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Im Nationalpark Torres del Paine

Übersicht

¡Hola meine Lieben! Die letzten vier Tage habe ich zeltend im Nationalpark Torres del Paine in Chile verbracht und eines muss man sagen: Es war ein echtes Abenteuer.

Erste Anzeichen

Das gesamte Equipment (Zelt, Schlafsack, etc.) konnten wir in unserem Hostel in Puerto Natales ausleihen. Zu meiner großen Freude durften wir auch den Großteil unserer Sachen, die wir beim Zelten nicht brauchten, dort lassen. Entschieden hatten wir uns dann im Endeffekt für die "W“-Tour-Wanderung durch den Nationalpark, da sie mit nur vier Tagen deutlich einfacher und kürzer war, als die längere "O“-Tour. "Einfacher“ ist dabei aber relativ zu betrachten, da sie nichtsdestotrotz alles andere als das war.

Mit dem Bus sind wir von Puerto Natales aus bis zum Nationalpark gefahren. Von dort aus sind wir mit der Fähre über den türkisfarbenen See Pehoé bis zu unserem ersten Campingplatz weiter schipperten. Bereits auf dem Wasser waren die stürmischen Wetterverhältnisse mehr als gut zu spüren gewesen, die sich im Laufe des Tages noch verschlimmern sollten. 

Da versteht man auf einmal auch, warum Patagonien für seine extremen Winde bekannt ist. Eine andere Sache, für die Patagonien bekannt ist, ist das schlechte Wetter - alias Dauerregen. Dieser beginnt dann auch vorzugsweise in genau dem richtigen Moment und zwar in dem, in welchem man gerade seine Zelte aufbauen will …

Kampf gegen Natur

Bereits vollkommen durchnässt und immer noch kein Ende des Regens in Sicht, gingen wir dann trotzdem los, den ersten Strich des "Ws“ zu erwandern. Dank dem Regen wurden dabei aus den einstigen Wegen einzige Schlammpfützen und Bäche, durch welche wir uns durchkämpfen mussten. Das wahre Problem war allerdings nicht die 24 km lange Wanderung, sondern weltuntergangsähnlichen, patagonischen Wetterverhältnisse. 

Die Mischung aus Wind und Regen führte dazu, dass man sich bei jedem Schritt in den Wind reinlegen musste. Dabei war man dann gefühlt tausenden kleinen Nadelstichen im Gesicht ausgesetzt. Eingemummelt wie ein Eskimo kam es dann auch schnell zu Aussagen wie: "Ich fühl mich wie ein Ast im Wind…nein, ich verbessere mich, wie ein Blatt“. Nach ca. 9,5 km war auf einer Bergkuppe, auf welcher es mittlerweile zu hageln begonnen hat, aufgrund des immer stärker werdenden Windes dann auch Schluss

Anstatt nämlich einen Schritt weiter nach vorne zu machen, wie ich es eigentlich vor hatte, wurde ich ab einem gewissen Zeitpunkt einfach nur noch zurückgeschleudert. Als wir uns dann dazu entschlossen haben umzukehren, bin ich nur noch unfreiwillig, aber vom Wind angetrieben, gerannt. So einen starken Wind habe ich wahrlich noch nie in meinem Leben gespürt, wie hier in Patagonien. Da aber sowieso an diesem Tag alles grau war, fande ich es auch nicht weiter schlimm, dass wir frühzeitig umkehren mussten.

Improvisation 

Zurück im Camp standen wir dann vor einem neuen Problem: Alles und zwar wortwörtlich ALLES war nass. Wechselklamotten waren aufgrund des Plans unnötiges Gewicht zu vermeiden rar. Vollkommen durchgefroren und am ganzen Leib zitternd, haben sich die meisten gefragt, was sie sich da eigentlich angetan haben. Was in Gottes Namen hat uns überhaupt dazu getrieben, mehrere Tage in Patagonien zelten zu wollen?

Es war Zeit kreativ zu werden. In meinem Fall hieß das, dass ich ab dem Tag an nur noch mit Plastiktüten über den Socken in meine Schuhe reingeschlüpft bin, da diese von oben bis unten durchgeweicht waren und bei jedem Schritt Wasser aus der Sohle floss. Zu unser aller Glück hatte es am nächsten Morgen aufgehört zu regnen. So konnten wir unsere nassen Wandersachen mit Steinen am Zaun beschwert, in den Wind hängen, wo sie auch erstaunlich schnell trockneten. Nur die Schuhe blieben eine ewige Tirade, aber dafür hatte ich ja die Plastiktüten gefunden. 

Naturelles Paradies

Die nächste Wanderung ging dann bei strahlendem Sonnenschein los. Ziel war ein Gletscher. Bei so einem Wetter konnte man die Schönheit des Nationalparks mit seinen vielen Gletschern, Bergen, Flüssen und Seen auch richtig genießen. Wenn man kein Problem mit auch etwas raueren Bedingungen hat, ist dieses Naturschutzgebiet ein echtes Paradies für jeden Wanderer.  

Auch Lagunen und Wasserfälle waren mehrere vorhanden. So kam es auch dazu, dass wir einen Nachmittag einfach entspannt an einem Wasserfall verbracht hatten und dabei picknickten und redeten. Aber wirklich bekannt ist der Nationalpark für seine drei Granittürme ("Torres“). Um diese bei Sonnenaufgang zu sehen, sind wir um 3 Uhr nachts aufgestanden, um von dem vier Stunden entfernten Campingplatz loszuwandern. 

Im Stockdunklen ging es dann also los, den Weg hoch in die Berge. Bei solchen Strecken und solchen Verhältnissen merkt man dann auch schnell, wer schon Wandererfahrung hatte und wer nicht. Für mich, die einige Tage zuvor in Ushuaia überhaupt das erste Mal wandern war, war die Strecke dann leider zu viel gewesen, weswegen ich leider wieder vorzeitig umdrehen und ins Lager zurückkehren musste.

Erfahrungen gesammelt 

Nichtsdestotrotz war der gesamte Aufenthalt ein absolutes Abenteuer, auch wenn man nicht mal annähernd alles von dem Nationalpark sehen konnte. Ich will nicht behaupten, dass es leicht war, das war es nämlich nicht. Im Gegenteil, es war absolut anstrengend und nervenzerreibend.

Es hat aber trotzdem auf irgendeine verschrobene Art und Weise Spaß gemacht und war die Erfahrung absolut wert. Das Zelt im schüttenden Regen oder bei kompletter Dunkelheit nur mit dem Licht der Handykamera aufzubauen, um einen Ort zum Schlafen zu haben, ist halt doch nochmal was anderes, als im gemütlichen Bett im Hostel zu schlafen, oder seine komplette Verpflegung im Backpack mitzunehmen und sie dann im Campingkocher zuzubereiten.

Es waren auf jeden Fall vier sehr aufregende und erlebnisreiche Tage. Für den Moment bin ich aber trotzdem sehr glücklich wieder den Luxus eines Hostels mit Heizung und warmer Dusche genießen zu können. Nun geht es wieder zurück nach Argentinien, wo es fürs Erste aber wieder nur bei den eintägigen Wanderungen bleibt.

Besos,
Alina

 

 

 

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