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Dreharbeiten

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Es ist ein ungewöhnlicher Ort für einen Film zur gegenwärtigen Flüchtlingsdebatte. Und doch war für Florian Erker schnell klar, dass er wichtige Szenen für "Kanaken an Bord" in der Eppinger Raußmühle, diesem archaischen Platz, drehen will. Deren Besitzer Frank Dähling und sein Vater sind alte Freunde. Erker ist in Gemmingen auf der Burg Streichenberg und in Sulzfeld aufgewachsen. Mit einem Kurzfilm will er sich in die Flüchtlingsdebatte einmischen – obwohl oder gerade weil er weiß, dass er damit auf Widerspruch stoßen wird. "Kunst hat die Aufgabe, gesellschaftlich bedeutsam zu sein", betont er. Zusammen mit seinem Team will er Ursachenforschung betreiben. Will wissen, woher sie kommt: die Angst vor dem Fremden.

Provokant

Wie viele Deutsche haben auch Florian Erker und sein Team im Augenblick mehr Fragen als Antworten. "Wir haben uns gleich super verstanden", sagt der Schauspieler und Sprecher Christian Birko-Fleming über den Regisseur und Werbefilmer. Beiden ist das Projekt mit dem provokanten Titel "Kanaken an Bord" eine Herzensangelegenheit, für das sie viel Unterstützung erhalten haben: "Man muss sich äußern", meint Birko-Fleming. "Was aber nicht heißt, dass man auch eine Lösung parat hat: Dazu ist das Thema viel zu komplex." Der Film positioniere sich nicht in einer bestimmten politischen Ecke, sondern versuche, die Risse in unserer Gesellschaft aufzunehmen, sagt er: "Wir wollen zu einer Angstfreiheit ermutigen: Denn Angst ist ein schlechter Ratgeber."

Pünktlich um 10 Uhr sitzt der dezent geschminkte Schauspieler an Frank Dählings hölzernem Küchentisch und spricht mit Florian Erker noch einmal Details durch: Die letzte Szene wird zuerst gedreht. Dann kommen die Kinder dran, die in der Scheune auf ihren Auftritt warten.

In Florian Erkers Film geht es um einen Jungen, der auf einem Bauernhof lebt. Als ein neues Nachbarkind kommt, fühlt er sich bedroht. Es gibt eine Szene, in dem das Bauernkind ein Spielzeug aus Wut kaputt macht und der Neue es nimmt. Aber er nimmt es ihm nicht weg, sondern entwirrt es und gibt es zurück.
Bei allen inhaltlichen Anliegen wollen der Regisseur und der Schauspieler einen kunstvollen, avantgardistischen Film machen.

Der zweite Teil, der in einem Reisebus in Mannheim gedreht wurde, fühlt sich dann an wie eine Geschichte von Franz Kafka: Der Junge, der nun erwachsen ist, weiß nicht, wohin er fährt.Florian Erker arbeitet mit Symbolen und macht es dem Betrachter nicht leicht: Der Bus steht bei ihm für unser Land, die Gestalten, die dem Fahrgast begegnen, für Personen des linken und rechten Spektrums; für, wie Florian Erker sagt, "Gutmenschen, die meinen, wir können alle 60 Millionen Uno-Flüchtlinge aufnehmen und hätten immer noch eine Bevölkerungsdichte wie die Niederlande". Und für "die Wutbürger, die sich im Internet tummeln". 77 Hassmails, manche davon mit Morddrohungen, hat er als Reaktion auf sein Projekt bekommen.

Zugleich ist nahezu alles gespendet, was er für sein 15 000-Euro-Projekt braucht. Das bedeute: "Ich bin nicht der Einzige, der diese Debatte will. Erkers Zielgruppe ist "der Mensch, der denkt". Mit dem ZDF und Arte ist er im Gespräch. Ob der Kurzfilm dort ausgestrahlt wird, klärt sich 2016.

You Tube

Bis Ende Januar soll das Material geschnitten sein. Dann will Florian Erker ihn in einer entschärften und einer blutrünstigeren Version auf You Tube zeigen: "Ich will die Diskussion, sobald der Film draußen ist. Dann darf auch in alle Richtungen geschossen werden."
 

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