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Wehrlos gegen den Terror

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Ein sehnsuchtsvoll anmutendes Gitarren-Intro mit elegischer Note erklingt am Freitag zum Anfang der Soirée im einstigen Gebetssaal der ehemaligen Synagoge. Aus dem Hintergrund rezitieren Frauenstimmen Facebook-Einträge mit fremdenfeindlichem und antisemitischem Inhalt, während die Verfasser, dargestellt von fünf Protagonisten, sich hinter einer weißen Maske versteckend, zum Publikum stehen und schweigen. "Jüdischer Widerstand“ lautet das Thema des musikalisch-literarischen Abends, den neun Schüler der Richard-von-Weizsäcker-Schule Öhringen unter der Leitung von Günter Menz anlässlich der vierten jüdischen Erinnerungstage der Sektion Hohenlohe/Franken des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie gestalten. 

Menschenverachtende Parolen

Und gegen das Vergessen zu arbeiten, tut not: Dass es sich bei den menschenverachtenden Parolen, die aus dem Off erklingen, um Äußerungen aus dem Jahr 2017 handele und nicht von 1933, stellt Rezitatorin Sarah Merkle energisch fest. Gab es denn 1933 keinen Widerstand? "Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen.“ Mit den Worten des evangelischen Theologen Martin Niemöller wird das Ausbleiben von Protest beschrieben. Und war dieser für Juden unter der Naziherrschaft überhaupt möglich? Jüdischer Widerstand – das sei eine Ausnahme gewesen. Angesichts des staatlichen Terrors sei das nur unter Einsatz des eigenen Lebens möglich gewesen, konstatiert Sprecherin Merkle. 

Collagenartig gestalten die neun Schüler ihre Darbietung: Mal wird mit Gedichten der Lyrikerinnen Rose Ausländer oder Nelly Sachs die Gefühlslage der von den Nazis Verfemten näher gebracht. Mal mit Prosa die versteckte Bedrohlichkeit des Terrorregimes beschrieben. Wie mit den Erinnerungen des Physikers Ziffel aus Berthold Brechts "Flüchtlingsgesprächen“ an seinen ehemaligen Labordiener. Was tun, wenn einem jegliche Lebengrundlage durch die Repressalien eines diktatorischen Regimes entzogen wird, fragt Merkle. Flüchten lautet eine Antwort.

Negative Folgen

Aus Brechts "Furcht und Elend des Dritten Reiches“ wird die Szene "Die jüdische Frau“ lebendig und bedrückend vorgetragen. Mit der Darstellung der Jüdin Judith, die mit einem Oberarzt verheiratet ist, wechseln sich die weiblichen Akteure ab. Vier Telefongespräche führt sie und packt dazwischen einen Koffer. Nach und nach wird dem Zuhörer klar, dass sie mit der Amsterdam-Reise nicht einen Urlaub, sondern ihre Flucht vorbereitet, um ihren Mann vor negativen Folgen einer "Mischehe“zu schützen. Mit einer Szene aus Carl Zuckmayers Drama "Des Teufels General“ wird anschließend den national-sozialistischen Rassegesetzen durch Fliegergeneral Harras jegliche rationale Grundlage entzogen.

Das Gitarrenspiel von Jörg Oberascher lässt die rund 45 Zuschauer zwischen den aufwühlenden Vorträgen zur Ruhe kommen. Denn auch Auszüge aus Peter Weiss Bühnenstück "Die Ermittlung“, das auf den Gerichtsprotokollen der Frankfurter Auschwitz-Prozesse basiert, sind zu hören. "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem er kroch.“ Die Worte aus dem Epilog von Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg der Arturo Ui“ stehen am Schluss des Abends für sich. 

 

 

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