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Jedes Ende ist auch ein Anfang

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Heute werde ich für ein Jahr nach Chile fliegen. Immer wieder sage ich mir das und eigentlich weiß ich es schon ewig, aber wirklich begreifen kann ich es noch nicht. Ein komplettes Jahr, 12 Monate, 365 Tage werde ich 12 081 Kilometer von meinem bisherigen Zuhause, von meiner Freundin, meinen Freunden, meiner Familie und allem, was ich bisher kenne, getrennt sein. 

Zum Glück habe ich gerade so viel zu tun, dass ich überhaupt keine Zeit habe, mir darüber zu viele Gedanken zu machen. Ich packe, räume mein Zimmer auf, besorge letzte Kleinigkeiten, kümmere mich um meinen Studienplatz und schreibe diesen Eintrag. Ich denke, dass ich erst, wenn die Räder des Flugzeugs den Boden verlassen begreife, dass mein großes Abenteuer jetzt wirklich losgeht.

Doch erst mal kurz zu mir: Ich bin Jos, bin 18 Jahre alt und habe gerade mein Abitur gemacht. Ich wollte nicht gleich studieren, sondern ein Jahr etwas völlig anderes machen als bisher. Deshalb habe ich mich für ein soziales Jahr im Ausland entschieden. Ich gehe nach Santiago de Chile in das Kinderheim "Hogar Esperanza". Es bietet Kindern ein sicheres Umfeld, die nicht mehr in ihren Familien bleiben können, da die Eltern Probleme, zum Beispiel mit Drogen- und Alkoholmissbrauch, haben.  Ich helfe dort ein Jahr lang bei der Betreuung der Kinder, übernehme Fahrdienste und packe auch sonst im Alltag überall an, wo es nötig ist.

Jedes Ende ist ein Anfang

Einerseits ist es natürlich ein großes Ende. Meine Schulzeit ist beendet, und damit auch die Sicherheit, dass alles klar geregelt ist und ich genau weiß, was ich zu tun habe. Auch meine Freunde sehe ich jetzt erst einmal für eine lange Zeit nicht mehr. Wer weiß, mit wie vielen ich danach noch zu tun haben werde. Daher fiel mir der Abschied von ihnen ziemlich schwer, genauso, wie es mir morgen mit meiner Familie und meiner Freundin gehen wird.

Andererseits ist es auch ein toller Anfang. Ab jetzt kann ich selber entscheiden, was ich machen möchte. Ich wollte unbedingt ins Ausland, und dahin geht es jetzt. Ich werde eine neue Kultur, ein neues Land kennenlernen und dort hoffentlich ein neues Zuhause finden. Viele neue Erfahrungen, Erlebnisse und neue Freunde warten auf mich.

Doch nun zu den praktischen Dingen. Es ist verdammt schwer sich zu überlegen, was man alles ein Jahr lang braucht. Am einfachsten wäre natürlich, einfach das komplette Zimmer in einen Container zu räumen und zu verschiffen. Da ich aber nur zwei Koffer zur Verfügung habe, muss ich mich leider beschränken. Neben offensichtlichen Sachen, wie Kleidung, Pass, Führerschein, Geld und Handy gibt es viele Kleinigkeiten, die meinen Koffer ganz schön füllen. Trotzdem muss mein Lieblingsfilm (Interstellar) und mindestens die zwei letzten Ausgaben von AutoMotorSport mit…

Vorbereitungsseminare

Ich freue mich wirklich, meine Mitfreiwilligen, die mit mir im Kinderheim arbeiten werden, wiederzusehen. Ich kenne sie schon von zwei Vorbereitungsseminaren… doch fangen wir erst einmal am Anfang an:

Gegen Ende des letzten Jahres entschied ich mich, ein soziales Jahr im Ausland zu machen. Zuerst wollte ich nach Norwegen, da ich aber während der Recherche im Internet auf die Stelle des SFD Kassel in Santiago stieß und die sich ziemlich gut anhörte (vor allem weil man dort Auto fahren darf ;) ), habe ich mich auf beide Stellen beworben. Auf dem Bewerberseminar in Kassel im Januar wurde mir dann klar, dass die Stelle in Santiago viel spannender ist und besser zu mir passt. So bin ich also auf Chile gekommen.

