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Bewaffnete Studenten bleiben unbestraft

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Der Anklagevorwurf wog schwer, doch von einem besonders schweren Landfriedensbruch an der Hochschule Heilbronn blieb am Ende nicht mehr viel übrig.

Aufmarsch ohne Folgen

Eine Gruppe junger Männer war zwar im Juli 2015 mit Schlagwerkzeugen wie Baseballschläger, Eisenstange oder einer großen Rohrzange bewaffnet über den Campus und in die Aula gezogen – das bestätigten Zeugen am Mittwochnachmittag vor dem Heilbronner Amtsgericht.

Nur: Eine Gewalttat gab es nicht, weil die Gruppe den Adressaten einer wohl geplanten Attacke nicht fand und rasch wieder abzog, als der Hausmeister die Polizei rief. Die für Landfriedensbruch rechtlich erforderliche Grundlage, dass das Sicherheitsgefühl umstehender Personen deutlich beeinträchtigt sein muss, gab es in dem Fall nicht. Zwei Zeuginnen, die die Gruppe auf dem Campus mit den Schlaggegenständen kurz sahen, sagten beide aus, keine Angst gehabt zu haben. "Uns hätten sie ja nichts getan“, äußerte eine damalige Studentin.

"Es kann nicht sein, dass eine Art Mob mit Waffen durch die Straßen zieht“, sagte Richter Arian Willms zu dem Geschehen. Für Landfriedensbruch hätte es am Ende aber nicht gereicht – auch, weil die Menge von rund zehn Aggressoren aus rechtlicher Sicht kaum ausreiche. Eine andere Straftat sah der Richter nach dem folgenlosen Aufmarsch nicht. Wegen Geringfügigkeit stellte er das Verfahren gegen die vier Angeklagten ein.

Streit im Hörsaal

Ein Sturm im Wasserglas war es dennoch nicht. Als "verwerflich“ bezeichnete die Staatsanwältin das Verhalten der jungen Männer. Zu einer Gewalttat hat offenbar nicht viel gefehlt. Doch nachdem sich zwei Studenten in einem Hörsaal bei einer Präsentation gestritten hatten und der eine gewalttätig geworden war, hatte der Unterlegene offenbar per Handy Verstärkung angefordert. Aus Stuttgart rückten Bekannte an, drei Nicht-Studenten saßen auf der Anklagebank. Der, dem der Aufmarsch galt, sah die Gruppe frühzeitig, floh in den fünften Stock eines Hochschulgebäudes und brachte sich damit außer Reichweite.

Prägnant war auch, dass selbst der Hauptzeuge keinerlei Gesichter der Gruppe beschreiben konnte. Er habe angenommen, dass sie ihm "Schaden zufügen“ wollen und "das Weite gesucht“. Welche Gegenstände einige in Händen hielten, das konnte er nicht genau sagen.

 

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