Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Idylle in Rosario

Übersicht

Hola mis amigos, der erste Monat meines Aufenthaltes hier in Buenos Aires ist jetzt schon vorbei und ich kann es ehrlich gesagt nicht fassen, wie schnell die Zeit verflogen ist. Langsam wird mir auch bewusst, wie kurz die Zeit doch ist, die ich hier habe. Deswegen hatte ich mich letzten Sonntag spontan dazu entschlossen, einen Kurztrip nach Rosario zu starten, um meine folgenden drei arbeitsfreien Tage auch wirklich voll und ganz auszunutzen. Also schnell noch Hin- und Rückfahrt, sowie ein Bett in einem Hostel gebucht. Dieses wurde in meinem Reiseführer "Argentinien auf eigene Faust“, von dem ehemaligen Backpacker Steve Hänisch empfohlen und dann ging es am nächsten Morgen auch schon los.

Die Hinfahrt

Nach dem Frühstück ging es für mich direkt los zum Omnibusbahnhof in Buenos Aires und glaubt mir, es macht immer Sinn sich bei solch größeren Aktionen einen ordentlichen Zeitpuffer einzuplanen. Die Größe von öffentlichen Orten in Millionenstädten ist nämlich alles andere als zu unterschätzen. Außerdem kann man mit fast hundertprozentiger Sicherheit davon ausgehen, dass im ungünstigsten Zeitpunkt irgendwas Unvorhergesehenes passieren wird.

In meinem Fall sind mir, auf dem Weg zum Bahnhof mein einziges Paar Schuhe kaputt gegangen, sodass ich erstmal barfuß weiter unterwegs war, da um die Uhrzeit noch alle Läden geschlossen waren.

Gott sei Dank, dass die Argentinier so offene und hilfsbereite Menschen sind. Es brauchte keine fünf Minuten, bis ein Bettler meine verzwickte Lage bemerkte und mir ein Paar neue Schuhe von einem anderen Bettler besorgte, der diese sonst vermutlich verkauft hätte. Ich kann mein Glück immer noch nicht fassen, von einem Menschen, der selbst nicht genug zum Leben hat, solch eine Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren zu dürfen.

Das Hostel

Das Hostel "La lechuza“, in welchem ich gemeinsam mit dem Mitfreiwilligen Marvin in Rosario gelebt habe, hat es absolut verdient, hier nochmal explizit erwähnt zu werden. Genau wie die Menschen, die wir in Rosario kennengelernt haben, hat es nämlich seinen ganz eigenen familiären, freundlichen und gemütlichen Charme Diesen hat das 300-Betten-Hostel in Buenos Aires aufgrund seiner schieren Größe verloren. Nur bei dem Thema Zimmerausstattung mussten wir kleine Abstriche in Kauf nehmen, aber nach einem Monat Leben in einem Achterzimmer stört einen eigentlich praktisch gar nichts mehr.

Die Stadt

Wenn ich eine Sache in Argentinien gelernt habe, dann die, dass kein Plan, immer noch der beste Plan ist. Jegliche Pläne, die wir gemacht haben, sind entweder komplett ins Wasser gefallen, haben sich verschobenen oder wurden spontan für andere Aktivitäten über den Haufen geworfen. Am Ende hatten wir aber trotzdem zwei sehr schöne und vor allem entspannte Tage gemeinsam in Rosario.

Obwohl Rosario die drittgrößte Stadt Argentiniens ist, konnte sie sich immer noch die Ruhe und Gemütlichkeit einer Kleinstadt, abgelegen von den typischen Tourismusmetropolen, bewahren. Dementsprechend haben wir uns unsere Zeit mit Mate und Tereré trinken in verschiedenen Parks und Plazas vertrieben.

Besonders der "Parque de Independencia“ verdient eine extra Erwähnung, da ich es immer noch nicht verstehen kann, wie es möglich ist, mitten in der Großstadt so eine Idylle zu erhalten. Aber auch die Hafenregion an sich ist, mit seinem "Monumento de la Bandera“ und dem "Plaza de España“ einen Besuch absolut wert.

Die Insel

Nach dem Prinzip "kein Plan ist immer noch der beste Plan", habe ich meinen letzten Tag noch spontan auf einer Insel in der Nähe von Rosarios Stränden verbracht, zu welcher ich mit einem kleinen Motorboot rausgefahren wurde. Die Insel mit einem Wort: Wunderschön! Vor allem die Tatsache, dass man dort im Gegensatz zu Buenos Aires auch schwimmen darf, da das Wasser dort nur sandig und nicht verdreckt ist: Herrlich!

Schnell wurde ich dort dann auch noch von ein paar einheimischen Arbeitern zum Kanu fahren und Asado-Essen eingeladen. Asado ist eine traditionelle Grillfeier, bei der alle zusammensitzen und gegrilltes Fleisch, sehr viel Fleisch, essen. Dieses schmeckt selbstgemacht aber auch fantastisch, im Gegensatz zu dem, welches wir mal im Restaurant gekauft haben. Ein bisschen Spontanität und Offenheit gehört in Argentinien halt einfach dazu, wenn man wirklich was erleben will.

Die Rückreise

Ja, was soll man sagen, warum sollte die Rückfahrt anders aussehen als die Hinfahrt? Nämlich ohne Schuhe und verspätet auf dem Weg zum Bahnhof. Nachdem ich mich von allen neuen Freunden verabschiedet habe, ist mir nämlich aufgefallen, dass meine Schuhe mal wieder weg waren ... wahrscheinlich versehentlich mitgenommen von einer anderen Familie, wie mir im Nachhinein erzählt wurde.

"Gracias a dios" hatte noch ein Mitarbeiter ein altes Paar bei sich in der Wohnung rumliegen, welches er mir dann kurzer Hand geschenkt hat. Am Busbahnhof bin ich dann mit einem späteren Bus, die Vier-Stunden-Fahrt zurück nach Buenos Aires gefahren, da ich den ersten verpasst hatte.

Trotz aller Schwierigkeiten und Problemchen, war es aber trotzdem ein wunderschöner Kurztrip raus aus dem rauschenden und lauten Buenos Aires. Nach dem nächsten Reiseziel für einen Kurztrip wird außerdem auch schon fleißig gesucht. Dadurch können wir die kurze, uns noch verbleibende Zeit im Nordosten Argentiniens auch voll und ganz ausnutzen, bis es dann Ende März endlich runter nach Ushuaia geht. Wenn es soweit ist, werde ich euch natürlich wieder davon erzählen.

Aber bis dahin: hasta luego,
Alina

 

Galerien

Regionale Events