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Integration mit Erfolg

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Was für jemanden ohne körperliche oder geistige Einschränkungen so einfach scheint, müssen sich Menschen mit Behinderungen mühsam erkämpfen. "Selbstständige Lebensführung und Schlüsselqualifikationen bekommen sie bei uns“, sagt die Rektorin der Lauffener Kaywaldschule, Barbara Wittmann

Selbstständigkeit lernen

Fachliche Kenntnisse, aber auch ganz einfache Dinge wie den Fahrplan lesen, telefonieren, mit dem Bus fahren, pünktlich und verlässlich zu sein – das lernen die Schüler hier. Die Schule unterhält dazu sogar eine Trainingswohnung in der Lauffener Mitte, um schrittweise die Selbstständigkeit anzubahnen. All das ist erforderlich, um Schüler direkt auf den Arbeitsmarkt zu vermitteln. Der Weg dahin ist hart. Dennoch gelingt es dem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum, in dem 105 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit geistigen, motorischen und körperlichen Einschränkungen aus dem südlichen und westlichen Landkreis Heilbronn gefördert werden, immer wieder, den Weg zu einer Firma zu ebnen. Und darauf sind Barbara Wittmann und ihre Konrektorin Claudia Bay zu Recht mächtig stolz.

Reelle Chance

Dieser Kurs wird von der Kaywaldschule seit Jahren konsequent verfolgt. Geholfen hat dabei die Teilnahme an einem Forschungsprojekt der Fachhochschule Reutlingen. Die Lehrer haben Strategien erlernt, wie Möglichkeiten und Ziele institutionalisiert und optimiert werden können oder etwa ein Netzwerk aufgebaut wird. Über Letzteres verfügt der technische Lehrer Thomas Wörner (53), der zu einer Vielzahl Betrieben intensiv Kontakt hält.
 
Die Schwere des Behinderungsgrades entscheidet. Die Lebenswerkstätten (früher Beschützende Werkstätten) sind für viele behinderte Menschen eine gute Möglichkeit, im betreuten Umfeld einer Tätigkeit nachzugehen. Schwerst- und Mehrfachbehinderte können nicht arbeiten. Sie werden hier ambulant oder stationär betreut. Alle anderen Abgänger mit leichteren Behinderungen haben eine reelle Chance, einen Arbeitsplatz für Hilfstätigkeiten zu ergattern. Ein wichtiger Schritt in die Selbständigkeit und auch ein Stückchen Freiheit. "Früher hatten wir diese Möglichkeiten nicht“, sagt Thomas Wörner. Potenziale wurden also nicht abgeschöpft. Wörner nutzt für seine Schützlinge jede Chance.

Außenklasse eingerichtet

"Unsere Schüler werden engmaschig begleitet“, bekräftigt Schulleiterin Wittmann. Dabei unterstreicht sie die Kooperation mit der Lauffener Firma Schunk. Das global agierende Unternehmen mit 2800 Mitarbeitern, Weltmarktführer für Spanntechnik und Greifsysteme, ermöglicht der Schule seit 2011 im Ausbildungszentrum eine Außenklasse mit Schülern zwischen 16 und 19 Jahren aus der Berufsschulstufe. Diese kümmern sich auch um die Wertstoffentsorgung im Betrieb. "Die Außenklasse ist ein absoluter Ausnahmefall – deutschlandweit“, lobt Wörner. Von Montag bis Donnerstag wird im Betrieb vormittags unterrichtet, aber auch praktisch am Schraubstock geschafft, gefeilt und gebohrt. So kristalliert sich für Schunk-Ausbilder und Kaywald-Lehrer schnell heraus, wem welche Arbeit liegt, ob ein Praktikum sinnvoll wäre. Mit Erfolg.

Integrationsprojekt

"Die Kooperation ist toll“, sagt Thomas Wörner. Schunk macht’s anderen Firmen in der Region vor, stellt Räume, Arbeitskleidung, sogar das Essen. 35 Mitarbeiter mit Einschränkungen werden bei Schunk mittlerweile beschäftigt. Beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer 2016 in Schwäbisch Hall wurde Henrik A. Schunk, geschäftsführender Gesellschafter, mit dem Preis "Unternehmerisches Herz“ ausgezeichnet. "Menschen mit Handicap gehören bei uns zum Alltag dazu“, sagt Schunk. Das Integrationsprojekt sei ein Beispiel, wie es von anderen Firmen auch gelebt werden könne. Gewinner sind vor allem die Menschen, die an solchen Arbeitsplätzen in Lohn und Brot kommen.

Zwei Arbeiter integriert

Zwei Beispiele, die seit Langem bei Schunk arbeiten. Alexander Gottfried : Der 31-Jährige aus Heilbronn kam 2001 zu Schunk. 2003 wurde er in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. In der Firma bedient er sogar eine eigene Maschine im Wechsel mit einem Kollegen. "Da sind Übergabegespräche erforderlich, gehört Verantwortung dazu“, sagt Wörner. Ausschussware muss er erkennen und gewissenhaft aussortieren. Alexander Gottfried kann das.
 
Daniel Slama : Der 28-Jährige aus Leingarten hat autistische Züge. Kein Problem für das Lauffener Unternehmen Schunk. Slama hat immer sein Notfallmedikament dabei. Die zuständigen Ersthelfer im Betrieb wissen, was zu tun ist. Für Slama haben sich Außenklasse, Praktika und die engagierte Begleitung Wörners ausgezahlt. Seit 2009 hat er einen unbefristeten Vertrag. Er stanzt Artikelnummern in einzelne Teile, schleift diese Stempelung bei Bedarf nach, wie er mit strahlenden Augen seine tägliche Arbeit beschreibt. Es ist ein Vollzeitjob.

Strukturschwäche

Wörner besucht seine Schützlinge regelmäßig, auch nach der Schulzeit. Eine sehr persönliche Sache also. Wörner hat Strukturen geschaffen, ein Netzwerk, das es vorher nicht gab. Dass dies von engagierten Personen abhängig ist und daher von Schule zu Schule naturgemäß unterschiedlich erfolgreich verläuft, hält der Lehrer für eine Strukturschwäche im Bildungssystem. Schüler, die in der Berufsschulstufe herausragen, müssten generell eine Chance bekommen, sich auf dem Arbeitsmarkt zu beweisen. 
 
 
 
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