Blick durch die Rauschbrille

Jugendliche sind besser als ihr Ruf, da ist sich Peter Frech sicher. "Sie können nur nicht mit Alkohol umgehen", sagt der Projektleiter des Mitmach-Parcours Klarsicht. Meist sei der Vollrausch ein Unfall – und gerade deshalb sind Informationen wichtig. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung tourt aber "nicht mit erhobenem Zeigefinger" durch das Land, sondern mit fünf Stationen, an denen Schüler sich mit Erfahrungen und Folgen von Alkohol- und Tabakkonsum auseinandersetzen.
 
Vier Jahre haben die Eppinger Schulen auf den Parcours gewartet. Seit 2005 bauen die Verantwortlichen jedes Jahr in 52 Städten ihre Stände auf. 300 Mädchen und Jungen aus Selma-Rosenfeld-Realschule, Hellbergschule und Hartmanni-Gymnasium hatten jetzt Gelegenheit, an der Aktion teilzunehmen. "Wir wollen die Wirkung diskutieren", sagt Peter Frech. Das geschieht beispielsweise verbal in der Talkshow, in der die Jugendlichen 15 Minuten lang über einen fiktiven Fall sprechen oder eigene Probleme zur Sprache bringen können.
 

Rauschbrille

Aber auch aktiv mit der Rauschbrille auf der Nase. "Dadurch sieht man ganz verschwommen", berichtet Theresa Peluso. Die Brille suggeriert die eigene Wahrnehmung mit 1,3 Promille Alkohol im Blut. "Da wird einem ganz schlecht." Die Achtklässlerin der Hellbergschule ist froh, selbst noch keinen Rausch erlebt zu haben: "Das will ich auch nicht."
Die meisten Jugendlichen in der Ausstellung haben jedoch bereits Erfahrungen mit Alkohol gesammelt. Wie viel genau in einem Glas Bier oder Schnaps ist, wissen sie dennoch nicht. Das erläutern die Moderatoren an der Station Trinkbar. Dabei wird deutlich, warum Wodka zusammen im Saft unter Heranwachsenden so beliebt ist: "Man schmeckt den Alkohol nicht", erklärt Peter Frech. Die Wirkung der Droge erreiche erst nach 45 Minuten ihren Höhepunkt. Bis dahin haben manche schon viel zu viel intus.
 
Eine andere Modeerscheinung sei das Shisha-Rauchen. Viele junge Menschen wüssten nicht, dass der Rauch der Wasserpfeife ebenso gefährlich ist wie der Teer aus herkömmlichen Zigaretten. Auch darüber klärt der Parcours auf. Ebenso wie über den irreführenden Einfluss von Werbung. Die Stationen folgen jeweils keinem festen Ablauf, sondern leben vom Input der Schüler: "Die Gespräche gehen in viele Richtungen", sagt der Verantwortliche.
Das Projekt will den Alkohol nicht verteufeln, sondern wirbt für einen verantwortungsvollen Umgang, ohne zum Konsum aufzufordern. Beim Tabak hingegen liege der Fokus auf der Suchtprävention, erklärt Frech. "Wir sollen unsere Haltung überdenken", glaubt Daniel Goltz. Der Gymnasiast lobt die Veranstaltung genauso wie seine Mitschülerin Alisa Kramer: "Die wollen wirklich unsere Meinung hören."
 

Vorträge

Dass Mitmachprojekte besser ankommen als Vorträge hat der Eppinger Jugendkoordinator Andreas Fischer schon oft erlebt. Drei seiner Mitarbeiter sind bei Klarsicht in der Stadthalle im Einsatz. Auch die Polizei ist mit im Boot: „Prävention ist ein wichtiges Thema“, betont Roberto Monaci von der Polizeidirektion Heilbronn. Dem stimmt Kulturamtsleiter Christian Krumpholz zu. "Wir stehen voll dahinter", sagt er stellvertretend für die Stadt. Das Projekt kam auf Initiative des Hartmanni-Gymnasiums in die Fachwerkstadt.
 
 
 

tox07.02.2013
Sicher dir jetzt die neue Ausgabe des Stimmt!-Magazins


Kommentar schreiben

Betreff:
Kommentar:
Sie dürfen nur 1000 Zeichen als Text schreiben

Hier einloggenNoch nicht registriert?
Benutzername  
Passwort