Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Die Flaschenputzer

Übersicht

Mehr Wirtschaft in die Schule. Die Forderung ist alt. Der neue Bildungsplan verlangt von Schülern aller Schularten Berufsorientierung und Auseinandersetzung mit Wirtschaftsthemen. Doch BWL und Co. waren schon bisher nicht nur Profil und Privileg der Wirtschaftsgymnasien. Auch allgemeinbildende Gymnasien bieten Wirtschaft – vierstündig als Profilfach in Klasse 11. Im Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium sind seit 2012 Juniorfirmen die Krönung des schulischen Wirtschaftslebens

Projekt 

Ein Projekt ist Pflicht. Sie könnten auch eine virtuelle Firma gründen. Doch die Elly-Schüler schmeißen sich in zweifacher Klassenstärke jedes Schuljahr aufs neue in zwei Juniorfirmen, die vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln begleitet werden. Dabei steht Junior für Junge Unternehmen initiieren – organisieren – realisieren. Was das heißt, lernen die Schüler übers Schuljahr hinweg bis zur zweiten Aktionärsversammlung im Juli, bei der je nach dem, wie gut alles gelaufen ist, auch eine Dividende ausgeschüttet wird.

Anfänge 

Einmal in der Woche in der Mittagspause oder alle zwei Wochen freitags, wenn die anderen sich schon ins Wochenende trollen, ist Arbeitszeit. Anfangs geht es um die zündende Geschäftsidee und die Arbeitsverteilung. Posten sind zu vergeben: Vorstand, die Leitung von Produktion, Finanzen, Verwaltung und Marketing. Die Firma muss sich offiziell registrieren lassen.

90 Anteilscheine à zehn Euro müssen unter die Leute gebracht werden, um Startkapital zu gewinnen. Selbstverständlich ist jeder (Projekt-)Mitarbeiter auch Aktionär. Ein Bankkonto muss eröffnet werden. Kurz nach Weihnachten ist die erste Aktionärsversammlung und so ganz allmählich kann dann auch die Produktion beginnen.

Das ist der grobe Rahmen für die Juniorfirma. Die Lehrerinnen Heidrun Günther-Weißbeck und Andrea Bailer wirken in dem ganzen Prozedere nur als "Schulpatinnen“. Die Junior-Unternehmer sind auf sich gestellt. "Ich treffe keine Entscheidung“, sagt Günther-Weißbeck: "Leonora ist die Chefin.“

Ellyght

Leonora Henger leitet die Flaschenfirma Ellyght. In Kooperation mit der SMV organisierten und verkauften die Projektleute 250 ellyblaue Plastikflaschen, die perfekt unter den Wassersprudler in der Schule passen. Zehn sind noch zu haben. Und sie produzieren Dekoflaschen, die im Dunkeln hübsch leuchten. Dafür müssen die Arbeiter für 50 Cent Bruttolohn Flaschen waschen und eine Lichterkette samt Batterie durch den Flaschenhals bugsieren. 50 Arbeitsstunden hat jeder zu leisten. Deshalb rechnet der Finanzchef bei 23 Firmenmitarbeitern mit Fixkosten von 525 Euro. An ihm und zwei, drei Leuten hängt am Ende auch ein großes Stück "Restbürokratie“, wie Sören Bonn (18) aus letztjähriger Erfahrung mit einer Lasergravour-Firma berichtet: die Abschlussbilanz, die – so vorhanden – Gewinnausschüttung, die Erstellung eines Zertifikats für jeden Firmenmitarbeiter. Letzteres hat sich, so berichtet Heidrun Günther-Weißbeck, schon in Bewerbungsgesprächen als ausgesprochen nützlich erweisen. 

Die zweite Firma produziert T-Shirts. Schon die Namensfindung war schwierig, alles, was die Gymnasiasten vorschlugen, war vergeben. So druckten sie schließlich Inf1n1ty auf ihre Hemden: Unendlichkeit mit einer versteckten Elf, elf wie ihre Kursstufe. Fürs Erste haben sie nur 30 T-Shirts produziert. Finanzchefin Nathalie Betz (17) rechnet mit eher geringen Verkaufszahlen: "Wir gehen nicht auf volles Risiko.“

 

 

Anzeige

Galerien

Regionale Events