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Flüchtlinge zu Rettungsschwimmern ausgebildet

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Es regnet. Der Bad Rappenauer Schwimmmeister Mike Schneider trägt statt Badehose Jeans und T-Shirt und im großen Becken drehen nur zwei, drei Stammgäste ihre Runden. Brennt die Sonne und es sind viele Besucher im Bad Rappenauer Freibad, hat Schneider mehr zu tun als an diesem Donnerstag.

Deal

"Zwei Leute braucht es dann allein, wenn wir Wellen machen“, sagt er und ist froh, dass er bei der Badeaufsicht in dieser Saison erstmals von zwei Flüchtlingen unterstützt wird. Die wurden von der DLRG-Ortsgruppe Bad Rappenau zu Rettungsschwimmern ausgebildet und schließen damit eine Lücke, die seit Jahren immer größer wird: den Fachkräftemangel in deutschen Badebetrieben.
 
Gezielt Flüchtlinge als Rettungsschwimmer auszubilden, damit sieht sich Rappsodie-Geschäftführer Timo Künzel in einer Vorreiterrolle. "2500 Fachkräfte fehlen deutschlandweit“, sagt er, "und sie fehlen überall. Und alle suchen.“
 
Als die örtliche DLRG-Gruppe im Rappsodie Schwimmkurse für Flüchtlingskinder anbieten wollte, schlossen Künzel und die Stadtverwaltung einen Handel ab: "Ihr bildet uns Erwachsene als Rettungsschwimmer aus und bekommt dafür das Becken mietfrei zur Verfügung gestellt“, habe er, Künzel, gesagt. Eine Win-Win-Situation für alle. 

Engagement gezeigt

Vier Flüchtlinge erschienen zum Kurs: Zwei haben zwischenzeitlich ihr Silbernes Leistungsabzeichen. "Ich hatte nur beim Tauchen Probleme“, sagt der 19 Jahre alte Syrer Bashir Alewidan. Als 16-Jähriger floh er vor dem Krieg. Schwimmen konnte er damals schon, Alewidan ist sportlich. Seit 18 Monaten lebt er in Deutschland. Wenn Timo Künzel und Mike Schneider miteinander Dialekt sprechen, versteht er nicht alles.
 
Aber er besucht die Vorbereitungsklasse am Justinus-Kerner-Gymnasium in Heilbronn. Sein Ziel ist es, Abitur zu machen: "Es sei denn, ich finde vorher eine Lehrstelle, die mir gefällt.“ Der junge Syrer will es zu etwas bringen: "Ich habe Respekt vor ihm“, sagt Mike Schneider: Solange er Geld verdiene, bekomme er kein Geld mehr vom Staat. "Er hätte sich auch auf die faule Haut legen können.“ Ob Alewidan dauerhaft im Rappsodie arbeitet, ist unsicher. Doch zur Zeit ist er fest angestellt. Die anfänglicher Skepsis einiger Badegäste hat sich gelegt. Aber auch Alewidan und sein Kollege, der aus dem Iran stammt und nicht genannt werden will, haben gelernt, Engagement zu zeigen.

Begeisterung

"Man muss jedem Zeit geben, sich mit der Situation anzufreunden“, sagt Timo Künzel. "Das Leben der Schwimmer zu schützen“, nennt er die Hauptaufgabe der Fachangestellten in Bäderbetrieben; für Ordnung zu sorgen, mögliche Gefahren zu erkennen und zu unterbinden, bevor sie entstehen. "Ich versuche den Kindern zu erklären, dass sie sich verletzen können“, erzählt Bashir Alewidan: "Das funktioniert.“ "Bashir wird nicht bevorzugt und nicht ausgenutzt“, sagt Timo Künzel. Mike Schneider unterstützt den Syrer, beantwortet seine Fragen. "Es macht Spaß, sie um sich zu haben“, sagt er über seine neuen Kollegen.
 
 
 
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