Abenteuer Thailand

Bei Thailand denken wir sofort an lange, mit Palmen gesäumte Traumstrände, Luxushotels, schöne Thaifrauen (und Ladyboys), scharfes Essen und an den Film Hangover 2, der das südostasiatische Land in "T-HIGH-land" umbenannte. Nach einer Woche Touri-Urlaub mit Kajak-Touren und Sightseeing auf der Insel Phuket besuchte ich meine Familie, die irgendwo in der Provinz im Norden Thailands (bei Chiang Mai) lebt. Fernab der Touri-Hochburgen entdeckte ich das wahre Thailand.

Bunt

Befindet man sich auf einem typisch thailändischen Markt, läuft man Gefahr, durch die schiere Reizüberflutung und den Gestank ohnmächtig zu werden. Neben allerlei getrockneten Gewürzen, Kleidern und bunten Blumen, werden Schildkröten, Schlangen, in Bottichen schwimmende Fische und anderes Getier von schreienden Marktfrauen angepriesen. Fleisch – Rinderzungen, Schweinepfoten und ungerupfte Hühner – liegen stundenlang ungekühlt auf der Verkaufstheke, daneben gibt es frische Papaya, Ananas und lauter leckeres Obst, für das es im Deutschen keine Worte gibt...

Laut

Jeden Morgen ertönt eine unfassbar laute Durchsage, die den Menschen als Weckruf, Nachrichtenvermittlung und (falls das morgens um 6.30 Uhr möglich ist) musikalische Unterhaltung dient. Gepaart mit dem obligatorischen Straßenkötergebell, kann ich selbst mit drei Kissen auf dem Kopf an Schlaf nicht einmal mehr denken.

Unhygienisch

Dass mich nach der Klospülung ein fetter Schwarm roter Killerameisen begrüßt, wundert mich am zweiten Tag kaum noch. Die Toilette mit integrierter Spülung gilt bei Thailändern auf dem Land sowieso als unnötiger, aber schöner Schnickschnack, genauso wie Klopapier. Die Spülung wird in den normalen Haushalten noch per Hand erledigt, indem man dem Geschäft einen Eimer Wasser hinterherkippt. Das Badezimmer ist meistens nass, dunkel und verrostet – überhaupt sind die Wohnungen des durchschnittlichen Thais aus europäischer Sicht mehr schäbige Behausungen aus Beton, Holz und Blech. Abwasser landet, wegen mangelndem Anschluss an Kanalisation (die es in manchen Teilen Thailands nicht einmal gibt), direkt im Nebenfluss oder irgendwo im Erdreich.

Unkompliziert

Zu dritt, ohne Helm und vollbepackt mit wehenden Plastiktüten fahren meine Cousine Ploi, ihre achtjährige Tochter Pan und ich auf Tante’s Schrottmoped ungerührt an der Polizeistation vorbei. Ich kann es mir gerade noch verkneifen den rauchenden, behelmten Polizisten zuzuwinken, als Ploi mir erzählt, sie habe nicht mal einen Führerschein. Organisation, genaue Absprachen und Pünktlichkeit – absolute Fehlanzeige.

TO-GO

Die thailändische Küche (und damit sind nicht die fettigen Nudeln aus dem Asia-Imbiss gemeint) ist bekannt für ihren scharfen, raffiniert leckeren Ruf. In der Regel hält man am Straßenrand kurz bei einer der günstigen Garküchen an und kauft Nudelsuppe, Klebereis, gebratenes Gemüse und Hühnerspieße mit scharfem Dip für die ganze Familie zum Mittagessen.

Feierfreudig

Statt Bierzelte und „Wilde Maus“ auf Volksfesten gibt es in Thailand regelmäßig Dorffeste. Im Dorf meiner Tante, Ko Muang, erlebe ich dieses Mal das „Wurst und Weinfest“. An den Ständen kauft man sich etwas zu essen, breitet eine Bambus-Matte auf der großen Festwiese neben dem Fluss aus, lauscht der dröhnenden Volksmusik und betrachtet mit seiner Familie den obligatorischen Schönheitswettbewerb mit einheimischen Thaimädchen in traditionellen Thaikleidern. Dazu trinkt man Cola mit Eiswürfeln oder den Wein, der eigentlich eine Art alkoholversetztes Süßgetränk aus Maulbeer- oder Erdbeersirup ist.   

 

 

Unausgesprochene Alltagsregeln

Was man in Thailand tun, und was besser lassen sollte.

DO
Die Nase hochziehen beim Essen – Schnäuzen am Tisch ist sowas von unappetitlich.
Ohne Helm und am besten zu viert oder fünft Moped fahren.
Auf dem Fußboden sitzend sein Mittagessen verdrücken.
Beim Einkauf mit dem Verkäufer um den Preis feilschen.
Dich schämen und wegschauen, wenn sich im Fernsehen Mann und Frau küssen.
Schuhe vor jeder Haustür ausziehen und mit dreckigen Füßen barfuß rumlaufen.
Nicht selbst kochen – leckeres Essen am Straßenrand „to go“ kaufen ist schneller und günstiger.
 
DON’T
Dich nach deinem Einkauf bedanken – du hast schließlich bezahlt, wieso noch „Danke“ sagen?
Andere Personen am Kopf anfassen und beim Sitzen auf dem Boden mit den Füßen Richtung ältere Personen zeigen – das ist unhöflich.
Verkehrsregeln beachten und einen Führerschein haben.
Jüngere Personen (mit der typischen Wai-Geste) begrüßen – du bist höhergestellt.
In kurzer Hose oder Spaghetti-Top in Tempel gehen – respektlos!

 
 

Kristina Bachmayer06.02.2013
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