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Unterschiedliche Wahrnehmungswelten

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Seine Zeugnisse aus dem Iran und Examina als Architekt sind jetzt anerkannt, seit zwei Jahren lebt Arianmehr Morteza in Heilbronn. Und vergleicht die Stadt am Kaspischen Meer mit der Stadt am Neckar. "Das Klima ist wie hier“, sagt der junge Mann aus Bandar Anzali. "30 Grad im Sommer und den Rest des Jahres Regen“. Morteza fühlt sich zu Hause, die Teilnahme am Fotoworkshop trägt dazu bei. 

Welt der Wahrnehmung

Seine Naturaufnahmen, Impressionen im Herbst – "ich mag den Herbst“ – das Wehr in Horkheim, Blätter in Pfützen, kunstvoll verfremdet, sind Teil der Ausstellung "Fremdes, Vertrautes und anderes“, die bis zum 25. Februar im Sheddachsaal der Zigarre zu sehen ist. Morteza ist der Romantiker unter den acht jungen Männern, Geflüchtete aus dem Iran, Irak, Afghanistan und Syrien, Frauen sind keine dabei.

Gemeinsam mit den Initiatoren des Workshops präsentieren sie ihre Fotoarbeiten als anregenden Einblick in eine Welt der Wahrnehmung, die zeigt, worauf schon der Titel der Schau verweist: Fremdes und Vertrautes ähneln einander, was als anders empfunden wird, ist nicht immer eine Frage der Herkunft.

Als Weiterführung ihres ersten Fotoworkshops – im Oktober 2016 nahm die Idee Gestalt an – sind die Fotografen Klaus Schaeffer, Miriam Wilke, Klaus Koppal und Mia-Maria Jäger wieder losgezogen auf Motivsuche: Streifzüge mit den aus ihrer fernen Heimat Geflüchteten durch Heilbronn und Umgebung. Ging es in der ersten Runde darum, persönliche Eindrücke vom neuen Zufluchtsort festzuhalten, sollten nun fotografischer Blick und Qualität geschärft werden.

Neugier

"Der Fokus für unser Schaffen aber liegt weiterhin auf der Neugier aneinander und den daraus resultierenden Impressionen,“ sagt Wilke. Was ist typisch deutsch, was typisch für die arabische Welt? Die gegenseitige Integration läuft nicht immer ohne Probleme, so die Erfahrung nach knapp eineinhalb Jahren, "ist jedoch die Voraussetzung zur gemeinsamen Entwicklung“, haben die vier deutschen Organisatoren festgestellt. Wilke etwa zeigt Porträts der Workshopteilnehmer, denen sie Kunstfiguren entgegenstellt wie den eines Gartenzwergs oder eines Buddhas. Während Karrar Kamil, der in Bagdad tatsächlich als Fotograf gearbeitet hat, die Experimenta fotografiert hat, Passanten, den Neckar im Winter, Götzenturm und gelbe Weihnachtsmänner. 

Mahmoud Daoud aus Damaskus lebt in Flein, wartet auf seine Zulassung zum Medizinstudium und ist der große Handwerker im Workshop. Seine Nahaufnahmen bearbeitet er minutiös. Da ist die Rückenansicht zweier Frauen auf einer Bank, die vom Wartberg aus hinunter auf Heilbronn blicken oder eine skeptische Katze in einem Fensterrahmen in Bad Wimpfen. Daoud hat die Silvesternacht gebannt und einen Fahrradfahrer mit Instrumentenkasten festgehalten. Abid Hashemi aus Afghanistan, noch Schüler und einer der Jüngsten im Team, pflegt einen speziellen Blick für Industrieästhetik. Fast märchenhaft inszeniert Rami Albardour, der in Damaskus Hotelfach studiert hat, seine Ausflüge nach Tübingen. Während der Afghane Rohollah Mosavi seinen Blick auf Heilbronn als Schwarz-Weiß-Foto aus weiter Ferne wirft unter dicht getürmten Wolken. Einige der Fotografien gibt es als Postkarten, die Edition liegt in der Schau im Sheddachsaal auf.

Ausstellungsdauer

Bis 25. Februar, Freitag, Samstag und Sonntag von 17 bis 20 Uhr.

 

 

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