bei uns den Rahmen sprengt". Der Hauptangeklagte ist von Beruf zwar Energieanlagenelektroniker, verdiente aber zeitweise sein Geld ebenso mit einer Table-Dance-Bar in der Heilbronner Innenstadt. Den großen Umsatz brachte aber wohl das Geschäft mit Muskelaufbau-Präparaten, plus der dazugehörigen Potenzmittel. Die zwei Mittelchen wurden stets zusammen im Internet verkauft. Denn, so der Staatsanwalt, "die Wirkung von Anabolika ist Impotenz, zum Ausgleich daher die Potenzmittel".
Scheineinkauf
Die Schwarzhändler und -produzenten stellten ihre Ware mit Zutaten aus China her. Die Präparate trugen sogar einen eigenen Firmennamen: Nordic. Viel Phantasie setzten die Pillendreher auch beim "Viagra" voraus. Das luststeigernde Präparat verkauften sie zwar unter diesem Namen, echt und original war es hingegen nicht. Der ganze Schwindel flog nach umfangreichen Fahndungen des Zolls auf. Eine Beamtin hatte sogar zum Schein bei Nordic eingekauft.Autor: Helmut Buchholz Datum: 29.03.2011
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