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Ehrenamtliche dringend gesucht

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Der Sitzungssaal ist so gut wie leer. "Es sind immer die gleichen Gesichter, die auftauchen, wenn es etwas zu tun gibt“, stellt Bürgermeister Torsten Kunkel fest. Nur vier Personen sind zur Infoveranstaltung über die Nachtwanderer-Initiative gekommen. In den Schulen, beim Bäcker, beim Metzger, überall habe die Gemeinde Flyer verteilt. Mit der Aktion möchte sie erwachsene Pfedelbacher als Nachtwanderer gewinnen: Ehrenamtliche, die am Wochenende ab 21 Uhr als Ansprechpartner für Jugendliche im Ort unterwegs sind. 

Gespräche

"Nachtwanderer sind keine Polizei und keine Bürgerwehr“, stellt Günter Reustlen klar, der in Öhringen schon seit neun Jahren in der gleichen Initiative aktiv ist. In kleinen Gruppen, mindestens jedoch zu dritt, streifen die Nachtwanderer durch die Straßen und sprechen Jugendliche an, die in Parks, Parkhäusern oder Tiefgaragen zusammensitzen. "Oft entwickeln sich wertvolle Gespräche. Die Jugendlichen freuen sich, wenn sich jemand für sie interessiert“, erzählt Reustlen. Vor der Bundestagswahl habe er mit den Öhringer Jugendlichen im Hofgarten zum Beispiel viel über Politik gesprochen, immer wieder rede er auch mit jungen Menschen über familiäre oder berufliche Probleme. Schlechte Erfahrungen mache er fast nie: "Wir wollen den Jugendlichen nicht lästig werden. Wenn sie nicht mit uns sprechen wollen, gehen wir weiter.“ Seit Reustlen vor neun Jahren zum ersten Mal als Nachtwanderer in Öhringen unterwegs war, habe der Alkoholmissbrauch spürbar abgenommen. "Insgesamt sind aber nicht mehr so viele draußen unterwegs wie früher“, sagt Reustlen. "Vielleicht liegt das am Internet.“ 

Jugendtreff

Der Pfedelbacher Jugendreferent Martin Jakob kennt trotzdem einige Cliquen, die sich nachts beim Jugendtreff, auf Schulhöfen oder Parkplätzen versammeln. "Man merkt, dass sie sich irgendwo treffen wollen“, sagt er. "Und wir haben ein Problem mit Schmierereien und Graffiti im Ort“, ergänzt Ramona Senghaas von der Gemeindeverwaltung. Obwohl die Nachtwanderer nicht als Sheriffs auftreten, wollen sie einen Beitrag gegen Vermüllung, Sachbeschädigung, Lärm und Alkoholexzesse leisten. "Wir schaffen Vertrauen, Verständnis und ein angenehmes Miteinander“, beschreibt Reustlen seine Arbeit. "Wir waren alle mal jung und bestimmt auch keine Engel.“

Mitmachen

Mindestens zehn Freiwillige bräuchte man für Pfedelbach, schätzt Günter Reustlen. Jugendreferent Jakob kann sich vorstellen, erst einmal klein anzufangen: "Wir müssen ja nicht jedes Wochenende abdecken.“ Ein paar Interessierte gibt es bereits. "Ich kann mir das generell vorstellen“, sagt Zuhörer Klaus Mayer. Willi Krieg hingegen ist noch unentschlossen: "Aber interessant ist es schon.“. Reustlen wird den Pfedelbachern zu Beginn zur Seite stehen und parallel nachts in Öhringen unterwegs sein. "Wenn man älter ist, braucht man nicht mehr so viel Schlaf“, sagt der bald 70-Jährige lachend. 

 

 

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