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Musiker aus Leidenschaft

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Fast zerbrechlich wirkt Reinhold Michelis mit dem riesigen schwarzen Kasten vor der Brust. Er senkt den Kopf, schlägt die Augen nieder, und es ist, als ergreife das Instrument Besitz von dem jungen Mann. Die Finger greifen in die Tasten, huschen über Knöpfe. Töne perlen, verdichten sich zum Tango. Und es scheint, werde Reinhold Michelis eins mit den kraftvollen Rhythmen, die den kleinen Probenraum im Gaisbacher Feuerwehrmagazin mit einem Feuerwerk aus Tönen erfüllen.

"Es ist ein tolles, ein vielfältiges Instrument. Egal wie stressig es gerade ist, dabei kann man runter kommen", schwärmt Reinhold Michelis vom Akkordeon.

 

Anspruchsvoll


Seit drei Monaten ist er beim Spiel- und Singkreis (SSK) in Gaisbach angekommen. Als Dirigent und Nachfolger von Ursula Heinrich. Sie hat die Musiker, die in verschiedenen Formationen Akkordeon spielen, fast 40 Jahre geleitet hat und den Verein auf ein hohes spieltechnisches Niveau geführt. "Ich werde das Niveau halten", verspricht der 21-Jährige und ist voll des Lobs über seine Truppe. "Gute Spieler, guter Verein, gut organisiert und sehr anspruchsvoll – ich war baff", fasst er die ersten Eindrücke vom SSK zusammen.

Das erste Konzert haben Orchester und der neue SSK-Leiter bereits hinter sich – ein Erfolg war diese Premiere in Eberstal. "Es gab Standing Ovations, das hab’ ich noch nie erlebt", erzählt er mit einem Lächeln. Aber Reinhold Michelis weiß auch: "Es ist ein Neuanfang. Für die Musiker wie für mich. Denn jeder hat seinen Stil." Seinen Stil, den hat Michelis – so jung er auch ist. Das Akkordeon begleitet ihn seit seinem siebten Lebensjahr. Wohlbedacht hat er es zu seinem Lebensmittelpunkt gemacht. 15 war der Hohenloher aus Wallhausen, als sein Akkordeonlehrer im vorschlug: "Du könntest auch studieren." Michelis genehmigt sich drei Monate Bedenkzeit. Das Akkordeon rührt er in dieser Zeit nicht an – um danach um so begeisterter zu spielen. Die Zeit habe er gebraucht, um sich zu finden, sagt er. Dann geht alles Schlag auf Schlag. Mit 16 beginnt er sein Studium am Hohner-Konservatorium in Trossingen. Vorspiele und Prüfungen wechseln sich ab.

Reinhold Michelis lernt zu dirigieren, zu arrangieren, zu komponieren. Es dauert, bis er seinen Stil findet, aber dann geht es "frisch von der Hand". Mit 19 macht er als jüngster Absolvent seinen Abschluss

 

Riesenzufall


Im heimischen Hohenlohe findet er seine erste Stelle als Musiklehrer – und liest die Anzeige, mit der der Spiel- und Singkreis einen Nachfolger für Ursula Heinrich sucht. "Aber ich hab’ mich schlicht nicht getraut die Bewerbung abzuschicken", verrät er. Einen Tag später ruft der SSK-Vorstand Klaus Hannemann, der von dem jungen Musiker gehört hat, bei ihm an. Ein "Riesenzufall" für Michelis. 2013 lernt er das Ensemble kennen – nach dem Adventskonzert. Man beschnuppert sich, lernt sich kennen, ein Probedirigat führt die Musiker zusammen. Als "sehr angenehm" beschreibt er die gemeinsamen Proben. Musiker, Verein und Dirigent sind sich einig - die Zusammenarbeit kann beginnen. Mittlerweile engagiert sich der junge Dirigent auch für den Vereinsnachwuchs, der noch "etwas schleppend" sei. Aber die Besuche an der Reinhold-Würth-Grundschule lassen hoffen. Einige Schüler sind dort schon ganz heiß auf ihr erstes Akkordeon.


 
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