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Rollende Streife auf Segways

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Sie prägen seit rund drei Wochen das Bild in Heilbronns Innenstadt, und immer wieder werden sie von Passanten angesprochen. "Sieht aus wie ein römischer Streitwagen, fehlt nur noch das Pferd", ruft ein Fußgänger der neuen Streife auf zwei Rädern des Kommunalen Ordnungsdienstes zu.

Erhaben rollen zwei Stadtmitarbeiter auf batteriebetriebenen Segways durch die Fußgängerzone, in neuer Uniform mit Aufdruck Polizeibehörde, mit Pfefferspray, Schlagstock, Handschellen am Gürtel. Gegen Störer sollen sie einschreiten, für Bürger Ansprechpartner sein.

 

Bis Tempo 20 schnell

Wo sie hinrollen, ernten sie Blicke und Kommentare. "Das ist toll, man fühlt sich sicherer", findet die Ilsfelderin Siglinde Roth (78). Wenn die Polizei da sei, "sind die Leute vorsichtiger", ist Käthe Brixner (72) überzeugt. Auch Isabell Bauer (18) findet die neue Streife gut – weil Heilbronn aus ihrer Sicht "krimineller geworden ist". Während Gastronomin Ulrike Bachmaier die verstärkten Kontrollen positiv sieht, sorgt sich ein Optiker darum, dass es bald immer mehr Segways in der City werden könnten.

Im Vergleich zu früher haben die Ordnungshüter Krauß und Ibele – ihre Vornamen wollen sie wegen des besonderen öffentlichen Jobs nicht nennen – mehr Rechte. Sie dürfen Platzverweise aussprechen, bei Verdacht Personen kontrollieren oder gar durchsuchen, Jugendlichen harten Alkohol oder Zigaretten wegnehmen, im Notfall Pfefferspray oder Handschellen einsetzen. In Schichten sind sie auch abends oder nachts unterwegs. "Die Verantwortung ist größer", sagt Krauß.

Wackelig sieht es nicht aus, wenn sie sich auf den Elektrorollern fortbewegen. Wenn Krauß auf Tempo 20 beschleunigt, holt er schnell Fußgänger ein. Vor kurzem, als eine Vollzugskollegin Stress mit einem Falschparker hatte, fuhren sie nach dem Alarm per Funk rasch zum Ort des Geschehens. Der Mann habe "sofort" die Personalien angegeben.

Um 20 Zentimeter erhöht stehen die Ordnungshüter auf ihrem Gefährt – im Normalfall also über den Passanten. Haben die Leute mehr Respekt? Ibele findet schon. Und hofft, "dass es auch so bleibt". Als sie in die Schwibbogengasse einbiegen, wirft ein Mann in schwarzer Lederjacke eine Zigarette weg. Rasch sind die Segway-Fahrer bei ihm, steigen vom Roller. Ibele schreibt die Personalien auf – 25 Euro wird der Wurf den Mann kosten.

 

Größerer Radius als zu Fuß

Ein großer Vorteil der Zweiräder: Die Streifenfahrer können mehr Punkte als früher ansteuern. Etwa 25 bis 30 Kilometer schaffen sie in einer Schicht – als Fußgänger waren es maximal 15.

"Die Bürger nehmen es sehr positiv auf", fasst Ordnungsamtsleiter Bernd Werner erste Reaktionen zusammen. Mehr als 250 Kontrollen, 15 Platzverweise gegen Bettler oder aggressive Trinker hätten die vier Kollegen in 18 Tagen verhängt, Schulschwänzer ertappt, am Stadtrand wilde Camper entdeckt. Präsenz sei wichtig, ein schnelleres Eingreifen ist für ihn ein Plus. "Wir können nicht immer nur nach der Polizei schielen." Und mit Tempo 20 habe man "schnell jemanden eingeholt".

Und die Unfallgefahr auf den zwei Rädern? Werner verweist auf Schulungen mit einer Spezialfirma. Die Mitarbeiter könnten "im Grunde Treppen rauf- und runterfahren".
 

 

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