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Blutrünstiger Nebenjob

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Bei Annika Strauss fließt Blut. Sie wird gequält, gefoltert und getötet. Die Rhetorikstudentin an der Universität Tübingen ist eine begehrte Horrorfilmdarstellerin. Die Streifen sind oft so brutal, dass sie in Deutschland nur zensiert als DVD gekauft oder im Internet heruntergeladen werden können.
 
Dass Strauss sich in eine tötende Bestie verwandelt, kann man eigentlich gar nicht glauben. Sie ist eine junge Frau von gerade einmal 1,57 Meter Körpergröße. Wer nichts von ihrer Nebentätigkeit weiß, würde nie im Leben darauf kommen, dass die hübsche Schwäbin in brutalen Filmen mitspielt.
 
 
 

Positive Reaktionen

Zuhause am Esszimmertisch im Reutlinger Stadtteil Oferdingen erzählt die 27-Jährige, wie sie zu dem Genre gekommen ist. Nachdem sie für kurze Zeit die Stuttgarter Schauspielschule besuchte, kam sie per Zufall zu ihrem ersten Job. Mit dem in der Horrorfilm-Szene bekannten Regisseur Marcel Walz drehte Strauss im Februar 2009 in Mannheim mit "La petite mort" ihren ersten Streifen. "In dem Film bin ich Dominique, eine der bösen Figuren, die Menschen foltert", sagt sie mit ihrer zarten Stimme. Es war der erste von elf Horror-Schockern, an denen Strauss bisher mitgewirkt hatte. "In sechs Filmen wurde ich ermordet“, erklärt sie.
 
Doch wie reagiert ihr Umfeld auf ihren ungewöhnlichen Nebenjob? "Die Reaktion war positiv", sagt sie. Selbst ihre Eltern, die sich früher nie Horrorfilme angeschaut hätten, seien inzwischen sehr aufgeschlossen. Sie hätten kein Problem mehr damit, dass ihre Tochter in Filmen mitspielt, in denen in Deutschland im Gegensatz zu Ländern wie Spanien oder Österreich die brutalsten Szenen herausgeschnitten werden.
 
 
 

Zwischen Masterarbeit und Filmset

Momentan schreibt Strauss ihre Masterarbeit mit dem Titel "Ästhetik der Grausamkeit". "Ein Horrorfilm ist Kunst, Fiktion, das verstehen viele Leute nicht", sagt sie. Dass Horrorfilme deren Fans zur Gewalt animieren, glaubt sie nicht. "Ich finde es unmöglich, wenn das öffentlich behauptet wird."
 
Die schaurigen Szenen, in denen Strauss schon in Filmen an der Seite von Schauspielern wie Martin Semmelrogge zu sehen war, gehen an ihrem Freund Oliver Maack nicht ganz spurlos vorbei. "Es ist häufig emotional sehr schwierig. Bei manchen Szenen hatte ich auch schon Tränen in den Augen", sagt der 48-Jährige, der sein Geld als Fahrlehrer verdient.
 
 
 

Auf der Leinwand

Zuletzt drehte Strauss an der Seite von Model Gina-Lisa Lohfink und Schauspielerin Katy Karrenbauer, bekannt aus der Fernsehserie "Hinter Gittern – Der Frauenknast", den Streifen "Plastic". "Der kommt am 20. Dezember sogar in die Kinos", erzählt Strauss stolz. "Ich werde solange bei einer Schönheits-OP behandelt, bis ich sterbe."
 
Es sind Filme wie diese, in denen sie immer wieder Rollen annimmt, um ihrem großen Traum von einer Karriere in der Filmbranche näherzukommen. Um das zu erreichen, wolle sie weiterhin in Horrorfilmen mitspielen, bei denen es ihr selbst bei manchen Szenen eiskalt den Rücken herunterlaufe. Der nächste Film, in dem Strauss in einer der Hauptrollen zu sehen ist, wird in Berlin gedreht und heißt "God forsaken". Das 105-seitige Drehbuch hat sie bereits, Drehbeginn ist in fünf Wochen.
 
Viel verdienen kann man in der Branche nicht. Denn außer Spesen und Reisen an Drehorte wie New York springe bei den Low-Budget-Filmen nichts heraus. Bei einer Sache ist Strauss jedoch rigoros. Wenn ein Regisseur von ihr verlangt, zu viel nackte Haut zu zeigen, hat er bei ihr keine Chance. Strauss: "Das lehne ich ab!"
 
 
          
         
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