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Brennpunkt Marktplatz unter Kontrolle

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Seit gut zwei Monaten läuft die konzertierte Aktion von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst in der Heilbronner Innenstadt, vor allem auf dem Markt- und Kiliansplatz. Anlass waren etliche Beschwerden über Gruppen junger ausländischer Männer, die negativ auffielen. Es kam zu Beleidigungen, Bedrohungen, Körperverletzungen. Jetzt, rund 1100 Einsatzstunden später, ziehen Polizei und Stadtverwaltung eine positive Zwischenbilanz. "Die Situation hat sich normalisiert“, sagt Heilbronns Ordnungsamtsleiter Bernd Werner. Die Migranten würden sich nun "in aller Regel unauffällig verhalten“, berichtet Polizeisprecher Rainer Köller.

Gezielte Bestrafungen

In den rund acht Wochen zeigen Polizei und Ordnungsdienst – unterstützt von Kräften der Bereitschaftspolizei – viel Präsenz. In dieser Zeit seien über 400 Personen kontrolliert worden, teilt die Polizei mit. Zumeist habe eine mündliche Ermahnung genügt, um Störenfriede zur Räson zu bringen. Uneinsichtige erhielten einen zeitlich befristeten Platzverweis. Die Beamten nahmen auch "einige wenige“ Anzeigen wegen Körperverletzungs-, Beleidigungs- und Drogendelikten auf. Gegen zwei Dauerstörer verhängte das Ordnungsamt ein dreimonatiges Aufenthaltsverbot fürs Zentrum.

Stadtverwaltung und Ordnungshüter wollen den "personal- und zeitintensiven Sondereinsatz“ noch einige Zeit fortsetzen, wie Rainer Köller versichert. Die Aktionen sollen durch ein Bündel weiterer Maßnahmen ergänzt werden, lässt die Verwaltung wissen, um mögliche Konfliktpotenziale erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Gastronomen und Geschäftsleute am Marktplatz loben die Kontrollen. "Durch die Polizeipräsenz geht es nicht mehr so wild zu“, sagt Ratskeller-Pächter Rainer Mosthaf. Ganz weg sei das Problem allerdings nicht. "Die jungen Leute haben halt eine andere Kultur, sind vom Temperament anders gesteuert.“ Mosthaf plädiert dafür, dass die Ordnungshüter weiterhin Präsenz zeigen. "Wenn die Polizei nicht da ist, flammt das Ganze wieder auf.“

Aggressiver Eindruck

Bernd Kleinhans von der Sicherer’schen Apotheke sagt: "Wenn man die Polizei ruft, ist sie jetzt schneller da.“ Die Anzahl der jungen Männer sei weniger geworden. Dennoch habe er weibliche Kunden, die sich nicht mehr zu ihm in die Apotheke trauen. Kleinhans’ Mitarbeiterin Petra Kluge empfindet die jungen Männer als bedrohlich. "Die schubsen sich, fangen an zu streiten.“ Sie würden auch auf der Treppe zum Eingang an der Kiliankirche sitzen und nicht aufstehen, um ältere Personen in die Kirche zu lassen. Aber auch Petra Kluge fühlt sich besser, "seit die Polizei da ist.“

Susanne Sagawe bedient im Vinum. "Die Polizei gibt mehr Sicherheit“, sagt sie. Wenn die jungen Männer abends im Pulk zusammenstehen, sei das schon unheimlich. Gäste des Vinums hätten sich aber noch nicht beschwert.

Café-Liberté-Gastronomin Hülya Wielands Eindruck ist, dass die Probleme abgenommen haben. "Aber die Polizei kann ja nicht 24 Stunden da sein.“ Sie verlasse sich demnach nicht auf die Ordnungshüter. Wenn sie wilden Müll wegräume, spreche sie die Jugendlichen an. Hülya Wieland plädiert dafür, die Außenterrassen nicht schon um 23 Uhr schließen zu müssen. "Eine Stunde länger wäre gut.“ Sie meint, dann würde sich das Publikum auf dem Platz besser mischen.

Busbar und Fußballspielen

Die Lage auf dem Heilbronner Marktplatz war auch Thema im Arbeitskreis "Miteinander in der City“ – an dem sich Polizei, Stadtverwaltung, aber auch Kaufleute beteiligen. Der Arbeitskreis beschloss über die Polizeikontrollen hinaus weitere Maßnahmen, um Konflikte zu vermeiden. Auf dem Platz würden sich junge Menschen treffen, um mit Bahn oder Bus nach Schulschluss nach Hause zu kommen. Nicht immer würde es sich dabei um Flüchtlinge oder Menschen mit Migrationshintergrund handeln. Erkannt wurde aber auch, dass sich auf dem Marktplatz Menschen aus Langeweile und Perspektivlosigkeit aufhalten würden. Deshalb sollen Streetworker einmal die Woche Jugendliche zum Fußballspielen abholen. Auch ist eine regelmäßige Busbar auf dem Marktplatz geplant. Den Jugendlichen sollen dabei alkoholfreie Getränke angeboten werden – als Einstieg in Gespräche und zur Alkoholprävention.

 

 

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