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Den Ort des Geschehens hat das Polizeipräsidium Heilbronn für seinen Präventionstag nicht willkürlich gewählt: Bad Friedrichshall, wo vergangenes Jahr ein Mädchen von einer Gruppe anderer Mädchen misshandelt wurde. In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, der Bundespolizei sowie der Otto-Klenert-Schule und dem Friedrich-von-Alberti-Gymnasium hat die Landespolizei am Mittwoch Schüler und Passanten zum Thema "Zivilcourage“ sensibilisiert. Mit improvisiertem Theater in der Schule sowie Rollenspielen und Informationsstand am Hauptbahnhof. 

Rollenspiele

"An einer Bushaltestelle an einem regnerischen Tag“, leitet Jörg Pullinger vom Ludwigsburger Theater Q-rage die improvisierte Szene ein, die seine Kollegen Sandra Hehrlein und Daniel Neumann vor Gymnasiasten und Realschülern in der Aula der Otto-Klenert-Schule gleich spielen werden. Ein Mann bedrängt die junge Frau neben ihm. Sein Opfer weiß sich nicht zu helfen. Höchste Zeit, die Szene anzuhalten und mit den Schülern zu diskutieren.

Wie helfen Passanten? Eingreifen? Notruf absetzen? Opfer beschützen? Täter abwehren? Sporadisch gehen Hände hoch. Von allem etwas, so die Quintessenz der Wortmeldungen. Von weitere Passanten einbeziehen bis körperliche Gewalt gegen den Aggressor reichen die Vorschläge an diesem Vormittag. Worauf es ankommt, erklärt der Heilbronner Polizeipräsident Hans Becker. "Öffentlichkeit herstellen, ist wichtig.“ Also rufen. Und weitere Passanten direkt ansprechen und um Mithilfe bitten. Aber immer auch das eigene Risiko im Auge behalten. "Wir wollen keine Helden generieren“, sagt Becker. Und sich nicht scheuen, den Notruf abzusetzen. "Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig“, betont der Polizeipräsident. "Wegschauen, Ignorieren und Weghören gilt nicht“, sagt Bürgermeister Timo Frey. "Denn die Täter werden immer rücksichts- und hemmungsloser.“ Seine Stadt hat die Konsequenzen aus der brutalen Misshandlung des jungen Mädchens im vergangenen Jahr gezogen. "Wir haben ein Netzwerk gebildet, das sich zweimal im Jahr trifft“, sagt Ordnungsamtsleiterin Sabine Herrmann. Dazu gehören Polizei, Jule, Jugendreferat, Schulsozialarbeit und Elternbeiratsvorsitzende.

Zivilcourage am Bahnhof


Inzwischen sind die Neuntklässlerinnen Lydia Scherer und Gina Sasso auf der Theaterbühne. Sie haben im Freibad schon erlebt, was es heißt, Opfer eines aufdringlichen Täters zu sein. "Damals wussten wir uns nicht zu helfen und sind gegangen“, sagt Gina Sasso. Im Rollenspiel auf der Bühne setzen sich die beiden 14-Jährigen gegen die improvisierte Anmache von Schauspieler Daniel Neumann besser zur Wehr. Währenddessen informiert die Polizei an einem Stand am Hauptbahnhof zum Thema Zivilcourage im öffentlichen Raum. In interaktiven Filmen können Passanten erleben, welche Folgen ihre jeweilige Reaktion für die Eskalationsstufen der Handlung hat. "Man denkt ja immer, einem selbst passiert so etwas nie“, sagt Karl Gärtner, der mit seiner Frau Elvira Gärtner auf seinen Anschlusszug wartet. "Viele gehen teilnahmslos am Geschehen vorbei. Auch aus Angst, selbst Opfer zu werden“, so der Gundelsheimer. 

Wie Passanten reagieren, prüfen Mary-Ann Pruschwitz und Uwe Liedl von der Bundespolizei Heilbronn. Sie spielen Streit- und Gewaltszenen am Bahnsteig. Die Reaktionen sind unterschiedlich. "Manchmal passiert nichts“, sagt Uwe Liedl. Andere wiederum mischen sich ein. Wird’s brenzlich, klärt die Bundespolizistin Bianca Castan die Szene auf.

Eingemischt hat sich Hans-Christoph Vetter in seinem Leben schon zweimal. In Bus und Bahn. Einmal gegen mehrere Jugendliche, das andere Mal gegen einen Betrunkenen. Ob er dabei Angst hatte? "Und wie. In dem Moment zittert man am ganzen Körper“, sagt der Heidelberger, der in Bad Friedrichshall gerade auf seinen Zug wartet. Ob er es wieder tun würde? "Schwer zu sagen. Damals hatte mich der Mut gepackt“, sagt Vetter und steigt in den Zug.

 

 

 

 

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