Vor dem ersten Vorbereitungsseminar, das in den Pfingstferien stattgefunden hat, war ich ziemlich aufgeregt. Wie sind die fünf anderen Freiwilligen so drauf, mit denen ich ein komplettes Jahr verbringe? Was werden wir beim Seminar machen? Wie soll ich alles noch geregelt bekommen vor dem Abflug? – Das waren so die Fragen, die mich davor beschäftigt haben. Als ich dann die anderen kennengelernt habe, wurde mir klar, dass es sehr sehr lustig wird. Die Gruppe ist klasse, ich habe echt Glück mit meinen Mitfreiwilligen und auch mit den drei Freiwilligen, die in andere Projekte nach Santiago gehen.Wir haben viel gelernt, hatten unter anderem Einheiten über unseren Freiwilligendienst, globale Zusammenhänge, Spendensammeln und unsere Verträge. Abends hatten wir mit allen anderen Freiwilligen, insgesamt waren es ungefähr 45 Leute, ziemlich viel Spaß. Auch die Teamer waren super entspannt und eher wie Kumpel als wie Lehrer drauf. Dadurch war die Atmosphäre, trotz des morgendlichen Aufstehens um 8 Uhr immer spaßig und es gab ein paar coole Aktionen, wie die Produktion eines lustigen kleinen Werbefilms eines Sponsors, in dem ein Teamer sich für nichts zu schade war und am Schluss den kompletten Kopf voller Eiscreme hatte. Nach einem Abschlussgrillabend wurde es dann leider schon Zeit sich wieder zu verabschieden.

Vom Seminar zum Abiball

Zwischen dem ersten und dem zweiten Seminar war dann ziemlich viel los. Zuerst musste ich noch mein mündliches Abi hinter mich bringen, dann anfangen Spenden zu sammeln, mein Visum beantragen, den Flug buchen, mich impfen lassen, einen Sprachkurs organisieren und mich schon mal für ein Studium bewerben.
Dann kam auch schon bald der Abischerz meiner Schule, bei dem wir uns alle noch mal so richtig ausgetobt haben, was sehr amüsant war. Ich musste jedoch schon früher gehen, da das zweite Seminar anstand. Es war noch viel aufschlussreicher als das Erste, da es konkreter um unsere Gastländer und Einsatzstellen ging. Es kamen unter anderem ehemalige Freiwillige des SFD, um uns ihre Erfahrungen zu erzählen. Das war sehr spannend, da uns Hanna (sie war in Nicaragua) viele nützliche Tipps geben konnte und auch einfach interessante Geschichten zu erzählen hatte.

Danach hatten wir verschiedene Workshops, zum Beispiel zu Rassismus und Diskriminierung. Auch der Ort, an dem es stattfand war sehr interessant, es war der ehemalige Landsitz eines adeligen Widerstandskämpfers im dritten Reich. Wir haben auch außerhalb der Lerneinheiten viel unternommen, von einem Open Air- Abend auf einem Hügel in der Nähe, bis zum Badeseebesuch war vieles geboten. Ich musste mich dann leider schon einen Tag früher von allen verabschieden, da mein Abiball anstand. Das war sehr schade, da ich ja alle, bis auf die Freiwilligen in Santiago, ein Jahr nicht mehr sehen würde. Daher hat die Verabschiedeung so lange gedauert, dass ich, trotz freier Autobahnen, nur ganz knapp rechtzeitig zum Abiball ankam. Dieser war dafür dann richtig klasse und, zusammen mit dem anschließenden feiern gehen, ein toller Abschluss meiner Schulzeit.Danach habe ich noch in einem Biergarten gearbeitet (um mir meine Reisen in Chile zu verdienen) und einen kleinen Urlaub am Chiemsee gemacht. Seit ein paar Tagen bereite ich mich jetzt, mehr oder weniger fleißig, auf den Abflug vor. Ich bin gespannt, was mich erwartet...

 

 

 

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