Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Oper hinter Gittern

Übersicht

"Ihr könnt den Geist der Freiheit nicht ersticken. Es lebe die Freiheit!" Diese Worte ruft Kostas aus, als ihn die Häscher des Tyrannen Dionysios an den Galgen bringen. Es sind eben diese Worte und die Motive dahinter, die sich bei Katja Fritsche "eingebrannt haben". "Vor allem vor aktuellem Hintergrund". Die Anstaltsleiterin der Jugendjustizvollzugsanstalt Adelsheim ist begeistert von dem, was sie in den letzten beiden Stunden in der Jagsttalhalle in Möckmühl gesehen hat.

Die Schubert-Oper "Die Bürgschaft" nach einem Gedicht von Friedrich Schiller, feierte eine fulminante Premiere, die das Publikum mit minutenlangen stehenden Ovationen würdigte. Sie handelt von der Tyrannei auf der einen und unverbrüchlicher Freundschaft und Treue auf der anderen Seite. Das Thema eigne sich perfekt für die Jugendlichen, die derzeit in Adelsheim einsitzen und die seit einem Jahr proben, um gemeinsam mit dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg, Solisten der Musikhochschule Stuttgart und dem begabten Sangesnachwuchs der Musikschule Möckmühl die Oper im Rahmen des Projekts Apollo 18 – Musiktheater im Jugendknast aufzuführen.

Die Idee dazu stammte von den Künstlerinnen Anna-Sophie Brüning und Paula Fünfeck. Sie sehen Oper als ein geeignetes Instrument, emotional etwas aufzubrechen und so eine Kehrtwendung möglich zu machen. Die Verbindung zur Musikschule Möckmühl entstand durch Bernhard Jäger-Böhm, Professor an der Hochschule in Stuttgart, der sowohl die Musikerin und Dirigentin Brüning als auch die Mezzo-Sopranistin Paula Fünfeck kennt. Regine Böhm, seine Frau und Gesangspädagogin an der Musikschule, sagte auf seine Anfrage sofort zu.

Es sei von Anfang an eine spannende Herausforderunggewesen. Es sei ungewöhnlich, drei Gruppen aus derart unterschiedlichen Welten zusammenzubringen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Manchmal gab es auch Ausfälle, denn einzelne Protagonisten, obwohl begabt und fleißig, waren nicht immer und dauerhaft verfügbar. Einige wurden bereits entlassen, bei anderen auch mal die Bedingungen verschärft.

Da einige Sänger nicht im "offenen Vollzug" sind, wurde die Oper letztendlich auch mit unterschiedlicher Besetzung aufgeführt. Am Freitag feierte die eine, unterstützt von vielen männlichen Stimmen, in der Vollzugsanstalt Premiere. Am Samstag übernahm der Kinderchor diesen Part. Während die einen nämlich nicht hinausdürfen, durften die Kinder nicht hinein. Für die älteren Akteure der Musikschule waren die Proben und die Aufführung hinter Gitter ein Erlebnis.

Talente

Hacer Ticic, Judith Hopfhauer und Carina Kmett waren beeindruckt von "den verborgenen Talenten" und der ungeahnten Disziplin, die sie in diesem Umfeld nicht erwartet hätten. Obwohl sie wegen des Projekts eigentlich keine Herbstferien hatten, habe sich jede Stunde gelohnt. Auch Katja Fritsche bestätigt die positive Erfahrung: "Hier ist die Quadratur des Kreises gelungen. Gegen sämtliche Widrigkeiten wurde die Kunst, die ja keine Grenzen kennt, zusammengeführt mit denen, die sowohl im eigenen Gefängnis leben und zusätzlich noch weggeschlossen sind".

So zeigten die Jungs aus Adelsheim ihr Gesangstalent, verbunden mit schauspielerischem Können. Christopher, Robin und Marco agierten als Solisten, die anderen verausgabten sich als Chor mit den Profi- Stimmen von Simon Stricker, Lisa Böhm und Jongwook Jeon. Paula Fünfeck und Anna-Sophie Brüning stellten das bereits während der Proben in der JVA fest: "Für die einen ist das Beste gerade gut genug. Für die anderen erst recht."

 

Galerien

Regionale Events

Was geht 2016?

Die besten Events im Jahr 2016, für euch zusammengefasst.

TEST: